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Erdäpfel-Bauern protestieren für "sinnvolle" Pflanzenschutzmittel

FOTOTERMIN DES NIEDEROeSTERREICHISCHEN BAUERNBUNDS 'AKTIONSTAG FUeR GESUNDE LEBENSMITTEL' AM WIENER HELDENPLATZ: SCHMUCKENSCHLAGER / TANNER / BERNHUBER
APA/HELMUT FOHRINGER

Die Trockenheit setzt den Landwirten zu. Sie haben am Wiener Heldenplatz symbolisch ihre letzten Kartoffeln verteilt und protestieren gegen strenge Vorschriften.

Der Alarmismus in der Landwirtschaft wegen einer Trockenheit in manchen Teilen Österreichs steigt. Besondere Nervosität ist wegen trockenheitsbedingten Ernteausfällen im Vorjahr gegeben. Betroffen waren hier etwa Erdäpfel - 130.000 Tonnen waren nicht mehr zum Verzehr geeignet und daher gibt es derzeit einen Versorgungsengpass mit heimischen Erdäpfeln. Heuer drohen ähnliche Sorgen.

"Die Ernte vom Vorjahr fällt aus", bedauerte Franz Wanzenböck, Obmann der Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau (IGE), im Gespräch mit der APA. "Die Zeit bis Ende Mai/Anfang Juni bis es wieder heimische heurige Erdäpfel gibt muss mit ausländischer Ware überbrückt werden." Wanzenböck und Vertreter des Niederösterreichischen ÖVP-Bauernbunds hatten am Donnerstag zum Aktionstag für gesunde Lebensmittel gerufen und dort symbolisch die letzten einheimischen Erdäpfel am Heldenplatz in Wien an Passanten verteilt, die auch über die heimische Landwirtschaft informiert wurden. "Wir wollen sagen, dass wir ohne sinnvollen Pflanzenschutz die Versorgung nicht mehr sicherstellen können."

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Unfair finden die heimischen Bauern - nicht nur die Kartoffelbauern - dass sie selbst mit strengen Vorschriften arbeiten, dann aber ausländische Ware importiert wird, die unter keineswegs so hohen Standards produziert wird. Die meisten Austro-Erdäpfel kommen aus Niederösterreich. Die dortigen rund 4000 Erdäpfelbauern bauen auf rund 20.000 Hektar gut 80 Prozent aller heimischen Kartoffel an.

Der Erdäpfelbauer aus dem Raum Stockerau kritisierte, dass es eben an einem solchen "sinnvollem Pflanzenschutz" fehle. Das habe im Rahmen der Trockenheit für die Ausbreitung des Drahtwurms gesorgt. Wanzenböck fordert "neue Mittel mit guten Wirkstoffen, die man in der Zulassung durchbringen kann". Diese sollten nicht bienengefährlich sein und in den Boden eingebracht werden können, um den Drahtwurm zu vernichten. Notfallzulassungen bereits abgeschaffter fipronilhaltiger Mittel fordere die Interessensgemeinschaft nicht. Fipronil findet sich übrigens in Flohbändern für Haustiere.

APA/HELMUT FOHRINGER

Im Zulassungsprozess dürften nicht nur potenzielle Gefahren wie eine Bienengefährlichkeit gesehen werden auch das Risiko, "das gleich Null ist", müsse mitbewertet werden, so Wanzenböck. "Das ist unsere Hoffnung. Zurzeit ist kein Mittel in Aussicht." Mittel, die zurzeit zur Verfügung stünden, "haben einen sehr schwachen Wirkungsgrad". Was bedeutet das für die nächsten Erdäpfelernten heuer? "Dass das Risiko genauso hoch ist, wie voriges Jahr", warnte Wanzenböck. Für die Kartoffeln ist die aktuelle Trockenheit aber immerhin vorerst noch nicht problematisch. Laut Wanzenböck brauchen die Grundbirnen erst ab der ersten Maiwoche mehr Wasser.

Klimawandel ist Grund für Drahtwurm-Plage

Die Trockenheit und die Klimaerwärmung wird von wärmeliebenden Drahtwurm-Arten so stark ausgenützt, dass sie sich quasi explosionsartig auf dem Vormarsch befinden, sagte der Leiter des Instituts für Bioforschung Austria, Bernhard Kromp, im "Mittagsjournal" des ORF-Radio Ö1. Besonders stark betroffen sind das Weinviertel, Marchfeld, Burgenland, Teile der Steiermark und Kärnten. Mehr Chemie sei allerdings nicht die Lösung, so Kromp. Es gebe andere Möglichkeiten, die Ausbreitung des Drahtwurms zu verhindern, beispielsweise über die Fruchtfolge. Es gibt auch einen Bodenpilz, der den Drahtwurm infiziert und verdaut. Für diesen Pilz gebe es bereits ein für den biologischen Anbau zugelassenes Pilzbekämpfungsmittel.

Mit der heutigen Aktion am Heldenplatz habe der Bauernbund ein Warnsignal gesetzt, dessen Forderungen "in eine völlig falsche Richtung" gehen würden hieß es vom Verband alternativer Bauern Via Campesina in einer Aussendung. Wetterextreme, Ertragsschwankungen und Ernteverluste würden in Zukunft zunehmen. Die Ursache dafür liege aber nicht im Verbot von Pflanzenschutzmitteln, sondern in der Klimakrise und in der Handelspolitik. "Es ist es hoch an der Zeit, die Ursachen anzugehen."

(APA)