Wie sicher sind Österreichs Kirchen?

Die Karlskirche gilt als eine der am besten vor Bränden geschützten Kirchen Wiens
Die Karlskirche gilt als eine der am besten vor Bränden geschützten Kirchen WiensClemens Fabry / Die Presse

Wie ist Österreichs historische Substanz, vor allem Sakralbauten, vor Feuer geschützt? Sehr unterschiedlich. Einige Kirchen werden nun überprüft – andere hängen bereits am Netz der Feuerwehr.

Nach dem Großbrand der Pariser Kathedrale Notre-Dame stehen in ganz Österreich Sicherheitsvorkehrungen auf dem Prüfstand. Schließlich brennen Kirchen immer wieder – früher sogar viel öfter als heute. Wie gut sind sakrale und andere historische Bauten heute geschützt? Ein Überblick.

Wie gut sind die Kirchen der Erzdiözese Wien vor Feuer geschützt?

In Österreichs wichtigster Kirche, dem Stephansdom, gilt ein Großbrand heute als unwahrscheinlich (siehe unten). Wie steht es um die übrigen Sakralbauten? „Bei 1200 Kirchen in der Diözese gibt es keinen flächendeckenden Brandschutz“, sagt Architekt Harald Gnilsen, der Baudirektor der Erzdiözese Wien. Wie Kirchen geschützt sind, ist abhängig von lokalen Bedingungen. In Land-Pfarren werden die Kirchen regelmäßig von lokalen Feuerwehrkommandos kontrolliert, in Wien gibt es regelmäßige Begehungen mit der Berufsfeuerwehr, erzählt Gnilsen, der eben von einer solchen aus der Michaelerkirche kommt, wo diese alle fünf Jahre stattfindet.

Kritisch sind in Kirchen vor allem Renovierungsarbeiten: Wenn etwa am Dach gearbeitet wird, gelötet wird, kann Staub und morsches Holz dahinter zu glosen anfangen, sagt Gnilsen. Und erzählt von einem Fall, in dem am Nachmittag Arbeiten beendet wurden und am Morgen danach ein Brand ausbrach. „Trotz einer Brandwacht bei solchen Arbeiten, hundertprozent Sicherheit gibt es nie.“ Teilweise sind Wiens Kirchen mit Brandmeldeanlagen ausgestattet.

Die Wiener Karlskirche etwa zählt zu den best geschützten, auch wegen der vielen Touristen: Hier wurden Trockensteigleitungen mit Wandhydranten eingebaut (mit denen kann die Feuerwehr in der Höhe leichter löschen), auch gibt es eine automatische Verbindung zur Feuerwehr. Auch andere Kirchen, wie Krankenhauskapellen, sind mit Rauchmeldern ausgestattet. Weihrauch oder Kerzenruß seien da kein Problem: Zu Messzeiten könne man die Anlagen deaktivieren, sagt Gnilsen. Wie viele der Kirchen der Erzdiözese mit Rauch- und Feuermeldern ausgestattet sind, könne man nicht sagen. Ob es nach dem Brand von Notre-Dame eine Revision des Brandschutzes geben wird, werde man überlegen.

Grundsätzlich gilt: Schutz der Kirchen ist Sache der Eigentümer, bzw. der Pfarren und Diözese, heißt es von der Wiener Feuerwehr. Entsprechend ist es darum bestellt – in ganz Österreich.

Wie steht es um Kirchen im Rest Österreichs?

Wie der Wiener Stephansdom hat etwa auch der Linzer Mariendom einen Stahl-Dachstuhl und gilt als relativ sicher. Bei den dort laufenden Renovierunsarbeiten ist Flexen, Schweißen und Rauchen streng verboten. Diese Sicherheitsmaßnahmen sollen nun noch einmal überprüft werden. Eine automatische Brandmeldeanlage gibt es in Linz nicht, dafür exakte Einsatzpläne der Feuerwehr und regelmäßige Übungen.

In Graz – auch hier laufen im Dom Restaurierungen – hat die Feuerwehr nun der Diözese angeboten, alle Kirchen auf Brandschutz zu untersuchen, schließlich gibt es auch in den 700 Sakralbauten der Diözese Graz-Seckau viel Brennbares, von Altären bis Sitzbänken aus Holz, Feuermelder aber nur in wenigen Kirchen. Auch in Kärnten sind nun Besprechungen oder Übungen mit Feuerwehren angedacht.

Brandmelder hat auch der Salzburger Dom nicht, die gibt es nur im Dommuseum. Damit ist der Dom auch nicht, wie etwa die Festung Hohensalzburg, automatisch mit der Feuerwehr verbunden. Beim Dom ist die Feuerwehr im Falle eines Brandes auf Augenzeugen angewiesen. Andere Sakralbauten sind automatisch mit dem Netz der Feuerwehr verbunden: Die Mariazeller Basilika etwa.

Wie ist die Wiener Feuerwehr vorbereitet – gibt es Einsatzpläne?

Bei der Wiener Berufsfeuerwehr liegen für viele wichtige Gebäude Pläne auf. So etwas wie ein vollständiges digitales System, so dass Zufahrtswege oder Grundrisse sofort im Alarmfall bei der Hand sind, gibt es aber nicht. Teilweise liegen Pläne analog vor, teilweise auch digital, das hänge davon ab, ob die Betreiber der Gebäude von sich diese an die Feuerwehr übermitteln. Auch für einzelne Kirchen gibt es genaue Einsatz-Szenarien im Fall eines Brandes, auch wurden in vielen Kirchen Brandschutzübungen durchgeführt.

Wie ist funktionieren Branderkennung und Direktleitung?

Besonders sensible Bauten sind direkt mit dem Netz der Feuerwehr verbunden: Diese Gebäude müssen in Wien mit einer guten Brandschutzanlage ausgestattet sein. Schlagen Brandmelder an, wird sofort Alarm bei der nächsten Feuerwache ausgelöst, ein Einsatzteam in einer (zuvor für das Gebäude festgelegten Größe) rückt aus und kontrolliert, ob es tatsächlich brennt.

„Oft wird auch ein Fehlalarm erkannt. Oder, es wird sofort der Einsatz koordiniert, durch das frühe Eingreifen des Löschtrupps kann Größeres verhindert werden“, heißt es von der Wiener Berufsfeuerwehr. Tausende Gebäude in Wien – historische Gebäude, Hochhäuser, Hotels, Studentenheime – sind so extra geschützt. Die Betreiber dieser Gebäude müssen einige Auflagen erfüllen und sie zahlen für den Schutz. Kirchen hängen laut Feuerwehr nicht viele an deren Netz.

Wo hat Wiens historische Substanz gebrannt und was hat das bewirkt?

Die Stadtbrände 1258 (dem fiel etwa die Stephanskirche zum Opfer), 1262, 1276, 1326, 1327, 1525, 1529, bei denen jeweils große Teile Wiens völlig zerstört wurden, oder – viel jünger, viel punktueller – der Band des Ringtheaters 1881 mit offiziell 400 Toten, des Stephansdoms 1945 oder der Hofburg 1992: Diese Brände sind in die Geschichte Wiens eingegangen- und haben Verbesserungen im Brandschutz mit sich gebracht: Der strenge gesetzliche Brandschutz, das Wiener Rettungswesen, Dentalforensik, die Tatsache, dass Türen im Theater vom Zuschauerraum immer nach außen aufgehen müssen, das alles geht auf den Ringtheaterbrand zurück.

Auch nach dem Brand der Hofburg wurde dort in Sachen Brandschutz nachgerüstet – beziehungsweise, wird: Schließlich hat der Rechnungshof vor drei Jahren kritisiert, dass die Burghauptmannschaft beim Brandschutz noch säumig sei. Die Nachrüstung sei heute „großteils abgeschlossen“, sagt Burghauptmann Reinhard Sahl: Heute gebe es im Areal allein 12.000 Brandmelder, dazu Schutzpläne, Sicherheitsvorkehrungen, eine eigene Feuerwache in der Hofburg, usw. An einer vollständigen Ausstattung der Privatwohnungen der Hofburg mit Brandmeldern arbeite man noch.

Seit dem Hofburg-Brand gibt es auch im Schloss Schönbrunn ein so genanntes „Damage Limitation Team“, das im Notfall mit der Berufsfeuerwehr Wien zusammenarbeiten würde – vor allem, um Kunstschätze zu retten. Damit es soweit nicht kommt, gibt es etwa ein System, über das aus den historischen Räumen permanent Luft abgesaugt und auf Rauchpartikel kontrolliert wird.
Ebenfalls gebrannt haben in Wien beispielsweise das Kaufhaus Gerngroß (1979), das Fernheizwerk Spittelau (1987), das Schloss Neugebäude (1993) oder die Sofiensäle (2001).