Ausbildung: Ordner im Labyrinth der Daten

Die Lehrinhalte der Logistikausbildungen nehmen künftige Entwicklungen vorweg.(c) Pixabay

Die zunehmende Digitalisierung in der Logistikbranche hat Auswirkungen auf die Anforderungsprofile der Unternehmen. Universitäten und Fachhochschulen reagieren darauf mit eigenen Schwerpunkten.

Die Digitalisierung hat starke Auswirkungen auf die Gestaltung von Prozessen, schafft neue Jobprofile und bedingt neue Geschäftsmodelle“, sagt Tina Wakolbinger, stellvertretende Leiterin des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der WU Wien. Um die Studierenden auf das geänderte Anforderungsprofil vorzubereiten, habe man Studiengänge wie den Universitätslehrgang Logistik und Supply Chain Management, der eine achtzehnmonatige, berufsbegleitende Weiterbildung bietet, um die Aspekte Informationssysteme und Analysemethoden erweitert, berichtet die Expertin. „Zugleich führen wir in Kooperation mit Logistikunternehmen verschiedenste Forschungsprojekte durch, die die Digitalisierung aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten.“

 

Forschung mit Praxisbezug

Als Beispiel nennt sie ein gemeinsames Projekt mit Fraunhofer, Rail Cargo Austria und Craftworks, das die Digitalisierung im Bahnbereich, insbesondere in der Wagenplanung, beleuchtet. Fachvorträge von Experten, etwa im Rahmen der Vortragsreihe des Forschungsinstituts für SCM, sollen Studierenden außerdem die Möglichkeit bieten, sich über die neuesten Trends im Bereich der Digitalisierung zu informieren.

Einen besonderen Schwerpunkt auf den Forschungsaspekt legt auch das Logistikum der FH OÖ. „Damit sind wir in der Lage, State-of-the-Art Wissen in die Lehre zu integrieren“, sagt Oliver Schauer, Leiter des viersemestrigen technisch-wirtschaftlichen Masterstudiums DTLM (Digitales Transport- und Logistikmanagement), das seit Herbst 2018 angeboten wird. Dementsprechend hoch ist die Nachfrage – sie übersteigt die Zahl der Studienplätze deutlich. Der branchenübergreifende Studiengang qualifiziert die Absolventen für die Digitalisierung und Vernetzung des Transport- und des damit zusammenhängenden Material- und Informationsflusses. „Die Absolventen verfügen über interdisziplinäre Fachkompetenz in komplementären technisch-wirtschaftlichen Themenfeldern, um digitale Logistiklösungen auf dem Transformationsweg zur nachhaltigen Logistik gestalten und begleiten zu können“, betont Schauer. Ergänzt wird die Ausbildung durch Leadership-, Management- sowie sozial- und interkulturelle Kompetenzen.

Digitalisierung wird an der FH des BFI Wien unter dem Themenbereich „New Work – New Business“ in allen Studiengängen als Querschnittsmaterie behandelt. Mit den Änderungen der Geschäftsmodelle, Arbeitswelten und den entsprechenden Auswirkungen auf Unternehmen und Gesellschaft bedarf es nach Ansicht von Rektor Andreas Breinbauer, Leiter der Studiengänge Logistik und Transportmanagement (Bachelor und Master), neben der technischen Betrachtungsweise auch eine ökonomisch, ökologisch und soziale Verbindung. Dabei orientiere man sich am Global Compact, den Nachhaltigkeitszielen der UN, die in die Ausbildung der Logistiker und Transportmanager einfließen. Logistik und Supply Chain Management würden außerdem zunehmend an ihrem Beitrag zur Kundenzufriedenheit gemessen. Das fordere eine agile, digitale und smarte Logistik.

Lieferungen werden kleiner, mengenmäßig aber mehr. „Wir sprechen in der Logistik von einer Atomisierung der Sendungen“, sagt Breinbauer. „Die Frage, wie das bestmöglich zu managen ist, ist ebenfalls Teil des Curriculums.“ Wichtig ist Breinbauer auch die internationale Ausrichtung: „Daher haben wir neben dem eigenen Fach Logistics English eine verpflichtende zweite Fremdsprache wie Spanisch oder Russisch eingeführt, die mit einem internationalen Fremdsprachenzertifikat abgeschlossen werden kann.“ Die digitale Transformation wird explizit in der Lehrveranstaltung Future Lab: Digitale Transformation adressiert, in der aktuelle Entwicklungen wie Blockchain oder künstliche Intelligenz in der Logistik praktisch und theoretisch behandelt werden.

LOGISTIKLEHRGÄNGE

FH Steyr – Logistikum FH OÖ

• Bachelorstudium Internationales Logistik-Management (ILM)

• Masterstudium Supply Chain Management (SCM)

• Masterstudium Digitales Transport- und Logistik-Management (DTLM),

www.logistikum.at

WU Wien

• Universitätslehrgang Logistik und Supply Chain Management (Abschluss: Akademischer Logistik- und Supply Chain Manager),

www.wu.ac.at

FH des BFI Wien

• Masterstudium Logistik und Transportmanagement, www.fh-vie.ac.at