Brasilien: Der Regenwald ist für Bolsonaro eher Rohstoff als Lebensraum

Indigene Gemeinschaften geraten oft in Konflikt mit illegalen Abholzern. Im Bild patroullieren Mitglieder der Arara ihr Gebiet im Bundesstaat Para. Sie hatten diesen Truck für den Holztransport enteckt und in Brand gesteckt.
Indigene Gemeinschaften geraten oft in Konflikt mit illegalen Abholzern. Im Bild patroullieren Mitglieder der Arara ihr Gebiet im Bundesstaat Para. Sie hatten diesen Truck für den Holztransport enteckt und in Brand gesteckt.(c) APA/AFP/MAURO PIMENTEL (MAURO PIMENTEL)

Der brasilianische Präsident will keine neuen Schutzgebiete für indigene Völker. Die rapide und oft illegal Abholzung des Regenwaldes lässt ihn kalt. Sein Motto: "Lasst uns die Reichtümer, die Gott uns gegeben hat, nutzen."

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist kein Mann diplomatischer Worte - in trump'scher Manier sind ihm auch Umweltschutz und Minderheitenrechte kein großes Anliegen. Darunter leiden in Brasilien indigene Völker und der Regenwald. Grund genug für die Umweltschutzorganisation „Greenpeace“ am Mittwoch in mehreren Städten weltweit Protestaktionen zu veranstalten. Die Aktivisten fordern Bolsonaro auf, den Amazonas-Regenwald zu bewahren und die indigene Bevölkerung zu schützen. In Oslo, Buenos Aires, Washington und auch vor der brasilianischen Botschaft in Wien gab es kleinere Aktionen. In der brasilianischen Hauptstadt Brasilia demonstrierten währenddessen rund Tausende Menschen aus indigenen Gemeinschaften für ihre Rechte und gegen zunehmende Gewalt. Es soll der Beginn einer länger andauernden Kampagne sein.

"Der Amazonas-Regenwald wird bereits jetzt im Rekordtempo abgeholzt. Damit nimmt auch die Gewalt gegen indigene Gemeinschaften zu, die versuchen den Regenwald vor Eindringlingen der mächtigen Holz- und Agrarindustrie zu bewahren", erklärt Lukas Meus von Greenpeace in einer Aussendung. Schon im Wahlkampf kündigte Bolsonaro an, keine neuen indigenen Schutzgebiete zu schaffen. Die Abholzung im Amazonas solle unterdessen weiter vorangetrieben werden. Die indigene Gruppe der  Karipuna ist von illegaler Abholzung betroffen. Adriano Karipuna, der in dieser Gemeinschaft lebt, hofft auf mehr internationalen Gegenwind: „Die Solidarität außerhalb Brasiliens zeigt der Regierung, dass sie das Land der indigenen Bevölkerung schützen muss", wird er in der Aussendung von Greenpeace zitiert.

Ein Bild der Protestaktion von Greenpeace vor der brasilianischen Botschaft in Wien.
Ein Bild der Protestaktion von Greenpeace vor der brasilianischen Botschaft in Wien.(c) Mitja Kobal/Greenpeace

"Die Reichtümer, die Gott uns gegeben hat"

Erst Mitte April hatte Bolsonaro die Öffnung eines riesigen Naturreservats im Amazonas-Regenwald für den Bergbau ins Gespräch gebracht. "Lasst uns die Reichtümer, die Gott uns gegeben hat, zum Wohle unserer Bevölkerung nutzen", sagte der seit Jänner amtierende rechtsextreme Politiker am Freitag.

In dem Gebiet, das etwas größer ist als Dänemark, werden Gold-, Kupfer- und Eisenerz-Vorkommen vermutet. Um ausländische Bergbaukonzerne auf Abstand zu halten, war es 1984 per Präsidenten-Dekret unter Schutz gestellt worden. Auf demselben Weg hatte Bolsonaors Vorgänger Michel Temer 2017 den Status als Reservat aufgehoben, das Gebiet nach weltweiten Protesten von Umweltschützern aber schon einen Monat wieder später wieder unter Schutz gestellt.

Der Amazonas-Regenwald gehört zu den artenreichsten Ökosystemen der Welt und speichert rund 100 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Doch die Nachfrage nach Holz und landwirtschaftlichen Produkten ließ den Wald in den letzten Jahrzehnten immer weiter schrumpen. Zwischen August 2017 und Juli 2018 wurde laut Greenpeace eine Fläche vernichtet, die 19 Mal so groß wie Wien ist.

(APA/Reuters/Red.)

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