Andrea Schurian

Paulus Mankers Manko: Er ist keine Frau

Viele Fragen rund um das Volkstheater: Wer wird es leiten? Warum wurde Manker nicht zum Hearing geladen? Warum gibt Kulturminister Blümel nicht mehr Geld?

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Sicher, rasend diplomatisch ist Paulus Manker nicht. Subalternität gehört nicht zu seinen Charaktereigenschaften, Blatt vor den Mund nimmt er sich keins, von Politikern – „Ich weiß, Trotteln darf man ja nicht sagen“ – hält er eher wenig. Aber dass er ein grandioses Theatertier ist, beweist er seit Jahrzehnten mit seinen publikumsüberrannten Polydramen „Alma“, „Wagnerdämmerung “ und „Die letzten Tage der Menschheit“. Insofern höchst befremdlich, dass er von der Kommission, die im Auftrag von Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler eine neue künstlerische Leitung für das Volkstheater finden sollte, nicht einmal zum Hearing geladen wurde. An seinem Konzept kann es nicht liegen. Vermutlich ist Mankers größtes Manko aber sowieso nicht sein Temperament, sondern, dass er keine Frau ist. Denn die VT-Spitze soll, so pfeifen es die Spatzen vom Rathausdach, weiblich bleiben. Das ist ein nicht nur aus feministischer Sicht ehrenwertes Ziel, zumal die Theaterdirektorenlandschaft Wiens vornehmlich Männerzone ist. Aber sollte letztlich nicht doch das Konzept und nicht das Geschlecht entscheidend sein? Wie soll sich das Volkstheater positionieren, wenn Martin Kušej mit Klassikern und Zeitgenossen (und sehr viel mehr Subventionen) das Burgtheater publikumsattraktiv rocken und neu ausrichten wird? Und Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger längst höchst erfolgreich im ehdem volkstheaterangestammten Dramatiker- (und Zuschauer-)Pool fischt? More of the same wird es nicht bringen.

Mit der Architektengruppe Querkraft, die z. B. beim Privatmuseum Liaunig im südkärntnerischen Neuhaus/Suha bewies, dass sie mit sparsamsten Mitteln atemberaubende Baukunst schafft, entwickelte Manker die kühne Idee eines Raumtheaters: Die vierte Wand zwischen Publikum und Schauspielern fiele, Bühne und Zuschauerraum würden zu einem Einheitsraum verschmelzen, Nebenräume wie Foyer, Hitler-Zimmer, Roter Salon als Dekorationsräume ins Spielgeschehen einbezogen. Das ganze Haus Bühne, jedes Jahr ein anderes Motto, spannende Gastregisseure, das Publikum in steter Bewegung. Die das Gebäude ummantelnden Satellitenräume wären von außen einsehbar, das Theater würde sich in den Stadtraum, also zum Volk hin, öffnen. Mit dieser radikalen Definition, was und wie ein Volkstheater heute sein könnte, hätte das VT in Österreich, ja sogar im gesamten deutschsprachigen Raum das, was man in der Wirtschaft als USP, als Unique Selling Proposition, bezeichnet. Ein nicht unerhebliches Detail: Manker rechnet in seinem 52-seitigen Konzept präzise vor, dass er mit dem Budget auskommen würde. Und das ist besonders pikant.