Seeliegenschaften: Schön, aber aus!

Raritäten. Der Nachschub ist knapp am Wörthersee, die Nachfrage hoch wie immer.
Raritäten. Der Nachschub ist knapp am Wörthersee, die Nachfrage hoch wie immer.(c) Getty Images/iStockphoto (RelaxFoto.de)

Sie gehören zu den ultimativen Prestigeobjekten in Österreich: die Seegrundstücke im Salzkammergut oder am Wörthersee. Zu haben sind sie kaum, und kommt etwas auf den Markt, kann es binnen Stunden weg sein.

Die Villa an der Côte d’Azur, die Finca auf Mallorca oder das Penthouse in Monaco: Alles gut und schön, aber wer als gelernter Österreicher wirklich eine Sommerimmobilie mit Prestige vorweisen möchte, tut das mit einer heimatlichen Seeliegenschaft. Denn der Kauf eines Grundstücks mit direktem Seezugang, womöglich noch mit Boje, Bootshaus und Steg, gehört zu jenen Dingen, die auch Menschen, die sich sonst finanziell jeden Wunsch erfüllen können, Demut lehren. Da es sie so gut wie nicht gibt. Zumindest nicht an jenen Seen, die zu den Hotspots gehören – wenn auch für ganz unterschiedliche Arten von Sommerfrischlern und/oder Seglern.

Das Publikum, das von einem Grund im Salzkammergut oder dem Salzburger Seengebiet träumt, unterscheidet sich nicht nur in Sachen Regenresilienz von jenem, das am Wörthersee sehen und gesehen werden will. Auch innerhalb der Regionen ziehen die einzelnen Seen ganz unterschiedliche Käufer an. Zu den teuersten und beliebtesten Gewässern gehören dabei im Salzkammergut der Atter- und der Wolfgangsee. Hier treffen sich die Wiener und andere Ostösterreicher den Gutteil des Jahres zum Segeln oder Motorbootfahren, hier wohnt Wirtschaftsprominenz neben Politik und Kunst, und es wird eher in Kindheitserinnerungen geschwelgt als laut gefeiert.

„Die Kundschaft ist ein klassisch gutes Klientel mit längeren Vermögenszuwächsen", umschreibt Leo Hohla, Geschäftsführer von Stiller  &  Hohla, vornehm, was sonst gemeinhin mit dem Begriff „Altes Geld" bezeichnet wird. Und davon wird hier reichlich ausgegeben: „Die höchsten Preise erzielt man definitiv in St. Gilgen, gefolgt vom Attersee", berichtet Alexander Kurz, Inhaber der gleichnamigen Salzburger Immobilienkanzlei.

Spitzenreiter Wolfgangsee. In St. Gilgen am Wolfgangsee müssen für Grundstücke direkt am Wasser bis zu 6000 Euro pro Quadratmeter Boden investiert werden. „Am Attersee ist es eine Spur günstiger, da gibt es den Quadratmeter um 4000 bis 5000 Euro." Auf den dritten Platz reiht der Makler den Fuschl-see, für dessen Ufergrundstücke immer noch bis zu 3500 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden müssen. Und diese Preise verstehen sich exklusive Villa und Badehaus; steht auf dem Grund auch noch ein Anwesen, das nicht weggerissen werden soll, sondern den luxuriösen Ansprüchen standhält, steigen die Preise weiter. „Allein ein halbwegs vernünftiges Bootshaus am Mondsee, das lediglich ein winziges Kammerl hat, nichts zum Wohnen, bekommt man nicht mehr unter 600.000 Euro", rechnet Hohla vor, was schon die kleinsten Einheiten an dem noch verhältnismäßig günstigen See kosten. Von dort aus sind die Summen nach oben hin offen, gehen von fünf bis 25 Millionen Euro, „und sind im Vorjahr wieder um zehn bis 15 Prozent gestiegen", weiß der Makler.

Vermarktungsdauer von Stunden. Selbst wenn man gewillt ist, diese Liebhaberpreise zu zahlen, heißt das noch lange nicht, dass man die Gelegenheit dazu bekommt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot seit Jahren bei Weitem, der Begriff Vermarktungsdauer, der anderswo umschreibt, wie viele Monate oder Jahre man veranschlagen sollte, um eine teure Liegenschaft zu verkaufen, wird hier eher in Tagen oder Stunden angegeben. „Wenn wirklich einmal etwas auf den Markt kommt, beträgt diese eher drei Anrufe", so Hohla. Die Listen zahlungskräftiger Kundschaften sind lang und das Geschäft im Salzburger Land ein diskretes. „80 Prozent von dem, was wirklich top ist, kommt gar nicht auf den Markt", sagt Hohla. Freiwillig trennt sich fast niemand von einem Seegrundstück, zumeist stehen traurige Anlässe wie Todesfälle oder Scheidung hinter dem Entschluss, eine Seeliegenschaft zum Verkauf anzubieten. Das verlangt potenziellen Käufern oft jahrelange Geduld ab, zumal anders als am Wörthersee an den Ufern des Salzkammergutes und des Salzburger Seengebietes Eigentumswohnungen als Alternative zum eigenen Grund am Wasser keine Tradition haben.

Auch an den Kärntner Ufern hat diese Option aktuell mit ein paar Schwierigkeiten zu kämpfen, die das Angebot überschaubar und die Preise hoch halten. Der Baustopp in der Veldener Bucht und der anhaltende Unmut vieler Einheimischer über die architektonisch nicht unbedingt wertvollen Anlagen (die die Zahl der öffentlichen Zugänge zum See immer weiter verringert haben) sorgen für einige Unsicherheiten bei den Käufern, von denen einige Entwickler profitieren.

Fast ausverkauft. „Es gibt dadurch kaum neue Projekte, und diejenigen, die bereits fertiggestellt beziehungsweise fast fertig sind, sind so gut wie ausverkauft", berichtet Günther Seidl, Inhaber des gleichnamigen Immobilienunternehmens. Und das zu Preisen, die in den vergangenen zwei bis drei Jahren explosionsartig nach oben geschossen sind: Während um 2015/16 Preise oberhalb der 10.000 Euro auf dem Wohnquadratmeter als mehr als kühn erachtet worden sind, werden inzwischen sogar für Anlagen, die durch eine Straße vom See getrennt sind, zumindest 15.000 bis 16.000 Euro aufgerufen.

Die Mischung aus steigenden Preisen und der Unsicherheit, was es zukünftig an neuen Projekten geben wird, lassen plötzlich luxuriöse Anlagen in der zweiten Reihe wieder attraktiv werden, wie Seidl berichtet: „Für das Projekt Callista in Velden Auen, das zwar Seeblick und Pool, aber keinen eigenen Seezugang hat, waren zwischen dem Verkaufsbeginn Ende Juni 2018 und dem Baubeginn im September bereits 37 von 44 Wohnungen verkauft", sagt der Makler. „Und das durchaus an Kunden, die sich sehr wohl teurere Objekte leisten können." Denn mit 7000 bis 8000 Euro pro Quadratmeter sind die Wohnungen verhältnismäßig günstig, bieten aber das, was am Wörthersee fast so wichtig wie die Wasserlinie ist: eine kurze Distanz zu Events und Gastronomie in Velden. Zumal die ganz großen Budgets am Wörthersee wie auch im Salzburger Land nicht einfach zum Privatanwesen direkt am See führen. „Da werden vielleicht jedes Jahr drei bis sechs Liegenschaften verkauft", so Seidl, „aber solche Sachen kommen natürlich gar nicht in den öffentlichen Verkauf." 

En gros statt en detail

Wem die Suche nach einem einzelnen Grund mit Seezugang als zu beschwerlich erscheint, der hat aktuell in Kärnten Gelegenheit, in größerem Ausmaß zuzugreifen und sich ein für alle Mal in Sachen Bootshaus, Steg und Boje unabhängig zu machen: Seit Anfang des Jahres steht nämlich der komplette Keutschacher See zum Verkauf, 30 Millionen sind dafür bei Sotheby’s Austria aufgerufen. Dafür bekommen die künftigen Besitzer den mit 1,32 Quadratkilometer sechsgrößten Kärntner See, wobei die 5,5 Kilometer Uferlänge für die künftigen Besitzer die interessante Kennzahl sein dürfte. Außerdem im Preis inbegriffen ist eine Pfahlbausiedlung aus der Jungsteinzeit, die seit 2011 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.