„Katastrophe nach der Katastrophe“ in Mosambik

(c) APA/AFP/ZINYANGE AUNTONY

Nachdem ein tropischer Wirbelsturm vor fünf Wochen weite Teile des südostafrikanischen Landes zerstört hat, droht nun eine Hungerkrise. Hunderttausende Menschen sind von Nahrungsmittelhilfen abhängig.

Wien. Noch ist das Zeitfenster offen, doch Experten warnen: Können in den von Zyklon Idai verwüsteten Teilen Mosambiks nicht in den kommenden Tagen Getreide und Gemüse für die nächste Ernte im Herbst ausgesät werden, droht der Bevölkerung eine Hungerkrise.

„Jetzt ist die Zeit zur Aussaat. Die Menschen müssten jetzt anbauen, um in einem halben Jahr etwas zu essen zu haben“, erklärt Daniela Pamminger in einem Telefonat mit der „Presse“. Die Leiterin der Auslandshilfe bei der Caritas Oberösterreich ist nach einem zweiwöchigen Aufenthalt gerade unterwegs zurück nach Österreich.

Idai war in der Nacht zum 15. März in der Nähe der Großstadt Beira auf die Küste Mosambiks getroffen. Starke Windböen, Sturmfluten und von anhaltendem Regen ausgelöste Überschwemmungen zogen eine Schneise der Verwüstung durch Mosambik bis hinein ins Nachbarland Simbabwe. Allein in Mosambik wurden 240.000 Häuser ganz oder teilweise vernichtet. Infolge des Zyklons breitete sich die Cholera aus. Bisher sind fast 5000 Krankheitsfälle registriert.

„Die Zusammenarbeit zwischen der Regierungsbehörde und den internationalen Organisationen ist im Vergleich mit anderen Katastrophenfällen gut koordiniert“, sagt Pamminger. Die große Herausforderung sei es, jetzt zu reagieren. „Die Haupternte ist zerstört worden“, erklärt die Caritas-Mitarbeiterin.

Laut der Regierung in Maputo haben die Überschwemmungen unmittelbar vor der Ernte mehr als 700.000 Hektar Ackerland zerstört. Die Ernte von Getreide, Obst und Gemüse fiel komplett aus. Etwa eine halbe Million Kleinbauern und deren Familien haben zum Teil ihre Lebensgrundlage verloren. Die Welthungerhilfe warnt angesichts der angespannten Ernährungslage bereits vor einer „Katastrophe nach der Katastrophe“. Das Welternährungsprogramm (WFP) und andere haben inzwischen Hunderttausende Menschen mit Nahrungsmitteln für den unmittelbaren Bedarf erreicht.

Logistische Probleme

Die Überschwemmungen sind zwar zurückgegangen, der Schlamm wurde weggeräumt. Doch das Saatgut – Mais, Erdäpfel, Gemüsesamen – müsse jetzt verteilt werden. „Derzeit ist es eher ein logistisches Problem, weil es schwierig ist durchzukommen“, berichtet Pamminger. Außerdem seien noch viele Menschen in Notunterkünften und könnten daher ihre Felder nicht bestellen.

Noch immer hat man nur fallweise Kontakt zu entlegenen Dörfern. Noch ist nicht klar, was dort benötig wird. Die Caritas etwa hat zu vier Missionsstationen, die durch eine Partnerorganisation betreut werden, keinen Kontakt. Man wisse gar nicht, was dort derzeit gebraucht werde, weil die Telefonleitungen nicht funktionieren.

Zu kämpfen hat man auch noch immer mit der gesundheitlichen Situation: Um eine weitere Ausbreitung der Cholera zu vermeiden, wurden im April rund 800.000 Menschen gegen die Durchfallerkrankung geimpft. Helfer verteilen zudem Hunderttausende imprägnierte Moskitonetze, um einen Anstieg von Malaria-Erkrankungen zu bremsen.
Die Weltbank schätzt, dass sich die Schäden in Mosambik, Simbabwe und Malawi auf rund 1,7 Milliarden Euro belaufen. Das ist für die betroffenen Länder eine riesige Summe – Mosambik hat der Weltbank zufolge eine jährliche Wirtschaftsleistung von nur gut zwölf Milliarden US-Dollar. Gerade jetzt brauche das Land aber mehr Unterstützung, fordern internationale Organisationen.

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