Attentäter von Sri Lanka waren gebildet und aus der Mittelschicht

Ein Bild einer Überwachungskamera: Einer der Attenttäter betritt die Kirche in Negombo.
Ein Bild einer Überwachungskamera: Einer der Attenttäter betritt die Kirche in Negombo.APA/AFP/CCTV Sri Lanka | Bearbeitung: Die Presse

Die Jihadistenmiliz IS veröffentlichte Fotos und Pseudonyme der Täter, doch bei der Suche nach den Drahtziehern der Anschläge mit über 350 Toten vom Ostersonntag bleiben viele Fragen offen.

Wer waren die ausführenden Attentäter der Anschläge auf Sri Lanka? Der stellvertretende Verteidigungsministers Ruwan Wijewardene gab am Mittwoch neue Erkenntnisse bekannt. Er sprach von neun Attentätern. Acht von ihnen seien identifiziert, darunter eine Frau, sagte er bei einer Pressekonferenz in Colombo. Mehr als 60 Personen wurden im Zusammenhang mit den Angriffen inzwischen verhaftet, wie Parlamentspräsident Lakshman Kiriella am Mittwoch sagte. Er rechnet damit, dass diese Zahl auf mehr als 100 steigen dürfte.

Die Selbstmordattentäter waren den Informationen des Ministers zufolge wohlhabend und sie hatten im Ausland studiert. Die meisten von ihnen seien gebildet gewesen und hätten der oberen Mittelschicht angehört, sagte Wijewardene. Einer der Attentäter habe vermutlich in Großbritannien und Australien studiert und sei danach nach Sri Lanka zurückgeke

Dass die Lage ernst ist und die Nervosität vor weiteren Anschlägen groß, zeigt ein Vorfall am Mittwoch: In Colombo wurde ein verdächtiges Moped sicherheitshalber gesprengt. An dem Fahrzeug wurden dann jedoch keine zuvor angebrachten Sprengsätze gefunden. Wie Medien aus Ermittlerkreisen erfuhren, sollte am Sonntag auch ein viertes Hotel ebenfalls Ziel eines Anschlags werden. Die Bombe explodierte jedoch nicht. Als Polizisten den mutmaßlichen Angreifer stellten, sprengte er sich in die Luft und tötete zwei Passanten.

IS veröffentlichte Pseudonyme

Erst am Dienstag nahm die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) die Anschläge für sich in Anspruch. "Diejenigen, die den Angriff ausgeführt haben, der vorgestern Mitglieder der US-geführten (Anti-IS-)Koalition und Christen in Sri Lanka zum Ziel hatte, sind Kämpfer des Islamischen Staates", hieß es in einer Mitteilung, die das IS-Propaganda-Sprachrohr Amaq veröffentlichte.

Erst in einer zweiten Mitteilung wurden die Pseudonyme von sieben Männern veröffentlicht, die laut dem IS hinter den Anschlägen mit mehr als 320 Toten stecken sollen. Ihre wirklichen Namen wurden nicht genannt. Ein Foto zeigt acht teils bewaffnete Menschen, die bis auf einen alle maskiert sind. Warum das Bild acht Personen zeigt, im Text aber nur von sieben die Rede ist, blieb unklar. Später veröffentlichte Amaq noch ein Video, auf dem die acht Männer dem IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi auf Arabisch die Treue schwören. Im Hintergrund ist eine schwarze IS-Flagge zu sehen. Beweise oder Belege für einen Kontakt der Gruppen waren in den Botschaften nicht zu finden.

Gab es wirklich Kontakt zwischen IS und NTJ?

Viele Fragen rund um die Attentatsserie in dem Inselstaat bleiben bisher unbeantwortet. Denn die Regierung schreibt die Anschlagsserie dagegen der einheimischen Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) zu. Die Behörden prüfen nun aber, ob es Unterstützung aus dem Ausland gab. Mehrere Verdächtige sind offenbar noch auf der Flucht und könnten weitere Anschläge verüben.

Sri Lankas Polizeichef hatte schon am 11. April vor Plänen der NTJ gewarnt, Anschläge auf Kirchen zu verüben. Premierminister Ranil Wickremesinghe bestätigte, dass der Polizei die Anschlagspläne bekannt gewesen seien, sie habe jedoch nicht gehandelt. Es werde nun untersucht, warum die Polizei seiner Behörde die Informationen nicht übermittelte, sagte er vor Journalisten.

Präsident Maithripala Sirisena, der zugleich Verteidigungsminister ist, kündigte eine völlige Umstrukturierung der Sicherheitskräfte und der Polizei an. Er hoffe, dass "wesentliche Veränderungen an der Spitze der Sicherheitskräfte innerhalb der nächsten 24 Stunden" möglich seien.

Nach Angaben der Regierung in Sri Lanka deuten erste Ermittlungsergebnisse auch auf eine "Vergeltung" für die tödlichen Anschläge von Mitte März auf Muslime im neuseeländischen Christchurch hin. Die Regierung von Neuseeland weiß allerdings nichts von Spuren in diese Richtung. "Neuseeland hat noch keine Geheimdienstberichte gesehen, auf denen diese Einschätzung beruhen könnte", sagte ein Sprecher von Regierungschefin Jacinda Ardern.