Feuilleton

Architekt Renzo Piano: „Gebäude sind wie große, fliegende Schiffe“

„Das Wort Stil stört mich“: Der italienische Architekt Renzo Piano spricht lieber von einem „roten Faden“, der alle seine Werke verbindet.
„Das Wort Stil stört mich“: Der italienische Architekt Renzo Piano spricht lieber von einem „roten Faden“, der alle seine Werke verbindet.(c) Akos Burg

Der italienische Architekt Renzo Piano hat sein erstes österreichisches Projekt realisiert: Er baute Luxuswohnungen am Wiener Hauptbahnhof. Ein Gespräch über Wien, revolutionäre Jugendprojekte und die Schwerkraft.

Wie ein Star wirkt Renzo Piano nicht, wenn er in Wien umringt von Kollegen, Managern und Baumeistern sein erstes österreichisches Projekt begutachtet: ein Hochhauskomplex aus 342 Luxuswohnungen samt Boutiquehotel nahe dem Hauptbahnhof, finanziert von René Benkos Signa-Gruppe. Geduldig lässt sich der 81-Jährige herumführen, fotografieren, schüttelt Hände. Und erfreut sich am Garten, der allen Unkenrufen zum Trotz nun doch unter den neun Meter hohen Stelzen des Hauses zaghaft zu blühen beginnt.

Wie kaum ein anderer zeitgenössischer Architekt hat der Genueser weltweit seine architektonischen Spuren hinterlassen. Museen, Redaktionsgebäude, Wolkenkratzer, Theater, Wohn- und Bürohäuser rund um die Welt tragen seine Handschrift.

Doch wenn der Mann mit dem sanften Akzent aus Genua später im Interview über sein Lebenswerk spricht, dann will er nicht als Legende behandelt werden. Das Wort „Ich“ meidet er: Jedes Gebäude sieht er als Produkt intensiver Teamarbeit. Deutlich wird, dass er seinen Beruf heute noch mit genau derselben Leidenschaft ausübt wie in den 1970er-Jahren, als er mit dem Centre Pompidou in seiner Wahlheimat Paris begeisterte, schockierte und skandalisierte.