Die „Haut“ der Bäume schützt auch die Haut der Menschen

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Symbolbild.(c) www.imago-images.de (CHROMORANGE / Dieter Moebus)

Holz ist mehr als ein Energieträger oder Baustoff. Ein aktuelles Forschungsprojekt der FH Salzburg will die Kondensate, die bei der Trocknung von Rinden, Baumteilen und Schnittholz entstehen, für die Kosmetik nutzbar machen. Erstes Ziel sind natürliche Konservierungsstoffe.

Essenzen und Düfte von Kräutern und Blumen sind seit jeher Teil der Körper- und Schönheitspflege. Hölzer und Bäume assoziiert man hingegen kaum mit Kosmetik – auch nicht mit Naturkosmetik. Dabei sind auch ihnen Stoffe eigen, die gleichermaßen für den Menschen von Wert sein können. Immerhin verfügt der lebende Baum über Extraktstoffe, die ihn zum Beispiel vor Pilz- und Bakterienbefall schützen.

Mit dem Nachweis solcher natürlicher Konservierungsstoffe von Hölzern und ihrer kosmetischen Nutzbarmachung – etwa in Hand- und Hautcremen – beschäftigen sich Holztechnologieforscher der Fachhochschule (FH) Salzburg am Campus Kuchl. Tatsächlich gebe es bisher kaum Kosmetika, die natürliche „Baumextrakte“ als Konservierungsmittel nutzen, sagt Thomas Schnabel, Forschungsleiter des Fachbereichs Holztechnologie und Holzbau der Fachhochschule. Shampoos mit Weiden- oder Birkenrindenextrakten etwa setzten auf andere Effekte und Eigenschaften. Sie würden zum Beispiel gegen Kopfläuse oder Haarausfall oder für mehr Glanz im Haar eingesetzt, nicht aber in erster Linie als Konservierungsmittel.

 

Wirkt gegen Bakterien

Ein dreijähriges Forschungsprojekt der Fachhochschule widmete sich der antimikrobiellen und konservierenden Eigenschaft von Holzextrakten. Im Mittelpunkt stand dabei eine Form dieser wertvollen Stoffe, die in holzverarbeitenden Betrieben automatisch als Nebenprodukt anfällt: der Wasserdampf, der beim Trocknen von Schnittholz entweicht. „Wenn Holz direkt aus dem Wald kommt, kann es noch über 80 Prozent Feuchtigkeit haben“, sagt Schnabel.

Die Kondensate, die beim Trocknen und der weiteren Verarbeitung entstehen, werden durch Wasser aus dem Schnittholz oder Baummaterial herausgelöst. In diesen Flüssigkeiten können die wichtigen antimikrobiellen Stoffe von Bäumen und vor allem Baumrinden enthalten sein. Die Kondensate wurden im Zuge des Projekts im Labor analysiert, wobei die Holzforscher der Fachhochschule mit hauseigenen Fachleuten für biomedizinische Analytik kooperierten.

In einem zweiten Verfahren testete ein Prüfinstitut die Cremen, denen die Extrakte beigemischt wurden. Die Kosmetikprodukte werden bei solchen Tests beimpft. So werden etwa in eine Handcreme durch Hautkontakt typische Bakterien- und Pilzstämme eingebracht. Danach wird in regelmäßigen Abständen das Wachstum der einzelnen Stämme bestimmt. Es darf bestimmte Grenzwerte nicht übersteigen.

 

Hefepilz stellt Problem dar

Aus Schnabels Sicht sprechen die Ergebnisse dieser sogenannten Konservierungsbelastungstests für eine Fortsetzung der Forschungsarbeiten: „Teilweise konnten die Werte der Norm erfüllt werden, und teilweise wurden für einen Teststamm die Grenzwerte überschritten.“ Konkret stellt die Bekämpfung des Hefepilzes noch ein Problem dar. Zudem sind in der Naturkosmetik ausschließlich Wasser und Ethanol als Lösungsmittel erlaubt, sodass auf andere Extraktionsmittel verzichtet werden muss.

Für die Projektpartner, zu denen Sägebetriebe sowie ein Naturkosmetikhersteller zählen, war darüber hinaus wichtig, die anfallenden Kondensate möglichst unbehandelt verwenden zu können, ohne sie in weitere Bestandteile trennen zu müssen.

„In den Kondensaten ist natürlich nicht nur eine Substanz enthalten, sondern auch eine Vielzahl an unterschiedlichen Substanzen“, sagt Schnabel. Es sei daher auch wichtig zu klären, ob eine Trennung der Stoffe wesentlich sei oder der Verarbeitungsprozess des Holzes verändert werden könne, um die antimikrobiellen Stoffe in größerer Konzentration zu erhalten.

Deshalb habe man nicht nur die Kondensate aus der Holzwirtschaft im Ganzen untersucht, sondern auch zusätzlich das Holz sowie einzelne Baumbestandteile im Labor analysiert. „So ist ein Vergleich zwischen der Laborextraktion – dem Standardverfahren – und dem ,industriellen‘ Kondensat gegeben“, sagt Schnabel. Durch die weitere Analyse einzelner Baumbestandteile hoffen die Forscher der FH Salzburg auch, künftig die notwendige pilzabtötende Wirkung von Produkten erreichen zu können.

IN ZAHLEN

80 Prozent Feuchtigkeit und mehr hat Holz, wenn es aus dem Wald kommt.Der Wasserdampf, der beim Trocknen entweicht, soll genutzt werden.

8 bis 10 Prozent Holzfeuchte soll Holz nach dem Trocknen zur Verwendung im Innenraum haben. Das Wasser ist in Bäumen in unterschiedlichen strukturellen Bereichen, zum Beispiel Zellwänden und Zellhohlräumen, gespeichert. Die Menge kann über den Holzquerschnitt im Baum variieren.