Sieben „Awards of Excellence“ für das beste Zeitungsdesign: „Die Presse“, „Die Presse am Sonntag“ und „Schaufenster“ wurden am Dienstag zum Abschluss des European Newspaper Congress in Wien mehrfach ausgezeichnet.
Drei Hauptpreise (Begründungen der Jury und Beispielseiten finden Sie hier) gingen an die schwedische „Smålandsposten“ (Kategorie lokal), an die „Stuttgarter Zeitung“ (regional) und an Portugals „I informação“ (überregional). Der Preis der Jury ging an die kroatische „24sata“ aus Zagreb, eine Boulevard-Schwester der „Presse“: Sie erscheint im Verlag der Styria Media Group.
„Die Presse“ war wieder das meist ausgezeichnete Medium in Österreich – Art-Director Helge Schalk (der auch das „Presse am Sonntag“-Layout entwickelte) und Matthias Eberhart („Schaufenster“) freuen sich über Preise u.a. in den Kategorien Titelseiten, Fotografie und Innovationen. Weitere heimische Preisträger sind „Falter“, „Salzburger Nachrichten“, „Kleine Zeitung“, „Oberösterreichische Nachrichten“, „Wirtschaftsblatt“, „Tiroler Tageszeitung“ und „Kurier“.
Wie unabhängig ist Journalismus?
Dort, wo zu Mittag Preise vergeben wurden, übten Vertreter der Branche zuvor harsche Kritik am Zustand der Branche. Zunehmende wirtschaftliche Abhängigkeit von Anzeigen, Aktionäre, die mehr Rendite verlangen (wie bei der „NZZ“), Redaktionen, die schrumpfen, Löhne, die sinken – das sind bekannte, nichtsdestotrotz beunruhigende Tendenzen, die eine Runde von Medienexperten, moderiert von „Presse“-Chefredakteur Michael Fleischhacker, diskutierte. Tom Schimmeck, Autor des kritischen Lageberichts „Am Besten nichts Neues“ sagte, nicht der Realkontakt zu Menschen und Ereignissen, sondern „das Recycling ist heute die Haupttätigkeit der Journalisten geworden. Die Journalisten in Deutschland sind mittlerweile die letzten, die merken, dass etwas passiert – es sei denn, es gibt eine Presseaussendung dazu“. Er sieht das größte Problem der Branche darin, „dass die Publizistik nicht mehr in der Lage ist, mit Politik und Macht umzugehen, nicht mehr die richtigen Fragen stellt“. Sein Kollege Thomas Leif, Chef des Netzwerks Recherche sieht nicht nur „einen Mangel an Qualität“, sondern auch einen „Verlust von Handschriften“: „Alle schreiben das Gleiche.“
Zum Kernpunkt gelang die Diskussion bei der Verflechtung von Medien und Wirtschaft und den dazwischen liegenden PR-Agenturen und -Beratern, als Helmut Dumfahrt, der Sprecher des Tabakunternehmens JTI, meinte, Journalisten und Unternehmen würden „im selben Boot“ sitzen. Für Schimmeck („Wir sollten unsere Boote hübsch getrennt halten.“) ein Trugschluss, dem heute viele Medienarbeiter unterliegen würden. Leif: „Wenn das so wäre, wären wir ein Appendix der Wirtschaft. Wir haben aber einen anderen Job: Kontrolle und Kritik.“
Gefährdet sieht der österreichische Medienrechtsanwalt Peter Zöchbauer die Unabhängigkeit des Journalismus aus mehreren Gründen: Sei die Medienfreiheit Ende der 90er-Jahre in Österreich noch sehr weit gewesen, sei „das Pendel irgendwann zurückgeschlagen“. Zudem kritisiert Zöchbauer den „mangelnden Willen der Politik, das Medienrecht zu harmonisieren“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2010)