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Musik zwischen Himmel und Erde zu Ostern in Krems

Gidon Kremer bei Imago Dei.
Gidon Kremer bei Imago Dei.Imago Dei/Sascha Osaka
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KritikGidon Kremer und seine Kremerata Baltica gratulierten dem jubilierenden Kremser Osterfestival mit einem unbekannten Schnittke.

Mit Opferkanons und Auferstehungskantaten aus dem Barock – interpretiert vom Originalklangensemble La dolcezza – wird am Ostermontag das Kremser Osterfestival Imago Dei ausklingen, das heuer zum 20. Mal in der säkularisierten Steiner Minoritenkirche stattfindet. „Zwischen Erde und Himmel“ – so das Motto am Donnerstag – bewegte sich auch das Gastspiel des prominentesten Mitwirkenden: Gidon Kremer. Er hatte dafür nicht nur seinen langjährigen Klavierbegleiter Oleg Maisenberg mitgebracht, sondern auch einige Musiker seiner Kremerata Baltica, die besonderen Wert auf Komponisten legt, die eine Wiederentdeckung wert sind.

Etwa den aus Warschau stammenden Mieczysław Weinberg, dessen Geburtstag sich kommenden Dezember zum hundertsten Mal jährt. Für Kremer ein Anlass, immer wieder auf ihn und sein Werk hinzuweisen, das er, wie er in einem Vorgespräch sagte, in eine Reihe mit Gustav Mahler stellt.

Aber nicht eines von Weinbergs symphonischen Werken war bei Imago Dei zu hören, sondern sein 1950 vollendetes Streichtrio Opus 48. In diesem selbst in seinen tänzerischen Passagen von ernstem Tonfall durchdrungenen, dreisätzigen Werk erinnern im Finale Klezmer-Anklänge an die Verfolgung jüdischer Intellektueller in der Sowjetunion, der auch Weinberg ausgesetzt war.

Berührend interpretiert wurde auch das Schlussstück dieses Abends, Alfred Schnittkes Klavierquintett, ein instrumentales Requiem für seine 1972 verstorbene Mutter. „Beinahe mühelos gelang der erste Satz“, schrieb Schnittke einst, „danach ging es nicht mehr weiter.“ Dass sich in diesem Werk neben Hinweisen auf Bach und Schütz auch von der Wiener Walzerseligkeit inspirierte Klänge finden, wundert nicht: Der Wolgadeutsche Schnittke verbrachte frühe Jugendjahre in Wien, die besondere musikalische Atmosphäre dieser Stadt schwingt in seinem Schaffen stets mit.

 

Die Hoffnung bricht sich Bahn

Souverän zogen Kremer und seine Mitstreiter die melodischen Linien, ließen bei aller Schwermut schon bald jene Hoffnungsschimmer anklingen, die sich im Finale schließlich, wenn auch nur sanft, Bahn brechen. Wahrscheinlich zum ersten Mal in Österreich erklang ein weiteres Stück von Schnittke: eine Fuge für Violine solo. Hätte sie unter den Händen Gidon Kremers interessanter, spannungsvoller geklungen? Džeraldas Bidvas Interpretation zielte vor allem auf eine bestmögliche Durchsichtigkeit der einzelnen Stimmen, weniger auf die Melodik, was dem Werk zuweilen etüdenhafte Züge zuwachsen ließ.

Ob Schubert seine als „Grand Duo“ bekannte A-Dur-Violin-Klavier-Sonate D 574 wirklich für seinen Bruder Ferdinand komponiert hat? Jedenfalls ist sie sein perfektester, melodisch blühendster Beitrag für diese Besetzung. Schade, dass man das bei der Darstellung des Duos Kremer-Maisenberg kaum merkte. Wenn man schon die herbstlich getönte Atmosphäre, die sich aus diesem Schubert auch lesen lässt, so betont, könnte man dies wenigstens stellenweise mit leuchtenderem Ton und Freude an der virtuosen Bewältigung brillanter Momente verbinden. Zudem begnügte sich Oleg Maisenberg zu sehr mit der Rolle des diskret im Hintergrund agierenden Begleiters.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2019)