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Burnout soll bei Lehrern als Berufskrankheit gelten

Burnout soll Lehrern Berufskrankheit
(c) Bilderbox
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Wenn Lehrer an einem Burnout leiden, können sie nicht in Vorruhestand gehen. Das will die SP-Lehrergewerkschaft ändern. Sie spricht von einer "fast selbstzerstörerischen" Pflichterfüllung.

Obwohl Stress, Lärmbelastung und Burnout bei Lehrern seit langem zum täglichen Vokabular gehören, gebe es noch immer keinen Katalog mit anerkannten Berufskrankheiten für Pädagogen, kritisierten Personalvertreter. Die Folge: Lehrer, die wegen "Dezibelwerten wie auf einem Flugfeld" oder Überlastung durch berufsbedingten Stress an Burnout leiden, können nicht in Vorruhestand gehen, so Andreas Postmann vom Zentralausschuss der Wiener Landeslehrer.

"Aber was mache ich mit einem Lehrer mit Burnout? Das sind ja keine Schulflüchter. Sie wollen unterrichten, aber können nicht mehr", betonte Postmann (Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen, FSG).

"Lehrer achten zu wenig auf Gesundheit"

Lehrer würden zu wenig auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden achten, so Postmann. Viele gingen etwa aus "fast selbstzerstörerischer" Pflichterfüllung krank in die Schule. Laut Untersuchungen sprechen 40 Prozent der Wiener Lehrer davon, dass ihre subjektive Gesundheit eingeschränkt sei, sagte Thomas Bulant, Vorsitzender der FSG-Pflichtschullehrer. Dafür macht er nicht nur das individuelle Gesundheits- und Risikoverhalten verantwortlich, sondern vor allem die Rahmenbedingungen der Schule in Ballungsräumen: Die Arbeit der Lehrer werde gering geschätzt, die Schularchitektur entspreche nicht den pädagogischen Ansprüchen und es fehle an Supervision.

Bessere Arbeitssituation schaffen

Lehrer seien "keineswegs beneidenswerte Halbtagsjobber", hob auch Andreas Fischer hervor, der zwischen 2000 und 2006 die Potsdamer Studie mitverfasst hat. Dabei wurde die Arbeitssituation von 16.000 deutschen Lehrern und 1500 Lehrern aus anderen Ländern untersucht. In der Folge wurde ein Instrument erarbeitet, mit dem die Arbeitsverhältnisse an Schulen (pädagogische Arbeit, sachliche und organisatorische Voraussetzungen, soziale Beziehungen) analysiert werden können. Auf Basis der Ergebnisse können, so Fischer, die Schulleiter gesundheitsfördernde Maßnahmen anbieten. Das Problem dabei: "Diejenigen, die die Maßnahmen am meisten bräuchten, nutzen sie am wenigsten, weil sie aus verschiedenen Gründen dazu nicht in der Lage sind." Schulen müssten daher von vorneherein eine Arbeitssituation schaffen, die die Belastungen der Lehrer verringert und "stimulierende und motivierende Voraussetzungen schaffen".