Bis der nächste Winter

(c) Carolina Frank

„Nächste Woche fängt die letzte Staffel von ,Game of Thrones‘ an . . . krank“, meint der Älteste abgelenkt.

„Nächste Woche fängt die letzte Staffel von ,Game of Thrones‘ an . . . krank“, meint der Älteste abgelenkt, der gerade mit mir am Esstisch sitzt und auf seinem Handy herumtut. „Ich weiß nicht, ,Game of Thrones‘ . . .“, antworte ich nur mittelbegeistert, während ich auch auf meinem Handy herumtue. Einschub: Handybenützung neben Gesprächen ist natürlich absolut tabu, schafft aber mit den älteren Buben oft jene Atmosphäre, die zu ungezwungenen Gesprächen führt. Einschub Ende. „Hey, du brauchst jetzt gar nicht so zu tun, als täten in deinem Leben so viele spannende Sachen passieren, dass eine neue Folge ,Game of Thrones‘ jeden Montag keinen Unterschied machen würde.“

Gut, also man könnte erstens jetzt darüber streiten, ob ein spannendes Leben im engeren Sinn überhaupt so erstrebenswert ist, zweitens ist eine neue Folge einer guten Serie natürlich schon ein großes Highlight und drittens hängt mir „Game of Thrones“ schon ein bisserl zum Hals heraus. Überhaupt mag ich dieses Etikett Fantasy nicht so gern, weil sich in diesem Genre meist das Gegenteil von Fantasie verbirgt, sondern nur alles, was so in Sagen, Märchen und Mythen nicht niet- und nagelfest ist, abgekupfert und mit massenhaft CGI-Megaschlachtszenen aufgepeppt wird. Das ist übrigens das Besondere an „Harry Potter“: Geschichte und Figuren würden auch funktionieren, wenn niemand zaubern könnte. „Na gut, aber es ist doch eh klar, dass John Snow der Einzige ist, der diesen Night King aufhalten kann, weil er schon einmal tot war. Und dabei wird er endgültig sterben, die Dragonmother kriegt dann den Thron, bringt sein Kind zur Welt und alle leben glücklich, bis der nächste Winter kommt“, sage ich. Und bin nun doch ein wenig gespannt, wie es tatsächlich ausgehen wird.