Notre-Dame-Direktor will provisorische Holzkirche bauen lassen

Ein Blick auf die zerstörte Kathedrale Notre-Dame aus der Luft.REUTERS

Fünf Jahre soll die Renovierung der Pariser Kathedrale bestenfalls dauern - unter dem Kommando von „Monsieur Wiederaufbau“, Ex-Generalstabschef Georgelin. Die Steiermark will Know-how beisteuern.

Geht es nach dem Willen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, soll die bei dem verheerenden Brand zerstörte Kathedrale Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren wieder aufgebaut werden. Doch wo sollen Gläubige und andere Besucher in dieser Zeit hin? "Wir dürfen nicht sagen, die Kathedrale ist für fünf Jahre geschlossen und das war's", sagte der Direktor von Notre-Dame, Patrick Chauvet, dem Sender CNews am Donnerstag. "Also dachte ich mir: Kann ich nicht eine temporäre Kirche auf dem Vorplatz bauen?"

Diese würde dann aus Holz sein. So könne man die zahlreichen Touristen willkommen heißen, die die weltberühmte Kathedrale besuchen. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo unterstütze das Projekt, sagte Chauvet.

Unklar war weiter, wie lange Notre-Dame letztlich geschlossen bleiben wird. Es sei möglich, dass die Kathedrale schon bald wieder geöffnet werde, wenn es die Sicherheit des Gebäudes erlaube, sagte eine Sprecherin der Pariser Diözese. Allerdings sei es noch zu früh, um darüber eine verlässliche Aussage zu treffen.

Steiermark bietet Expertise an

Leiten soll die Rekonstruktion der frühere französische Generalstabschef Jean-Louis Georgelin. Er war am Mittwoch zum „Mister Wiederaufbau“ ernannt worden. Er muss in den nächsten zwei Monaten eine Bestandsaufnahme des Gebäudes erstellen und ist dem Präsidenten direkt Rechenschaft schuldig.

Während das von der Regierung eingesetzte Team fünf Jahre für plausibel hält, meinen Experten, dass ein Wiederaufbau mindestens zehn Jahre dauern werde. Denn bevor man sich an den Wiederaufbau machen kann, muss die Ruine vor Regen geschützt werden. Erst dann können die Bauarbeiten beginnen.

Noch ist offen, wie die Kathedrale nach der Restaurierung aussehen soll. Premierminister Edouard Philippe kündigte einen internationalen Architekturwettbewerb für den Wiederaufbau des kleinen Spitzturms an, der bei dem Feuer zerstört wurde. Und noch eine weitere Hürde besteht: Ersten Schätzungen zufolge braucht es 100 Steinmetze, 150 Zimmerleute und 200 Dachdecker. Und das sind Berufe, die in Frankreich mit Nachwuchsproblemen kämpfen, da sie kaum attraktiv erscheinen und die Betriebe zu wenige Lehrlinge ausbilden.

Abhilfe will die Steiermark schaffen: Die steirische Holzbauwirtschaft will in den kommenden Tagen mit der Österreichischen Botschaft in Paris Kontakt aufnehmen, um ihr Know-how anzubieten, hieß es in einer Aussendung des steirischen Landesrates Johann Seitinger.

90 Prozent der Kunstschätze gerettet

Gute Nachrichten gibt es hingegen für Notre-Dames Kirchenschatz: Rund 90 Prozent der Kunstwerke und Reliquien in dem Pariser Wahrzeichen konnten rechtzeitig vor dem Flammen gerettet werden, sagte der Schadensachverständige Michel Honore, der den Domschatz im Auftrag der Versicherer begutachtet, am Mittwochabend.

Der „Tresor" besteht aus 1000 bis 1200 Gegenständen von wertvollen Kelchen über historische Kirchengewänder bis hin zu großformatigen Gemälden. Hilfskräfte hatten das Inventar mit einer Menschenkette vor dem Flammen in Sicherheit gebracht. "Zu den ersten Stücken, die gerettet wurden, gehörten die Dornenkrone und der Nagel vom Kreuz", sagte Honore. "Sie standen ganz oben auf der Liste und wurden vorschriftsgemäß vorrangig herausgebracht.“ Auch die weltberühmte Orgel könnte ohne Schaden davon gekommen sein.

(APA/dpa/red.)

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