Columbine: Ein Massaker, das bis heute nachwirkt

COLUMBINE HIGH SCHOOL STUDENTS FLEE SCHOOL IN LITTLETON.
Schüler laufen aus der Columbia High School, nachdem am 20. April 1999 zwei ihrer Mitschüler das Feuer eröffneten. (Archivbild)(c) REUTERS (Gary Caskey)

Vor 20 Jahren ermordeten zwei Teenager in einer High School in Littleton zwölf Schüler und einen Lehrer. Offenbar wollten sie durch Massenmord in die Geschichte eingehen.

Schild am Eingang der Columbine High School im April 1999(c) REUTERS (POOL Old)
Der zwanzigste Tag des letzten Jahres des zweiten Jahrtausends sollte sich in die kollektive Psyche der USA einbrennen. In einer Vorortschule in Colorado erschossen zwei Teenager zwölf ihrer Mitschüler, einen ihrer Lehrer. 24 weitere Menschen wurden verletzt. Anschließend töteten Eric Harris und Dylan Klebold sich selbst. 

Das Massaker an der Columbine High School nahe Littleton - einem Vorort von Denver - war damals, am 20. April 1999, das schlimmste Massaker an einer US-amerikanischen Schule. 

Es wurde allerdings danach immer wieder überboten. Columbine wirkt heute wie das erste in einer langen Reihe von Schulmassakern - Virginia Tech, 2007, 33 Tote, Sandy Hook, 2012, 27 Tote, Parkland, 2017, 17 Tote. Columbine war ein Vorbild für viele der Täter; es blieb dabei ein Massaker, über dessen Motive Psychologen, Soziologen, Philosophen, Politologen bis heute spekulieren. Sie rätseln genauso über die Gründe für die Tat wie die Strafverfolgungsbehörden, die Polizei, die 1999 der Welt keine Antwort auf die Frage nach dem Warum geben konnten.

„Columbiners“ nennen sich die Anhänger des Kults, der sich um Harris und Klebold und das Massaker vor 20 Jahren spinnt. Erst in der Woche vor dem diesjährigen Jahrestag des Massakers suchte die Polizei im Gebiet von Denver nach einer bewaffneten 18-Jährigen, die von Columbine besessen gewesen sein soll. Sie wurde am Mittwoch tot aufgefunden.

Steven Spielberg? Oder Quentin Tarantino?

Die beiden 17- und 18-jährigen Täter von Columbine hatten das Blutbad, das sie anrichten würden, von langer Hand geplant. In Tagebüchern, Videoclips, Briefen sprachen sie immer wieder von dem Tag, an dem sie das Massaker geplant war. Sie bauten Bomben, besorgten sich Waffen. Als ihre Sprengsätze, die sie in der Mensa der Schule versteckt hatten, nicht detonierten, begannen sie, mit ihren Gewehren und Pistolen auf die Schüler und Lehrer zu schießen. Zeugen erzählen davon, wie die beiden lachten, herumschrien während des Mordens. Einer der beiden tat so, als ob er mit einer Mitschülerin Verstecken spielte, ehe er sie erschoss. „Macht euch keine Sorgen. In ein paar Minuten werdet ihr tot sein“, soll einer der beiden gesagt haben. Als immer mehr Polizei vor der Schule war, töteten sich Harris und Klebold selbst.

Die Frage nach dem Warum konnten auch die Ermittler nicht beantworten. Im Bild Polizei vor der Columbine High School im April 1999
Die Frage nach dem Warum konnten auch die Ermittler nicht beantworten. Im Bild Polizei vor der Columbine High School im April 1999(c) REUTERS (Gary Caskey)

Trotz des vielen Materials, das die Täter von Columbine hinterließen, gab es darin keine Antworten auf die Frage nach einem Motiv. Während Politiker und andere öffentliche Figuren weg von der Waffenindustrie und hin auf die Gothic-Subkultur deuteten, die die Jugendlichen beeinflusst hätte, zeichneten Analysten ein anderes Bild. Harris und Klebold wollten offenbar mit ihrer Tat in die Geschichte eingehen, sich ihre „15 Minutes of Fame“ per Blutbad ergattern. Schon im Vorfeld spekulierten die beiden darüber, wer das Massaker wohl später verfilmen würde. Steven Spielberg? Oder Quentin Tarantino? (Tatsächlich drehte später Michael Moore seinen Dokumentarfilm „Bowling for Columbine“ über die Tat - und vor allem über die Rolle von Waffen in der Region.)

Ärger über Waffenrecht

20 Jahre nach dem Blutbad ist das US-Waffenrecht ungebrochen uneingeschränkt. Die unermüdlichen Proteste der überlebenden Schüler von Parkland, die seit dem Massaker vor zwei Jahren dort ihre Sorge, ihren Unmut über fehlende Beschränkungen im Waffenrecht kundtun, führten bislang zu keinen tiefgreifenden Änderungen. Psychisch kranke junge Menschen können in den USA immer noch leicht Zugang zu Waffen erhalten.

In Columbine gedenkt man dieser Tage der Opfer des Massakers. Amanda Duran, die das Massaker überlebte, ist wütend über die unveränderte Gesetzeslage. All die Jahre über habe sie gedacht, dass es zumindest psychologische Überprüfungen beim Waffenkauf geben werde. Nichts dergleichen sei passiert. „Die Leute in der Regierung müssen verstehen: Sie sind nicht dafür da, um der NRA (der US-Waffenlobby, Anm.) zuzuhören, wie sie über unseren Schutz spricht“, sagt Parkland-Überlebende Emma Gonzalez. „Sie müssen den Leuten zuhören, die verletzt werden.“