Eine neue Chance für alte Lagerflächen

Workers working in large warehouse
KMU, die kurzfristig Lagerfläche suchen, könnten bald auf Internetplattformen wie Sharehouse fündig werden.(c) Getty Images (alvarez)

Ein deutsches Start-up will in Österreich mit der Onlinevermittlung von Lagerflächen reüssieren. Das B2B-Modell könnte für eine bessere Auslastung sorgen und helfen, Leerstände zu reduzieren.

Internetplattformen, die Anbieter und Suchende zusammenbringen, sind nicht unbedingt eine neue Erfindung – man denke nur an booking.com oder Airbnb. Das deutsche Start-up Sharehouse hat auf diesem Feld dennoch eine Geschäftsidee entwickelt, die noch relativ unbekannt ist: die Lagerflächenbereitstellung. „Wir haben damit 2018 in Deutschland begonnen“, erzählt Jan Hepke, Head of Markeing and Sales. „Unsere Zielgruppe ist dabei nicht der Endverbraucher, sondern kleine und mittlere Unternehmen und natürlich der Onlinehandel. Wir wollen einfach zwei Seiten zusammenbringen: solche, die über freie Lagerflächen verfügen, und solche, die danach suchen.“

 

Kurzfristig und dezentral

Der nächste Zielmarkt, den die junge Firma ins Auge gefasst hat, ist Österreich. Der Markteintritt ist für Juni 2019 geplant. Derzeit sei man dabei, die ersten Gespräche zu führen, berichtet Hepke. Denn zuerst müssen natürlich die freien Flächen gefunden werden, die dann angeboten werden sollen. „Das war zu Beginn in Deutschland ziemliche Knochenarbeit, die Anbieter mussten zum Teil erst von der Idee überzeugt werden. Das ist aber doch recht schnell gegangen; heute kommen die Anbieter von selbst zu uns, wir verfügen in Deutschland mittlerweile über 1,2Millionen Palettenstellplätze“, erzählt Hepke von den Anfängen. Jetzt also Österreich – und das junge Unternehmen darf hierzulande durchaus auf ein wohlwollendes Sentiment hoffen.

Martin Schmid, Geschäftsführer von Econsult, etwa hält die Idee zwar nicht für ganz neu, ortet aber durchaus Bedarf: „Gerade im temporären Bereich, wenn ich kurzfristig Lagerflächen für eine Spitzenabdeckung brauche, könnte das durchaus eine praktikable Lösung sein.“ Er verweist in diesem Zusammenhang auf viele leer stehende Lagerflächen, die oft nicht mehr auf dem neuesten technischen Stand sind: „Diese könnte man mit einer solchen Plattform vielleicht aus dem Dornröschenschlaf holen.“ Das größte Potenzial sieht er bei einfachen Stellflächen, die manchmal kurzfristig von kleinen und mittleren Unternehmen oder dem Handel benötigt werden. Mathias Mühlhofer, Vorstand der Immobilienrendite AG, sieht hierin sogar einen Ansatz zu einer nachhaltigeren Citylogistik: „Die Idee, Lager zu dezentralisieren und für temporäre Spitzenauslastungen zurVerfügung zu stellen, wäre vor allem in den dicht bebauten Innenstädten sinnvoll.“

Kein großes Thema hingegen sind solche Vermittlungsplattformen für Entwickler wie Go Asset, die ihre modernen Logistikflächen an Großkunden vermieten oder gleich an Investoren verkaufen. „Grundsätzlich ist es aber nicht schlecht, wenn neue Player mit innovativen Ideen auf den Markt kommen“, sagt Geschäftsführer Andreas Liebsch.

Jan Königstätter, Geschäftsführer von Otago Online Consulting, meint sogar, dass Plattformen wie Sharehouse es oft anderen Unternehmen erst ermöglichten, auf dem Markt aufzutreten: Airbnb, Booking.com, Uber und andere sind gute Beispiele dafür, wie digitale Plattformen Branchen stark beeinflussen können. Die leichtere Vermittlung hat hier dafür gesorgt, dass das Angebot auf dem Markt vergrößert wurde.“

Schmid von Econsult betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Skalierbarkeit, der Prozesssicherheit und der Kostensicherheit. Ähnlich äußert sich Königstätter: „Digitale Plattformen setzen auf ein skalierendes Modell. Der klassische Anbieter, der selbst die Lagerfläche stellt und auch das Geschäftsrisiko hat, kann das natürlich nicht.“

 

Bessere Auslastung

Dass es durch die Möglichkeit, schnell und unkompliziert via Internetplattform eine Lagerfläche zu mieten, zu einer Ausweitung der bestehenden Lagerflächen kommt, glaubt keiner der österreichischen Logistiker so recht. Schmid: „Es geht ja nicht darum, neue Flächen zu schaffen, sondern hauptsächlich um die Optimierung der Geschäftsprozesse.“ Mühlhofer hingegen verweist auf die Tatsache, dass sich kleinere Unternehmen Lagerflächen in der Stadt, wie es früher üblich war, heute gar nicht mehr leisten könnten. „Dezentrale Lagerflächen, zum Beispiel in jedem Bezirk, wären eine gute Möglichkeit, das zu ändern. Dafür müssten gar nicht mehr Lagerflächen bereitgestellt werden, man könnte lediglich vorhandene besser auslasten.“