Das Feuer in Notre-Dame brachte auch Kunstwerke in Gefahr. Der verloren geglaubte Hahn der eingestürzten Turmspitze tauchte entgegen aller Erwartungen wieder auf. In ihn sind drei Heiligtümer eingegossen.
Keine Woche ist es her, da hing Petrus noch am Kran. Zusammen mit elf weiteren Aposteln und den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes drehte sich die Kupferstatue im Visier vieler Touristen auf den Vorplatz der Kathedrale Notre-Dame de Paris herab. Sie bewegte sich langsam und kopflos, um den Transport zu erleichtern. Die Statuen standen seit Mitte des 19. Jahrhunderts in 50 Metern Höhe. Der Architekt Eugène Viollet-le-Duc hatte sie dort platziert. Nun sollten sie restauriert und danach bis 2022 in der Kirche ausgestellt werden. So lang hätte die geplante Sanierung der beiden Türme ursprünglich dauern sollen. Das war vor dem Brand.
Auch wenn das Feuer am frühen Dienstagmorgen erloschen war, blieb doch die Angst, die Gebäudestruktur, vor allem die Konstruktion der Türme mit ihren tonnenschweren Glocken, könnte nachgeben. Auch deshalb war die Sicherung der Kunstschätze im Inneren eine Herausforderung. Nach dem Einsturz des Spitzturms hatte ein Roboter die Arbeit übernommen. Viele Kunstwerke konnten gerettet werden, darunter auch eine der wichtigsten Reliquien der Welt, die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll. Ein Splitter des Heiligen Kreuzes und ein Nagel sollen sich ebenfalls in Notre-Dame befunden haben. Die Flammen hätten auch diesen Kirchenschatz nicht erreicht.
Eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche ist aus der brennenden Kathedrale Notre-Dame gerettet worden. Es handle sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll. (c) Reuters (Philippe Wojazer)
König Ludwig IX. von Frankreich hatte die berühmte Reliquie im Jahr 1237 in Konstantinopel erworben. Sie gilt als eine der wertvollsten, die in der Kathedrale aufbewahrt wurden, wie es auf der Webseite von Notre-Dame heißt. Reuters
Ein Splitter des Heiligen Kreuzes und ein Nagel sollen sich ebenfalls in Notre-Dame befunden haben. Die Flammen hätten auch diesen Kirchenschatz verschont, heißt es. Reuters
Laut Bischof Chauvet konnte neben einigen Kelchen auch die Tunika von Ludwig IX. erhalten werden. Unter seiner Herrschaft wurde die komplizierte Baugeschichte des Gebäudes im 13. Jahrhundert abgeschlossen. Imago
Und der Hahn ist einen Tag nach dem Brand auch wieder aufgetaucht: Laut französischen Medienberichten ist jener Hahn in den Trümmern entdeckt worden, der sich auf der Spitze des Turmes befand, der eingestürzt ist. Die Skulptur ist wertvoll, da sie mehrere Heiligtümer beherbergt: ein Stück der Dornenkrone, eine Reliquie des heiligen Dionysius und eine Reliquie der heiligen Genovefa. Ob sich diese noch darin befinden, war zunächst nicht bekannt. Reuters
Nach dem Einsturz des Spitzturms mussten bei dem Brand viele Personen aus dem Inneren der Kirche zurückgezogen werden, die für die Sicherheit der Kunstschätze sorgten. Anschließend übernahm ein Roboter die Rettung der Artefakte. Reuters
Verschont blieben außerdem alle drei repräsentativen Rosenfenster. Das Glashauptwerk der Kathedrale hat einen Durchmesser von 13 Metern und entstand Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Fenster zeigen biblische Erzählungen, unter anderem die Auferstehung Christi. Reuters
Die große Orgel ist eine von insgesamt drei Orgeln in Notre-Dame. Sie ist mit ihren fünf Manualen und knapp 8000 Orgelpfeifen das mit Abstand wichtigste Instrument des Gotteshauses. Im Bild: die Hauptorgel und ein Ausschnitt der West-Rosette Imago
Ihre Ursprünge reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück, im 18. Jahrhundert erreichte die Orgel ihren derzeitigen Umfang. Sie überstand die Revolutionswirren unbeschadet, weil auf ihr zeitweilig statt sakraler Musik patriotische Lieder gespielt wurden und dürfte auch den Brand ohne gröbere Schäden überstanden haben. Imago
Die in Notre-Dame ausgestellten Ölgemälde, darunter auch "Die Heimsuchung Mariä" (1716) des französischen Künstlers Jean Jouvenet, es stand im Hauptschiff, dürften laut dem französischen Kulturminister, Franck Riester, wasserbedingte Schäden aufweisen. Im Bild: Die Kathedrale vor dem Brand Reuters
Notre-Dame ist ein in den Jahren 1163 bis 1345 errichtetes Meisterwerk der Gotik und die größte Emporenkirche Frankreichs. Der fünfschiffige Innenraum misst in der Länge knapp 130 Meter. Die Gewölbekonstruktion dürfte stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Dies sei rekonstruierbar, meinen Experten. Reuters
In welchem Zustand der bedeutende Holz-Lettner (hier ein Bild aus dem Archiv) aus dem 14. Jahrhundert ist, ist bisher nicht bekannt geworden. Imago
Berühmt sind auch die Wasserspeier bzw. die "Galerie des Chimeres". Die steinernen Fabelwesen blicken von der Balustrade auf Paris hinab. Inwiefern sie von dem Brand beschädigt wurden, ist noch nicht bekannt. Auf mehreren Bildern sind einige von ihnen aber auch am Tag nach der Katastrophe zu sehen. Reuters
Gutes Timing: Nur vier Tage vor dem Brand wurden die Bronzestatuen der zwölf Apostel und vier Evangelisten im Zuge der Renovierungsarbeiten vom Dach des Gebäudes entfernt. Reuters
Die Statuen wurden bereits in der Woche vor dem Brand nach Bordeaux gebracht, wo sie aktuell auf ihre Renovierung warten. Reuters
Die bekannte Königsgalerie an der Westfassade von Notre-Dame besteht aus 28 Figuren, die den Brand offenbar ebenfalls überstanden haben. Während der Französischen Revolution wurden die ursprünglichen Statuen geköpft. Die heutigen Figuren sind relativ junge Bauwerke. Reuters
Die aufbewahrten Schätze der Kathedrale Notre-Dame befinden sich derzeit in einem Raum im Pariser Rathaus. Reuters
Notre-Dames gerettete Kunstschätze
Orgel hat den Brand überstanden
Neben einigen Kelchen konnte auch die Tunika des heiliggesprochenen Ludwig IX. erhalten werden. Unter seiner Herrschaft wurde die komplizierte Baugeschichte des Gebäudes damals abgeschlossen. Den Flammen doch nicht zum Opfer fielen drei Heiligtümer, die in den Hahn auf dem eingestürzten Spitzturm eingelassen waren: ein Stück der Dornenkrone, eine Reliquie des heiligen Dionysius und eine Reliquie der heiligen Genovefa. Die Bronze-Skulptur wurde einen Tag nach dem Brand in den Trümmern gefunden. Ob sich die wertvollen Heiligtümer noch immer im Hahn befinden und - wenn ja - in welchem Zustand sie sind, ist bisher noch nicht bekannt.
Verschont blieben laut dem Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, auch alle drei repräsentativen Rosenfenster. Das Glashauptwerk der Kathedrale hat einen Durchmesser von 13 Metern und entstand Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Angst war groß, dass es durch die Hitzeentwicklung geschmolzen sein könnte. Von den drei Orgeln der Kathedrale soll wenigstens die größte den Brand mit Sicherheit überstanden haben. Jene der Westempore gilt mit ihren 8000 Pfeifen als eine der bekanntesten der Welt. Die ausgestellten Ölgemälde dürften wasserbedingte Schäden aufweisen. Zwischen 1630 und 1707 spendete die Zunft der Pariser Goldschmiede jeden 1. Mai ein Ölgemälde für Notre-Dame. Von den insgesamt 76 sogenannten Grands Mays wurden zuletzt 13 in den Kapellen der Kirche ausgestellt.
Die geretteten Schätze befinden sich derzeit in einem Raum im Pariser Rathaus. Teilweise sind sie in Folie verpackt, manche stehen frei auf Pappkarton. Eine traurige kleine Sammlung von Kerzenständern und samtenen Sesseln. Es ist nicht ihr erster Rückschlag. Viele Kunstschätze von Notre-Dame wurden bereits während der Französischen Revolution und der Krawalle im Jahr 1831 beschädigt oder zerstört. (sh./ag.)