Ballettakademie: Ermittlungen gegen drei Personen

Die Staatsanwaltschaft hat offiziell ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Die Staatsanwaltschaft hat offiziell ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.(c) APA/BARBARA GINDL

Die Staatsanwaltschaft Wien hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Sonderkommission wird Verfassungsgerichtshof-Präsidentin Brigitte Bierlein leiten.

Wien. Nach den publik gewordenen Missständen in der Ballettakademie der Wiener Staatsoper hat die Staatsanwaltschaft offiziell ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dieses richtet sich vorerst gegen drei Verdächtige, wie Staatsanwaltssprecherin Nina Bussek am Donnerstag bestätigte.

Bei dem Trio handelt es sich dem Vernehmen nach um zwei ehemalige Lehrerinnen und einen Lehrer. Die Untersuchungen laufen wegen des Verdachts des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses und des Quälens von unmündigen Personen. Sollte es in diesem Sinn zu Anklagen kommen, drohen den Beschuldigten bis zu drei Jahre Haft.

Zunächst müssen die Beschuldigten vernommen und die Opfer als Zeugen befragt werden. Die Staatsoper soll hinsichtlich einzelner Punkte von sich aus eine Sachverhaltsdarstellung übermittelt haben, die derzeit ausgewertet wird. Die von der Staatsanwaltschaft veranlassten Erhebungen könnten freilich zusätzliches Beweismaterial erbringen. Wie in der vergangenen Woche bekannt worden war, soll vor allem eine mittlerweile entlassene Ballettlehrerin im Unterricht Kinder, die teilweise erst elf Jahre alt waren, ausgesprochen grob behandelt, gekratzt, getreten und gedemütigt haben. Auch bei Gewichtskontrollen soll die Lehrerin ein sehr strenges Regiment geführt haben.

Der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft waren die Zustände seit Längerem bekannt. Die Behörde ist seit Dezember eingeschaltet. Eine Exschülerin berichtete der „New York Times“, sie wäre „wie ein Fußball“ getreten worden. Ein Lehrer ist vor wenigen Tagen vorläufig suspendiert worden. Er soll einen 16-Jährigen sexuell missbraucht haben.

Neue Leitung für Kommission

Am Donnerstag tagte zum ersten Mal auch die von Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) initiierte Sonderkommission zur Klärung der Vorwürfe gegen die Ballettakademie. Sie steht nun doch nicht, wie ursprünglich geplant, unter der Leitung von Christian Kircher, sondern von Verfassungsgerichtshof-Präsidentin Brigitte Bierlein. Der Chef der Bundestheater-Holding gehört dem Gremium nicht einmal an.

„Die Kommission soll unabhängig und frei arbeiten können“, begründete Kircher den Schritt in einer Aussendung: „Ich werde deshalb dieser Kommission auch nicht angehören, sie dennoch als Geschäftsführer der Holding und als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Wiener Staatsoper mit allen Kräften unterstützen.“

Bierlein soll auch den Aspekt Recht bzw. Opferschutz in der Kommission verantworten. Für den Bereich Pädagogik ist Ulrike Sych als Rektorin der Universität für Musik und darstellende Kunst zuständig.

Auch Martina Fasslabend ist Teil der Sonderkommission. Die Präsidentin des Österreichischen Kinderschutzpreises Myki soll ihre Fachexpertise im Bereich Psychologie einbringen. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2019)