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Nach geplatzter Fusion sucht Deutsche Bank nach Plan B

Symbolbild.
Symbolbild.(c) APA/dpa/Arne Dedert (Arne Dedert)

Deutsche Bank und Commerzbank fusionieren nicht – zu groß seien die Risken gewesen, zu gering der Mehrwert.

Frankfurt. Von Anfang an fehlte die Begeisterung, aber so schnell werfen deutsche Banker nicht die Flinte ins Korn. Nach sechs Wochen Verhandlungen steht jedoch jetzt fest: Deutsche Bank und Commerzbank fusionieren nicht. Der Zusammenschluss biete „keinen ausreichenden Mehrwert“.

„Es war sinnvoll, diese Option einer innerdeutschen Konsolidierung zu prüfen. Für uns war aber von Anfang an klar: Mit einem Zusammenschluss müssten wir höhere und nachhaltigere Renditen für unsere Aktionäre erreichen und die Leistungen für unsere Kunden verbessern können“, erklärten die Konzernchefs Christian Sewing (Deutsche Bank) und Martin Zielke (Commerzbank).

Im Laufe der Verhandlungen kristallisierte sich immer mehr heraus, dass es zu viele Hindernisse für eine Fusion gibt. Angefangen von der Struktur einer neuen Bank, der Finanzierung des Deals bis zu dem von den Belegschaften massiv bekämpften Job-Kahlschlag. Zuletzt standen die Chancen 50:50.

Zu den Befürwortern zählte vor allem Commerzbank-Chef Zielke, der sich der Rückendeckung des größten Commerzbank-Aktionärs, der Bundesrepublik, sicher sein konnte. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) erklärte denn auch, er wünsche sich ein weltweit wettbewerbsfähiges Geldhaus. Aber: Solche Kooperationen ergäben nur Sinn, wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechneten.

Die Aktionäre sahen das ebenso: Die Papiere der Deutschen Bank legten zu Handelsbeginn kräftig zu, verloren aber dann ihre Gewinne. Die Commerzbank tendierte durchgehend im Minus.

 

Durchwegs Erleichterung

Sonst waren die Reaktionen durchwegs positiv: Abseits der Betriebsräte, die nun ein Desaster für die Mitarbeiter abgewendet sahen, sprach etwa CDU/CSU-Finanzexperte Hans Michelbach von einem „Sieg der wirtschaftlichen Vernunft“. Grünen-Politikerin Lisa Paus reagierte ähnlich. Erleichtert zeigte sich der Chef des Privatbankenverbands Hans-Walter Peters, ebenso wie Franziska Bremus, Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Die unter schwerem Ertragsdruck stehende Deutsche Bank braucht nun einen Plan B, meinen Insider. Sewing hat bereits den Rotstift angesetzt. Vor Kurzem sind Pläne bekannt geworden, dass die Deutsche Bank ihre Vermögensverwaltungstochter DWS mit der Sparte der Schweizer UBS zusammenlegen könnte. UBS-Chef Sergio Ermotti lehnte einen Kommentar ab. Er sieht die Absage der Fusion aber nur als Verzögerung der nötigen Branchenkonsolidierung.

Die Commerzbank, fokussiert auf Privatkunden und den deutschen Mittelstand, dürfte hingegen ins Visier ausländischer Institute geraten. UniCredit-Boss Jean Pierre Mustier hat bereits klargemacht, an einer Übernahme der Commerzbank Interesse zu haben, sollte die innerdeutsche Fusion nicht zustande kommen. Auch die niederländische ING-Bank gilt als interessiert. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2019)