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Ein FPÖ-Dichter für Blute und Boden

Symbolbild: Ratte
Symbolbild: Ratte(c) Clemens Fabry, Presse
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Das „Stadtratte“-Gedicht des Vizebürgermeisters von Braunau ist nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich inferior.

Äußert sich üble Gesinnung stets in schlechter Sprache? Leider ist es nicht immer so einfach, wie Karl Kraus dachte, es sind schon unmenschliche Gedanken in gutem Stil formuliert worden. Aber manchmal dürfen orthodoxe Krausianer recht behalten. Etwa wenn Christian Schilcher, FP-Vizebürgermeister von Braunau, dichtet. Dann passen Form und Inhalt zueinander. „So kommt es, dass es Leute gibt (bei mir sind diese unbeliebt!)“, schreibt er in seiner gereimten Kolumne namens „Die Stadtratte“ im Parteiblatt der FPÖ Braunau, „wo man sich schämt für die Kultur, die in der eigenen Natur den Ursprung hat und Bildung gibt! All dieses wir dort ausgesiebt!“ Das fehlende „d“ in „wird“ wollen wir einmal der Erregung des Autors zurechnen. Aber dieser schlampige Relativanschluss mit „wo“! Und was soll heißen, dass die Kultur „Bildung gibt“?

„Mir graut vor dieser Eigenart, die nur zum eig'nen Volke hart, dem Fremden will entgegenkommen!“, schreibt Schilcher, offenbar Experte nicht nur für das „Naturgesetz“, das er anruft, sondern auch für das Wollen der harten Eigenart. Und er ruft: „Nein, ich denke, der Instinkt, der Menschen mit dem Zaunpfahl winkt; Regel, Brauch oder Gesetz ist nie ein sinnloses Geschwätz!“ Plural, Singular, alles egal, wenn der Zaunpfahl winkt. Und wenn der Endreim befiehlt, dann folgt Schilcher, indem er etwa seine Stadt „in Augenscheine“ nimmt oder „Gute“ denken lässt: „Dicker ist das Blute, als Wasser.“ Nein, so denkt kein Guter, und so schreibt kein Guter.

Wenn man Sprachen mische, warnt Schilcher, „dann sind alle Sprachen hin“. Ihm gelingt die Zerstörung ganz ohne Mischung. Dass ein solcher sprachlicher Stümper sich anmaßt, das schützen zu wollen, was er als Kultur ansieht, ist lächerlich – und eine Schande für die Partei, die ihm ein Amt verschafft hat.