Wieder geht ein Fintech an die Börse

Nexi ist Marktführer im digitalen Zahlungsverkehr in Italien.
Nexi ist Marktführer im digitalen Zahlungsverkehr in Italien.(c) REUTERS (Alessandro Garofalo)

Der italienische Zahlungsdienstleister Nexi soll mit 7,3 Mrd. Euro bewertet werden – ähnlich wie Konkurrent Adyen vor einem Jahr. Dessen Kurs hat sich seitdem fast verdreifacht.

Wien/Mailand. Die Börsen scheinen die Konjunktursorgen vergessen zu haben. Lyft, Nexi, Uber – ein Börsengang nach dem anderen wird angekündigt und durchgeführt. Heute, Dienstag, soll der italienische Zahlungsverkehrsdienstleister Nexi in Mailand an die Börse gehen. Der Spezialist im Bereich digitaler Zahlungssysteme soll mit 7,3 Milliarden Euro bewertet werden – so hoch wie der niederländische Konkurrent Adyen vor einem Dreivierteljahr.

Der Börsengang wäre der größte in Italien in diesem Jahr – und einer der größten in Europa. Noch größer war freilich jener der Novartis-Tochter Alcon in Zürich, bei der das Augenheil-Unternehmen mit 28 Mrd. Dollar (24,9 Mrd. Euro) bewertet wurde. Dabei handelte es sich aber lediglich um eine Abspaltung (den Novartis-Aktionären wurden die Alcon-Anteile einfach ins Depot gebucht).

 

Uber stellt alles in den Schatten

In den USA sammelte der Fahrdienstvermittler Lyft kürzlich 2,3 Mrd. Dollar bei einem Börsengang ein und wurde insgesamt mit 24 Mrd. Dollar bewertet. Seitdem ist die Aktie etwas unter Druck geraten. Dass Lyfts Vorgabe bald übertroffen wird, ist wahrscheinlich. Konkurrent Uber will bei seinem Börsengang zehn Mrd. Dollar einspielen und könnte damit auf eine Marktkapitalisierung von über 100 Mrd. Dollar kommen. Es könnte einer der größten Börsengänge der Geschichte werden, jedenfalls der größte seit 2014, als der chinesische Onlineriese Alibaba mit einer Bewertung von 170 Mrd. Dollar an die New Yorker Börse ging.

Im Fall Nexi haben Banken wie BPM, Creval, MPS und Ubi Banca, die zusammen sieben Prozent der Anteile hielten, ihre Beteiligungen verkauft. Ausgegeben wurden im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien im Wert von 700 Mio. Euro, die zum Schuldenabbau des von den Finanzinvestoren Advent, Bain Capital und der italienischen Clessidra kontrollierten Unternehmens dienen sollen. Die Gesellschaft, die 44,1 Millionen Kreditkarten und 2,7 Milliarden digitale Transaktionen jährlich verwaltet, will das Kapital für ihr Wachstum nutzen. 850 Mio. Euro beträgt Nexis Jahresumsatz, der Gewinn lag 2017 bei 80 Mio. Euro. Nexi ist Marktführer im digitalen Zahlungsverkehr in Italien und unterhält Partnerschaften mit allen großen italienischen Banken.

Der Börsengang wird auch deshalb mit Spannung erwartet, weil Aktien von Fintech-Unternehmen in den vergangenen Monaten das Börsengeschehen entscheidend mitbestimmt haben – einerseits mit Kursanstiegen, andererseits mit Schwankungen. So wurde Adyen beim Börsengang mit 7,1 Mrd. Euro bewertet, inzwischen sind es 20 Mrd. Doch kostete die Aktie bereits im September des Vorjahres so viel wie jetzt, dazwischen ging es um 44 Prozent nach unten.

Der Kurs des deutschen Zahlungsabwicklers Wirecard ist heuer nach mehreren Berichten der „Financial Times“ über bilanzielle Unregelmäßigkeiten, die das Unternehmen stets dementierte, unter Druck geraten. Auf Fünfjahressicht hat sich der Kurs fast vervierfacht, seit dem Allzeithoch im vergangenen September hat die Aktie aber um 42 Prozent nachgegeben. Damals hatte Wirecard die Commerzbank aus dem DAX verdrängt und die Deutsche Bank bei der Marktkapitalisierung übertroffen. Inzwischen wird die Deutsche Bank mit 16 Mrd. Euro bewertet, Wirecard mit 14 Mrd. Euro.

 

Jumia-Aktie schießt hoch

Erfolgreich war am vergangenen Freitag der Börsengang des afrikanischen Onlinehändlers Jumia, dessen Aktien am ersten Handelstag an der Wall Street um 75 Prozent in die Höhe schossen. Die Rocket-Internet-Beteiligung wurde mit 1,9 Mrd. Dollar bewertet. (b. l.)