Werner Gruber: Der große Erklärer

Physiker Werner Gruber in seinem Büro im Planetarium – mit Formeln, Material für Astronautenessen und seltenen Lego-Bausätzen.
Physiker Werner Gruber in seinem Büro im Planetarium – mit Formeln, Material für Astronautenessen und seltenen Lego-Bausätzen.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der Physiker Werner Gruber erklärt das Universum – und spricht über das Schwarze Loch und die sozialarbeiterische Komponente seines Jobs.

Das klinge jetzt blöd, sagt Werner Gruber recht häufig, bevor er einem etwas erklärt – auch wenn das, was er dann sagt, überhaupt nicht blöd klingt. Wenn der Physiker etwa ausführt, warum das kürzlich entstandene erste Bild eines Schwarzen Lochs ein Durchbruch für die Forschung ist – auch wenn das Timing für ihn persönlich suboptimal war.

„Da bin ich stinkgrantig“, scherzt der 49-Jährige. In seinem Buch über das Universum, das gerade erschienen ist, steht nämlich, dass der Bildbeweis noch fehlt. Andererseits ist das Thema trotzdem ganz gut abgebildet. „Viele Leute auf der Straße haben mich angesprochen und gefragt, warum das Bild jetzt so sensationell ist, wenn sowieso überall steht, dass es Schwarze Löcher gibt“, sagt Gruber. „Und in dem Buch ist sehr gut erklärt, warum es so wahnsinnig schwierig ist, sie zu sehen.“

Formeln und Raumschiffe

Mit den Fragen auf der Straße ist man schon mittendrin in dem Thema, das den Leiter von Planetarium Wien, Kuffner- und Urania-Sternwarte – alle gehören zu den Volkshochschulen – tagtäglich beschäftigt: „Das Buch hätte eigentlich einen Subtitel haben sollen: ,Anrufe an die Direktion‘“, erzählt er in seinem Büro – an der Wand eine Tafel voller Formeln, daneben Sternkarten, in der Ecke Modelle von Raumschiff Enterprise und Astronautenautogramme – sozusagen der Herrgottswinkel. Denn das Astronomiewissen der österreichischen Bevölkerung sei erschreckend schlecht („Die Leute wissen nicht einmal, wo man einen Planeten sucht“) – und die mitunter ziemlich skurrilen Fragen, die ihn über verschiedene Kanäle erreichen, sind zahlreich.

Da gibt es Anrufe, weil jemand den Planeten Venus für ein Ufo hält. Beim Billa am Praterstern wird Gruber gefragt, ob es Außerirdische gibt. Neue, lichtdurchlässigere Vorhänge schüren bei einer Wienerin die Angst, dass der Mond näher an die Erde komme. Und ein älterer Herr ist in Sorge, dass ein Solarsturm („Da stößt die Sonne sozusagen Rülpser aus, das ist für die Erde völlig irrelevant“) seinem Hund womöglich beim Gassigehen schadet.

„Das war mir nicht bewusst, dass Planetariumsdirektor auch ein bisschen Sozialarbeiter ist“, sagt Gruber. „Bei diesen Ängsten, da braucht man auch die Kompetenz, die Menschen zu beruhigen und ihnen zu sagen: ,Entspannt's euch, es ist alles gut.‘“ Sein Job an der Spitze der astronomischen Einrichtungen der Volkshochschulen sei eben auch die Sensibilisierung und die Bildung der Bevölkerung. Das Herunterbrechen aktueller Ereignisse für die Wiener gehört dazu, etwa beim Schwarzen Loch: „Da hatten wir zwei Tage später einen zweieinhalbstündigen Vortrag.“

Nachbau von Astronautenessen

Eines der nächsten größeren Themen ist die Mondlandung von Neil Armstrong, die sich im Juli zum 50. Mal jährt. Dafür stehen im Büro unter den Formeln und neben seltenen und inzwischen durchaus teuren Lego-Bausätzen schon allerhand Kisten voller Sackerl und Röhrchen: Mit ihnen wird für ein Mondlandungsdinner das originale Astronautenessen nachgebaut. Das, was der österreichische Raumfahrer Franz Viehböck einst im All mithatte, liegt schon auf dem Tisch: unter anderem Reisfleisch und PEZ-Zuckerl.

Rund um die Mondlandung wird Gruber wohl auch wieder auf der Straße die eine oder andere Frage gestellt bekommen. Die er grundsätzlich gern beantwortet – das gehöre eben zum Job. Nur manchmal nicht, etwa wenn er mit seiner Lebensgefährtin unterwegs ist – dann tarnt er sich neuerdings zumindest im Winter mit einer Pudelhaube. Über die Mondlandung steht in seinem aktuellen Buch über das Universum übrigens nicht so viel. Das Wesentliche aber schon, meint Gruber: Es gab die Mondlandung wirklich.

Auf einen Blick

Das Buch „Flirten mit den Sternen“ von Werner Gruber ist dieser Tage im Ecowin-Verlag erschienen (208 Seiten, 24 Euro). Der 1970 in Oberösterreich geborene Physiker ist Direktor des Planetariums Wien und lehrt an zwei Universitäten. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Gruber spätestens mit dem Wissenschaftskabarett Science Busters (bis 2016).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2019)

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