Was aus den ÖVP-Vizekanzlern wurde

Der inzwischen verstorbene Alois Mock blieb in der Regierung.
Der inzwischen verstorbene Alois Mock blieb in der Regierung.APA

Von Mock bis Brandstetter. Minister, Verfassungsrichter, Raiffeisen-Obmann: Nicht alle Spitzenfunktionäre der ÖVP machten nach dem Ausscheiden aus der Regierung sofort Karriere. Die Unterstützung der Nachfolger blieb oft spärlich.

Wien. Fast zwei Jahre ist es her, dass Reinhold Mitterlehner aus der Politik ausgestiegen ist. Die beruflichen Aktivitäten des 63-Jährigen seither sind überschaubar. Mitterlehner hat eine Firma für Projektentwicklung und Strategieberatung gegründet, die für 2018 einen Bilanzgewinn von 19.268 Euro angibt. Zudem ist er Aufsichtsrat bei der Oberösterreichischen Versicherung und Präsident der Österreichischen Forschungsgemeinschaft.

Den gewünschten Job, nämlich Präsident der Nationalbank, hat ihm Sebastian Kurz verweigert – obwohl es angeblich bereits eine Zusage dafür gab. Auch das war wohl ein Grund für die tiefen Gräben zu seinem Nachfolger. Doch das hat Tradition: Die Volkspartei, die seit 1986 insgesamt neun Vizekanzler stellte, hat ihren abgesetzten Spitzenfunktionären in den wenigsten Fällen zu einer glanzvollen Karriere danach verholfen.

Eine Ausnahme war gleich der erste in der Riege der ÖVP-Vizekanzler: Der inzwischen verstorbene Alois Mock blieb in der Regierung, war noch bis 1995 Außenminister und einer der treibenden Kräfte für den EU-Beitritt Österreichs. Nachfolger Josef Riegler ging dagegen in die Steiermark zurück, wo er Obmann der Raiffeisen-Landesbank wurde.

 

Keine Unterstützung der Partei

Erhard Busek, der die Politik der Volkspartei in Wien und auf Bundesebene jahrelang prägte, hätte sich nach seinem Abschied wohl eine internationale Karriere – etwa auf EU-Ebene – vorstellen können. Allein, die Unterstützung durch seinen Nachfolger Wolfgang Schüssel blieb aus. Busek engagierte sich in Ost-Mitteleuropa, wurde Präsident des Forums Alpbach und schließlich Rektor der Fachhochschule Salzburg.

Wolfgang Schüssel, der einzige ÖVP-Vizekanzler, der den Aufstieg zum Bundeskanzler schaffte, musste sich nach seiner Abwahl 2006 als damals 61-Jähriger keine großen Gedanken um eine Karriere danach machen. Zwei Jahre lang mischte er noch als Klubchef der ÖVP in der Innenpolitik mit, danach nahm er etliche Aufsichtsratsmandate an, beispielsweise beim Energiekonzern RWE.

Wilhelm Molterer, Vizekanzler in den Jahren 2007 und 2008, bis er die Große Koalition mit den denkwürdigen Worten „Es reicht“ aufkündigte, musste einige Zeit auf eine adäquate Aufgabe warten. 2011 wurde er zum Vizepräsidenten der Europäischen Investitionsbank bestellt, seit 2015 ist er Direktor des EU-Investitionsfonds. Nachfolger Josef Pröll nutzte nach seinem überraschenden Ausscheiden aus der Politik seine Kontakte in den Raiffeisensektor und wurde Vorstandssprecher des Mischkonzerns Leipnik-Lundenburger.

Etwas schwerer tat sich da Michael Spindelegger bei der Jobsuche. 2015 wurde er Präsident einer eher umstrittenen Gesellschaft: der vom Oligarchen Dimitri Firtasch gegründeten Agentur für die Modernisierung der Ukraine. Seit 2016 ist er Generaldirektor des Internationalen Zentrums für die Entwicklung von Migrationspolitik – eine internationale Organisation, die Regierungen berät.

Wenig Probleme mit der Jobsuche hatte Wolfgang Brandstetter, der statt Kurz die Rolle des Vizekanzlers in der Regierung Kern übernahm: Kurz machte ihn zum Verfassungsrichter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2019)