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Apple Pay soll Zahlen mit Smartphone populär machen

Was Apple kann, kann Android schon lang. Der Erfolg blieb bisher aber aus. Das könnte sich nun ändern.
Was Apple kann, kann Android schon lang. Der Erfolg blieb bisher aber aus. Das könnte sich nun ändern.Qi Heng Xinhua / Eyevine / picturedesk.com
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Seit Mittwoch ist Apple Pay verfügbar– zumindest bei zwei Banken. Für Android-Handys gibt es die digitale Bankomatkarte schon länger, sie fristet aber ein Schattendasein.

Wien. Im Oktober 2014 trat Apple-Chef Tim Cook im Rahmen einer Pressekonferenz des US-Elektronikkonzerns vor die Öffentlichkeit und stellte „the next big thing“ vor. Dabei handelte es sich jedoch nicht um ein neues iPhone, sondern um einen Dienst, den Apple ab sofort in den USA anbieten werde: Apple Pay. Damit kann auf dem Smartphone ein digitales Abbild der Kredit- oder Bankomatkarte erstellt werden, wodurch das Gerät zum täglichen Zahlungsverkehr genutzt werden kann.

Gestern, rund viereinhalb Jahre später, startete Apple Pay auch in Österreich. Vorerst ist der Dienst jedoch nur für Kunden von zwei Banken erhältlich – der Erste Bank und der Onlinebank N26. Bei diesen erwartet man sich jedoch viel von Apple Pay. Es sei eine „sichere, einfache und vertrauliche Zahlungsart“, heißt es bei N26. „Apple Pay ist die wohl modernste Art zu bezahlen, auf die viele schon gewartet haben“, so Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank Österreich, bei der Präsentation des Dienstes vor Journalisten.

Konkret wird bei Apple Pay in der Banking-App des jeweiligen Finanzinstituts eine digitale Kopie der Kredit- oder Bankomatkarte erstellt. Mit dieser kann dann bei jeder NFC-fähigen Bankomatkasse im In- und Ausland bezahlt werden. Die Verifizierung erfolgt dabei entweder über Fingerabdruck oder Gesichtserkennung (Face-ID). Künftig soll auch das Abheben vom Bankomaten mit dem Smartphone möglich sein.

 

Zu 70 Prozent NFC-Zahlungen

Die Erste Bank erwartet sich durch Apple Pay großen Widerhall bei den Kunden. „Fast die Hälfte unserer George-Kunden verwendet ein Apple-Gerät“, sagt Peter Bosek, Privatkundenvorstand der Erste Group. Und schon bisher würden 70 Prozent der jährlich 49 Mio. Bankomatkartenzahlungen über NFC erfolgen. Die Affinität der Kunden zu moderner Technologie sei somit vorhanden.

Allerdings muss dafür der Dienst auch entsprechend einfach – und vor allem bekannt sein. Denn was bei Apple nun mit großem Getöse angekündigt wurde, ist für Android-Smartphones schon seit Längerem möglich. Grund dafür ist, dass bei diesem Betriebssystem die NFC-Schnittstelle, anders als bei Apple, offen ist.

Banken können ihren Kunden daher schon seit Längerem anbieten, digitale Versionen ihrer Bankomatkarten zu erstellen. Bei der Bank Austria ist das beispielsweise seit 2016 möglich, ebenso bei der Bawag und Raiffeisen. Bei der Ersten gibt es das Service seit Sommer 2017. Allerdings wird er von den Kunden noch kaum angenommen. So sind von den rund 2,9 Mio. Bankomatkarten, die von der Ersten und den Sparkassen hierzulande ausgegeben wurden, lediglich 2000 Stück auf einem Smartphone digitalisiert. Das entspricht einem Anteil von unter einem Promille. Bei den Kreditkarten sind es 15.000 von 70.000 – also etwas mehr als 20 Prozent.

 

Android-Version komplizierter

Grund dafür dürfte einerseits die geringere Bekanntheit dieser Möglichkeit, andererseits aber auch die fehlende Einfachheit der Nutzung sein. Denn bisher mussten die Kunden bei ihrem Telekom-Betreiber die SIM-Karte gegen eine spezielle, verschlüsselte Version austauschen lassen, um den Dienst zu nutzen. Das soll künftig entfallen. Die Aufmerksamkeit für Apple Pay könnte somit auch bei Android-Smartphones zu einer stärkeren Nutzung als Zahlungsmittel führen.

Verstärkt dürfte dieser Effekt werden, wenn Apple Pay auch bei den anderen heimischen Banken verfügbar ist. Zurzeit arbeiten alle angefragten Institute ebenfalls daran. Über den Einführungstermin könne man aber noch nichts sagen, heißt es bei Bawag und Raiffeisen. Bei der Bank Austria soll sie noch in diesem Jahr erfolgen.

Für die Banken bedeutet Apple Pay zwar eine Kooperation mit einer starken Marke – aber auch geringere Erträge. So schneidet der US-Konzern bei Zahlungen künftig an jenen Margen mit, die von den Händlern an die Banken abgeliefert werden. Wie hoch diese Gebühren sind, will man nicht sagen.

Offen ist, ob künftig auch „Google Pay“ in Österreich eingeführt wird. Da es für Android-Smartphones das Service ja bereits gibt, sei das System nicht notwendig. Gäbe es einen großen Kundenbedarf, könnte es aber kommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2019)