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"Saudiarabien und die Emirate verdanken ihre Existenz dem Iran"

Irans Präsident Hassan Rohani
Irans Präsident Hassan Rohani
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Irans Präsident behauptet, man habe sich einst geweigert, eine Eroberung der Arabischen Halbinsel durch den Irak zu unterstützen. Er spielte auf die irakische Invasion Kuwaits 1990 an, führte seine Behauptung inhaltlich allerdings nicht näher aus.

Irans Präsident Hassan Rohani ließ am Mittwoch mit einer interessanten Meldung aufhorchen: Laut einem Bericht des Staatsfernsehens sagte er, Saudiarabien und die Vereinigten Arabischen Emirate schuldeten ihre Existenz als unabhängige Länder heute dem Iran. Grund: Man habe sich vor langer Zeit geweigert, Pläne des Irak unter Staatschef Saddam Hussein zu unterstützen, der die Eroberung dieser Staaten auf der Arabischen Halbinsel beabsichtigt habe.

"Wäre da nicht die vernünftige Entscheidung des Iran gewesen, mit Saddam nicht zu kooperieren, gäbe es heute keine Spur mehr von diesen Ländern", so Rohani (70). „Sie schulden ihre Existenz dem Iran."

Die Aussagen stehen vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die sunnitischen Mächte Arabiens und der schiitische Iran traditionelle Erzfeinde sind, einander immer wieder militärische Drohgebärden setzen und unter anderem in Syrien und dem Jemen gegeneinander indirekt auf dem Gefechtsfeld gegenüberstehen.

Im Ersten Golfkrieg 1980 bis 1988 hatten der Iran und der mehrheitlich ebenfalls schiitische Irak gegeneinander gekämpft; der Krieg war durch eine Invasion der Iraker eröffnet worden, die versuchten, die Schwäche des Nachbarn im Gefolge der Islamischen Revolution auszunützen und vor allem die ölreiche südwestiranische Provinz Chuzestan zu erobern.

Invasion Kuwaits 1990 nur als Vorspiel?

Nach dem Friedensschluss 1988 folgte eine Phase der Normalisierung der Beziehungen. Dann ließ Diktator Saddam Hussein (im Amt seit 1979) im Sommer 1990 Kuwait besetzen, das als früheres irakisches Gebiet angesehen wurde. Das löste den Zweiten Golfkrieg aus, bei dem eine US-geführte internationale Allianz bis März 1991 die Iraker vernichtend schlug und aus Kuwait vertrieb.

Rohani behauptete nun: "Vor dem Angriff auf Kuwait hatte Saddam uns gesagt, dass der Iran und der Irak bald eine neue, 800 Kilometer lange Grenze im Persischen Golf haben würden. Das zeigt, dass Saddam neben Kuwait auch Saudiarabien, die Emirate, Oman und Katar besetzen wollte."

Nach der Besetzung Kuwaits im August 1990 fürchtete Riad tatsächlich irakische Vorstöße auf saudisches Gebiet, doch unterblieben diese. Erst Ende Jänner 1991 unternahmen irakische Truppen in Stärke von anfangs mehreren Divisionen einen Überraschungsangriff an der Golfküste nach Saudiarabien hinein, wo es bei der Stadt Chafdschi zu einer mehrtägigen Schlacht mit Einheiten der Saudis, der Katarer und U.S. Marines kam; auch Verbände aus Marokko und dem Senegal waren in der Nähe. Die Iraker wurden aufgerieben und flohen, sofern sie noch konnten.

Aus der Luft zusammengeschossene irakische LKolonne aif dem "Highway des Todes" von Kuwait nach Basra, März 1991
Aus der Luft zusammengeschossene irakische LKolonne aif dem "Highway des Todes" von Kuwait nach Basra, März 1991U.S. Department of Defense

Zu diesem Zeitpunkt war das Gros der Streitkräfte der Allianz aber schon auf der Arabischen Halbinsel eingetroffen und auch die dortigen Heere waren voll mobilisiert, sodass der Irak keinesfalls mehr eine größere Landnahme in Saudiarabien ernsthaft wagen konnte. Tatsächlich war der Sinn der Offensive, die bereits zu Beginn stark unter Luftangriffen litt, vor allem, einen symbolischen Erfolg zu erzielen und im besten Fall Kriegsgefangene - vielleicht sogar Amerikaner - einzubringen, die man als Faustpfand benützen könnte.

Als Vorspiel zu einer größeren Invasion kann die Schlacht bei Chafdschi daher nicht gesehen werden. Und der iranische Präsident führte nicht näher aus, inwieweit sein Land mit dem Irak eben nicht kooperiert habe.

(Reuters/WG)