16 Tote nach Sturm auf Versteck von IS-Anhängern in Sri Lanka

Soldiers and police officers walk past St. Anthony's Shrine in Colombo
Soldaten und Polizisten vor einem der Orte, an dem es zu Anschlägen am Ostersonntag kamREUTERS

Bei Explosionen in einem von der Polizei umstellten Haus im Osten von Sri Lanka wurden 16 Tote gefunden. Die Handlungen kamen während eines Anti-Terror-Einsatzes gegen mutmaßliche Islamisten.

Bei dem Sturm auf ein mutmaßliches Versteck von Anhängern der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Sri Lanka haben sich drei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und dabei drei Frauen und sechs Kinder mit in den Tod gerissen. Drei weitere Männer, ebenfalls mutmaßliche Selbstmordattentäter, seien außerhalb des Hauses von Sicherheitskräften erschossen worden, erklärte die Polizei am Samstag. Ein Passant geriet zwischen die Fronten und wurde erschossen, insgesamt starben bei der Razzia 16 Menschen.

Der Geheimdienst geht davon aus, dass es sich bei dem Haus in Kalmunai, rund 370 Kilometer östlich der Hauptstadt Colombo, um ein Versteck von IS-Unterstützern handelte. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von verkohlten Körpern und mindestens einem bewaffneten Mann. Aufnahmen aus dem Inneren des Hauses zeigen Sprengstoff, einen Generator, eine Drohne und zahlreiche Batterien.

Bei Anschlägen auf mehrere Kirchen und Hotels in Sri Lanka waren am Ostersonntag nach Behördenangaben 253 Menschen getötet worden, darunter zahlreiche ausländische Urlauber. Die Regierung macht die Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) für die Attacken verantwortlich.

Hashims Leiche wird untersucht

Einen der Selbstmordanschläge beging demnach NTJ-Anführer Zahran Hashim. Er stammt aus der Provinz, in der Kalmunai und der Ort Sammanthurai liegen. Nach Behördenangaben werden derzeit DNA-Proben eines abgetrennten Kopfes untersucht, um sicherzustellen, dass es sich bei der am Tatort gefundenen Leiche tatsächlich um Hashim handelt.

Die Polizei erklärte, eine Reihe von Hinweisen nach der Festnahme von Hashims Fahrer habe sie zu dem Versteck geführt. Polizisten oder Soldaten wurden bei der Razzia nach offiziellen Angaben nicht verwundet. Eine Frau und ein Kind mussten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Rund 600 Menschen flohen in Panik aus einer nahegelegenen Siedlung.

Der Einsatz erfolgte wenige Stunden nach einer Razzia in Sammanthurai. In einem Gebäude in dem Ort sollen radikale Islamisten vor den Anschlägen ein Video gedreht haben, in dem sie IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi die Treue schworen.

Bei der Razzia wurden unter anderem 150 Stangen Dynamit und eine IS-Flagge sichergestellt. "Wir haben den Hintergrund gefunden, vor dem die Gruppe ihr Video aufgenommen hat", hieß es in einer Erklärung der Polizei.

94 Verdächtige festgenommen

Die Regierung und Behörden in Sri Lanka stehen nach den Anschlägen unter großem Druck, da es im Vorfeld konkrete Hinweise gegeben hatte, denen nicht nachgegangen wurde.

Nach Angaben von Sri Lankas Präsident Maithripala Sirisena wurden inzwischen 94 Verdächtige festgenommen. Sirisena sagte am Freitag, man wisse nun von etwa 140 Menschen in Sri Lanka, die Verbindungen zum IS hätten. Sein Büro teilte am Samstag mit, der Präsident habe mithilfe von Notstandsbefugnissen die NTJ und die Splittergruppe Jamathei Millathu Ibraheem (JMI) verboten.

Regierungschef Ranil Wickremesinghe entschuldigte sich am Freitag für die Fehler im Vorfeld der Anschläge. "Wir übernehmen gemeinsam die Verantwortung und entschuldigen uns bei unseren Mitbürgern", schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Colombos Erzbischof Malcolm Ranjith hält am Sonntag an seinem Wohnsitz einen Sondergottesdienst ab, der live im Fernsehen übertragen wird. Zuvor hatte Ranjith die Katholiken in Sri Lanka aufgerufen, zuhause zu bleiben und dort zu beten. Es wird dennoch erwartet, dass einige Gruppen Mahnwachen an den Schauplätzen der Anschläge halten werden.