„Blausprech“: Neues Buch über die FPÖ-Methoden.
„Der Vorwurf, Strache sei eine Kopie von Haider, ist falsch“, schreibt Benedikt Narodoslawsky. „Richtig ist: Die Strache-FPÖ ist eine Kopie der Haider-FPÖ.“ Denn die Vermarkter der Strache-Partei, Generalsekretär Herbert Kickl und Bundesgeschäftsführer Hans Weixelbaum, seien bei Haiders Werber Gernot Rumpold in die Schule gegangen. Deren gemeinsames Credo laute: Politik darf nicht langweilig sein.
Unter Strache ist die FPÖ noch moderner geworden – Stichwort HC-Rap, HC-Comic, StraChe. Der Inhalt der Comics soll tatsächlich aus Kickls Feder stammen. Schon 2006 meinte der neue FPÖ-Chef: „Die Zeiten, in denen man Jugendliche durch gesellschaftspolitische Ideen für sich gewinnen konnte, sind vorbei. Die Politik sollte Anleihen bei denen suchen, die es schon immer geschafft haben, die Jugend für sich einzunehmen. War es im 18. Jahrhundert das Werther-Fieber, so sind es heute vielleicht Robbie Williams oder Sarah Connor.“
Narodoslawsky, ein freier Journalist, hat eine Abhandlung über die Geschichte der FPÖ geschrieben, von ihren Anfängen bis heute. Solide, kritisch, aktuell – sogar Rosenkranz' eidesstattliche Erklärung im Wahlkampf 2010 findet sich im Buch. Mit wirklich neuen Erkenntnissen kann der Autor jedoch nicht aufwarten.
Großes Augenmerk legt er auf die Medien. Schon unter Haider sei es so gewesen: „Was auf den ersten Blick wie ein blutiger Boxkampf aussah, war in Wirklichkeit eine erfolgreiche Partnerschaft.“ „Wir haben gedacht, wie kommen wir zu Auftritten in der ,ZiB‘“, so Gernot Rumpold, „da denkst du dann über Themen und Inszenierungen nach [...], wie errege ich Aufmerksamkeit.“
Strache sei im Umgang mit der Basis geschickter als Haider, meint der FPÖ-nahe Lothar Höbelt: „Er ist nett. Das war Haider nie so. Der Haider hat nie in einer Runde plötzlich Leute gelobt. Der Strache macht das und sorgt für ein Gemeinschaftsgefühl.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2010)