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Bayer: „Warum musste es ausgerechnet Monsanto sein?“

Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender von Bayer
Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender von BayerAPA/AFP/INA FASSBENDER

Bei der Hauptversammlung des Agrochemiekonzerns hat die Führung den zürnenden Aktionären zu erklären, warum sie sich ausgerechnet für den Kauf des „umstrittensten Unternehmens der Branche“ entschieden hat.

Wien. „Die heutige Hauptversammlung ist keine Routinehauptversammlung“, mit diesen Worten eröffnete Aufsichtsratsvorsitzender Werner Wenning dieselbe am Freitag. Recht hatte er. Nicht nur er, sondern auch Werner Baumann, der Vorstandsvorsitzende von Bayer, hatten größte Mühe, auf die vielen Fragen der aufgebrachten Investoren Antwort zu geben.

Wie konnte es sein, dass die Führungsspitze die rechtlichen Risken, die der Kauf des US-Pflanzenschutzmittel-Herstellers Monsanto mit sich gebracht hat, vor dessen Übernahme gänzlich falsch eingeschätzt hat, wollte etwa die Fondsgesellschaft Union Investment von den beiden Managern wissen. „Warum musste es ausgerechnet Monsanto sein, das umstrittenste Unternehmen der Branche?“, fragte die Analystin Janne Werning. Wie ein Damoklesschwert hängen nun rund 13.400 Klagen wegen des angeblich krebserregenden Unkrautvernichters Roundup über dem deutschen Konzern. Wie viel die Beendigung dieser Verfahren Bayer kosten wird, vermag niemand seriös einzuschätzen.

Das ist einer der Hauptgründe, warum sich der Aktienkurs seit der Übernahme fast halbiert hat. „Die Klagen und die ersten Urteile zu Glyphosat lasten schwer auf unserem Unternehmen und verunsichern viele Menschen“, gestand Baumann ein. „Da gibt es nichts zu beschönigen.“ Den Kauf von Monsanto verteidigte er, wie auch Wenning, dennoch: Der wahre Wert des Unternehmens spiegle sich im aktuellen Kurs nicht wider. Langfristig betrachtet sei der Kauf werthaltig und strategisch der richtige Schritt. Deshalb hätte sich auch der gesamte Vorstand damals dafür ausgesprochen.

 

Wird der Vorstand entlastet?

Ob es Vorstand und Aufsichtsrat gelungen ist, die Aktionäre und ihre Vertreter mit ihren Argumenten zu überzeugen, wird sich bei der Abstimmung über die Entlastung der beiden Organe zeigen. Schon im Vorfeld der Hauptversammlung haben Stimmrechtsberater und große Aktionäre angekündigt, gegen die Entlastung zu stimmen oder sich jedenfalls ihrer Stimme zu enthalten.

Zur Diskussion stand daher auch, ob es nicht besser sei, diesen Punkt lieber von der Tagesordnung zu nehmen und zu einem späteren Zeitpunkt über die Entlastung abzustimmen. Doch gegen diesen Plan setzte sich Aufsichtsratschef Wenning zur Wehr. Baumann und er hätten nun mehrfach ausgeführt, dass sie bei der Monsanto-Übernahme „jederzeit pflichtgemäß gehandelt haben“. Das sei auch durch ein unabhängiges Rechtsgutachten bestätigt worden. Zu Redaktionsschluss stand noch nicht fest, ob die Aktionäre die Entlastung verweigert haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2019)