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Der alte Romantiker des Jazz mag auch Opernarien

Don Menza (Archivbild)
Don Menza (Archivbild)(c) imago/Hartenfelser (imago stock&people)
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KritikDon Menza, 82-jähriger Saxofonist, begeisterte im Wiener Jazzland.

Wieso locken just alte Jazzsaxofonisten so viele junge Frauen in ihre Konzerte? Vielleicht liegt es an der intensiven Romantik ihrer Melodien. Don Menza, der nächste Woche 83 wird, gebot jedenfalls auch diesmal im Jazzland – wo er vor drei Jahren sogar ein Livealbum aufgenommen hat – majestätisch über die „blue notes“. Er begann mit „On Green Dolphin Street“, in dessen Text es so hübsch heißt: „Romance was the theme, and we were the players.“ Nichts als Marionetten der Liebe sind wir. Das weiß auch Menzas Frau, die ihn zu jeder Tour mit dem Satz „Hab nicht zu viel Spaß“ verabschiedet.

Das erzählte Menza im Jazzland – und betonte, dass ihn stets mehr als nur der Jazz interessiert habe: Er schätze den frühen Elton John, die Beatles und dramatische Opernarien, auf die habe ihn sein sizilianischer Opa gebracht. Begleitet wurde er unter anderem vom famosen Innsbrucker Pianisten Oliver Kent, der Motive von Tschaikowski als Intro einer Ballade spielte, bei der Don Menza sein Instrument so richtig glühen ließ.

Anderswo verhielt er sich erfrischend störrisch. Fast 30 Jahre hat er im Orchester von Henry Mancini gespielt. Als Beweis neckte er mit einer viel zu kurzen Kostprobe der „Pink-Panther-Theme“. Dann zerlegte er die Ballade „Charade“ aus dem gleichnamigen Film rüde. Wieder sanft wurde es mit dem zart swingenden „Sunday with Sunny“, das einen Nachmittagsplausch mit Sonny Rollins musikalisch rekapituliert. Rollins, mit dem Menza in ständigem Kontakt steht, war auch das Schlussstück zugeeignet, eine Art Calypso, der das Tanzbein lockte. Don Menza schmunzelnd: „If you feel like dancing – don't!“

Am Samstag (20. April) spielt Don Menza im Jazzland noch ein Konzert. (sam)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2019)