Der Turm zu Schilda

Und jetzt? Tja, jetzt ist guter Rat wahrlich teuer. Im Rathaus zu Schilda, das wir immer wieder gern besuchen, rätseln sie, wie sie jetzt mit einem geplanten Turmbau am alten Heumarkt weitertun sollen.

 Denn in der Schildaer Stadtverwaltung haben sich inzwischen sämtliche einst so glühenden Befürworter des aufgetürmten Ikea-Kastens vertschüsst: Einen haben sie zum Landtagspräsidenten weggelobt, eine Ex-Vizebürgermeisterin kümmert sich um (ihre) Daseinsvorsorge. Das Stadtoberhaupt ist in Rente, ebenso entfleucht die grüne Admirateurin des Turms ins Privatleben. Ja, und ihr Eintänzer, Stichwortgeber und Nachhilfelehrer wird Bäcker. Keiner mehr da. Die grüne Nachfolgerin, die immer so traurig blickt und spricht, hat von Stadtplanung genauso viel Ahnung wie ihre Vorgängerin, die ja eigentlich nur Integrationsstadträtin hätte werden sollen. Das Ganze ist damals halt so passiert. Was also tun? Jetzt hat sich ein fürwitziger Schildbürger im Plenum gemeldet, und der Kompromiss klang gar nicht so verwegen: „Leut'ln, wir kaufen die G'stätten samt dem hässlichen Hotel, reißen es ab, erweitern den Stadtpark um ein Drittel und setzen uns so ein Denkmal, wie es unsere Vorfahren im 19. Jahrhundert auch taten!“ Jetzt grübeln sie in Schilda. Der Spottpreis für den Liegenschaftsbesitzer wird ja wohl noch aufzubringen sein. (hws)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2019)