Stadtkunst in der Annagasse

Margot und Michael Schmitz wollen mit ihrer Galerie im 1. Bezirk der Urban Art ein neues Publikum erschließen.
Margot und Michael Schmitz wollen mit ihrer Galerie im 1. Bezirk der Urban Art ein neues Publikum erschließen.(c) Michele Pauty (Michele Pauty)

Mit ihrer Galerie AG 18 widmen sich Margot und Michael Schmitz der Urban Art. Ab kommender Woche zeigen sie erstmals zwei Wiener Künstler.

Es gibt ein Video, da stecken Perkup und Ruin in aneinandergenähten Blaumännern und greifen, Kappe auf dem Kopf und Schutzmaske vor dem Gesicht, gleichzeitig zu ihren Spraydosen. „Doubletrouble“ lautet der Titel, wenn sich die beiden Künstler ab nächster Woche auf ein Packl hauen. Wobei, Schwierigkeiten werden sie weder bereiten noch bekommen, in der Annagasse sind ihre Aktivitäten völlig legal.

AG 18 heißt die Galerie, die Margot und Michael Schmitz seit einigen Monaten in bester Innenstadtlage betreiben und mit der sie sich jener Kunst widmen, die man in Wien sonst eher am Donaukanal finden kann – respektive jener Urban Art, die sich etwa aus Formen wie Graffiti entwickelt hat. „Kunst, die aus dem städtischen Raum kommt und die von der kulturellen und stilistischen Vielfalt unterschiedlich beeinflusst wird“, formuliert es Michael Schmitz vorsichtig.

Kennengelernt, erzählt er, hätten er und seine Frau Urban und Street-Art vor allem auf ihren Reisen. Zunehmend gezielt hätten sie jene Stadtbereiche besucht, in denen diese Kunst (oft, aber nicht nur im öffentlichen Raum) zu finden ist, hätten Künstler, Galerien und Museen besucht, in Kapstadt und San Francisco, Los Angeles, Kiew oder Paris. „Urban Art hat in vielen Ländern schon eine viel größere Attraktivität als bei uns.“

Umkehrt sei ein Merkmal der Urban Art, dass auch die Künstler viel reisen. „Sie sind oft sehr international, inspirieren sich gegenseitig.“ Genau das sei ihm und seiner Frau besonders wichtig: „Zu Weltoffenheit einzuladen. Was ja nicht unbedingt selbstverständlich ist, gerade wenn man sich die Gesellschaftsentwicklung in den vergangenen Jahren anschaut, geht die Tendenz nicht unbedingt zu mehr Weltoffenheit und Neugier, sondern eher zu Abschottung und Selbstbetrachtung und damit genau zum Gegenteil.“

„Ein guter Mensch verlässt seine Heimat nicht“, das habe er in Österreich schon einmal zu hören bekommen, erinnert sich Michael Schmitz. Damals, da war er noch Journalist, führten ihn Reportagen über Jörg Haider erstmals beruflich nach Österreich. Für das ZDF war der gebürtige Duisburger auch in Ostberlin, als die Mauer fiel, war Kriegsberichterstatter während der Jugoslawien-Kriege, Washington-Korrespondent während der Lewinsky-Affäre.

Seit 1996 betreibt er in Wien mit seiner Frau das Institut Schmitz & Schmitz – er als Psychologe, sie als Psychiaterin. „Psychoarbeit“, nennt es Michael Schmitz. Angst, ADHS und Burn-out werden hier behandelt, auch Managementfragen und Eheprobleme, und mit Parachute Vienna gibt es auch ein privates Behandlungszentrum Marke Luxury Retreat.

 

Perkup und Ruin im Doppelpack

Mittlerweile sind die fünf Kinder der Patchworkfamilie (darunter Ex-Schwimmer und Psychotherapeut Markus Rogan) unabhängig, damit sei das „Spielgeld frei“, sagt Michael Schmitz, um ein Projekt wie die Galerie „anschieben zu können“. Früher hätten sie die Bilder vor allem „im Office“ hängen gehabt, sagt Margot Schmitz, aber das ständige Auf-, Ab- und Umhängen sei mühsam gewesen. „Außerdem braucht es Licht und Platz, um die Bilder wirken zu lassen.“

Aktuell stammen die Werke in der Annagasse von einem Franzosen. Momies hat im Auftrag der Pariser Bürgermeisterin schon eine ganze Straße gestaltet; seine farbenfrohen Bilder sind eine abstrahierte Version von Graffitikunst. Daneben richten sich ab heute mit Perkup und Ruin nun eben erstmals zwei Wiener Künstler in der Galerie ein. Perkup, 1989 in Graz geborener Maler, Grafikdesigner, Illustrator und Graffitikünstler, hat 2017 an der Angewandten diplomiert und arbeitet immer wieder im öffentlichen Raum. Ruin gilt als einer der renommiertesten Straßenkünstler Österreichs, sei aber angesichts der Vielfalt seiner Darstellungen und Techniken nicht nur als solcher zu kategorisieren. Gestalten werden die beiden u. a. auch eine ganze Wand. Typisch für Urban Art natürlich nur auf Zeit.

Auf einen Blick

AG 18 heißt die neue Galerie in der ehemaligen Kunsthandlung Nebehay in der Annagasse 18, die Urban Art im 1. Bezirk zugänglich machen will. Der Name verweist sowohl auf die Adresse als auch die Philosophie, eine Arbeitsgemeinschaft sein zu wollen. So kooperiere man z. B. mit der Oxymoron-Galerie in der Burggasse. Die Betreiber, Michael und Margot Schmitz, sammeln schon lang Kunst, sind als Galeristen aber Quereinsteiger. Aktuell widmet man sich dem Franzosen Momies, am 25. April eröffnet „Doubletrouble“.