Extremkletterer David Lama angeblich in Kanada von Lawine verschüttet

David Lama im Jänner 2018 auf dem Stubaier Gletscher
David Lama im Jänner 2018 auf dem Stubaier GletscherManuel Ferrigato/Red Bull Content Pool

Der 28-Jährige Tiroler, Kletter-Kollege Hansjörg Auer und US-Alpinist Joess Rosekelly wurden offenbar von einer Lawine erfasst, als sie eine schwierige Route auf den Howse Peak klettern wollten.

Die Tiroler Bergsteiger und Kletterer David Lama und Hansjörg Auer werden offenbar seit Mittwoch in Kanada vermisst. Nach einem Bericht der "Tiroler Tageszeitung" in ihrer Online-Ausgabe sollen sie von einer Lawine verschüttet worden sein. Lama und Auer waren zuletzt offenbar mit dem ebenfalls sehr bekannten US-Alpinisten Jess Roskelley unterwegs. Auch er wird vermisst.

Nach einen Bericht des Online-Portals der Regionalzeitung "The Spokesman Review" aus Spokane im US-Bundesstaat Washington, woher Roskelley stammt, waren die drei zuletzt im kanadischen Bundesstaat Alberta an der Grenze zu British Columbia unterwegs. Dort wollten sie eine schwierige Route auf den Howse Peak im Banff Nationalpark klettern. Das Blatt berief sich dabei auf Roskelleys Vater John, der mit seinem Sohn 2003 den Mount Everest bestiegen hatte. Jess Roskelley, damals 20, war zu dem Zeitpunkt der jüngste US-Bergsteiger, dem dies gelungen war.

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Laut seinem Vater hätte sich Jess Roskelley am Dienstag melden sollen, was er offenbar nicht tat. John Roskelley hat dem Bericht zufolge daraufhin Mittwochfrüh (Ortszeit) die Behörden von "Parks Canada" alarmiert, die eine Suchaktion per Helikopter in Gang gesetzt hätten. Man habe einen ausgedehnten Lawinenkegel, Kletterausrüstung und einen teilweise von Schnee bedeckten Körper gesehen. Eine Bergung sei wegen der Lawinengefahr zunächst nicht möglich gewesen.

Laut John Roskelley wollten Lama, Auer und Jess Roskelley die Route M16 klettern, die erstmals im Jahr 2000 durchstiegen wurde. "Es ist eine dieser Routen, bei denen man die richtigen Bedingungen haben muss oder es wird zu einem Albtraum. Das ist eine jener Touren, wo es zu einem Albtraum geworden ist", wurde John Roskelley, der sich kaum noch Hoffnungen auf eine gesunde Wiederkehr seines Sohnes machte, im "Spokesman Review" zitiert.

David Lamas Manager Florian Klingler konnte vorerst weder bestätigen noch dementieren, dass der Extrembergsteiger in Kanada unter eine Lawine gekommen ist. Er habe jedoch von Bekannten Lamas derartige Befürchtungen gehört, sagte Klingler der Austria Presse Agentur. Zudem kündigte der Manager eine Stellungnahme der Familie über die Homepage von David Lama an. Wann diese erfolgen werde, stehe jedoch noch nicht fest. Näheres wisse er derzeit selbst nicht, so der Manager. Bis Donnerstagabend war diese Stellungnahme jedenfalls nicht auf die Homepage gestellt worden.

Lama postete zuletzt mehrere Fotos von diversen Touren in Kanada auf Instagram. Zuletzt dieses hier:

David Lama wurde 1990 als Sohn einer Innsbruckerin und eines nepalesischen Bergführers in Innsbruck geboren. Auf seiner Homepage heißt es, er sei fünf gewesen, als ihn Himalajaveteran Peter Habeler zum ersten Mal beim Klettern beobachtete und sofort sein „außergewöhnliches Gespür für den Felsen“ bemerkt hätte.

Lama galt folglich schon im Kindesalter als eines der größten Kletter-Talente des Landes. 2004 und 2005 gewann er die Gesamtwertung des Jugendeuropacups. Schon 2006 dann schaffte er in seiner ersten Weltcup-Saison sowohl den Sieg eines Boulder-Weltcups als auch eines Vorstieg-Weltcups. Seit 2010 widmete sich Lama vor allem dem alpinen Klettern und Extrembergsteigen - unter anderem gelangen ihm schwierige Erstbesteigungen, etwa am Cerro Torre in den Anden in Südamerika im Jahr 2012, wo er mit Peter Orter die Kompressor-Route erstmals frei und ohne Hilfsmittel erkletterte. 2018 schafft er als erster alleine die Erstbesteigung des Lunag Ri in Nepal über den Westpfeiler - nach zwei in den Vorjahren abgebrochenen Versuchen.

(APA/Red.)