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Verdächtige Aktienrekorde

Microsoft schaffte kurzzeitig den Sprung zum Billionen-Dollar-Unternehmen.
Microsoft schaffte kurzzeitig den Sprung zum Billionen-Dollar-Unternehmen.REUTERS

Firmen wie Microsoft sind auf einem Allzeithoch, Analysten raten noch immer zum Kauf. Bei einem Rücksetzer kann man durchaus zugreifen.

Der dümmste Grund, eine Aktie ist zu kaufen, ist, weil sie steigt. Diese Meinung vertritt Starinvestor Warren Buffett, der seit Jahrzehnten eine strikte „Value“-Strategie fährt: Er kauft Aktien, die ihm gut aufgestellt und unterbewertet scheinen. Dennoch: Nur weil eine Aktie stark gefallen ist, bedeutet das noch lang nicht, dass sie jetzt ein Schnäppchen wäre. Umgekehrt haben in den vergangenen Tagen nicht nur einige US-Indizes an neuen Rekordmarken gekratzt, sondern auch einige Unternehmen. Und diese taten das teilweise aus gutem Grund.

Überraschendes Wachstum. Da wäre einmal Microsoft. Während Apple, Amazon oder Facebook noch unter ihren Rekorden notieren, hat sich der Softwarekonzern vollständig von der Delle des Vorjahres erholt und ein neues Allzeithoch markiert. Vorigen Mittwoch nach der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen sprang der Börsenwert des nunmehr weltgrößten Unternehmens kurzzeitig über die Billionen-Dollar-Grenze. Die Analysten sehen im Schnitt ein weiteres Kurspotenzial von elf Prozent. Besonders optimistisch ist Goldman Sachs. Die US-Investmentbank zeigte sich vom Wachstum der Cloud-Computing-Plattform Azure überrascht und erhöhte das Kursziel von 131 auf 144 Dollar. Derzeit kostet eine Microsoft-Aktie 129 Euro.

Auch der Google-Mutter Alphabet räumen die Experten gute Chancen ein, um weitere sechs Prozent zu steigen, obwohl das Papier seit Jahresbeginn bereits um 22 Prozent in die Höhe geklettert ist und kürzlich ein Rekordhoch erklommen hat. Ähnliches gilt für Visa. Der Kreditkartenanbieter profitiert von der weltweiten Kauflust und hat dieser Tage für das erste Quartal ein Umsatzplus von acht Prozent auf 5,5 Mrd. Dollar präsentiert. Beim Gewinn konnte Visa die Drei-Milliarden-Dollar-Grenze überspringen. Auch Visa notiert nahe seinem Allzeithoch, dennoch sehen die Analysten im Schnitt ein Kurspotenzial von neun Prozent.

Doch nicht nur Technologiekonzerne konnten in den vergangenen Monaten ein Allzeithoch nach dem anderen markieren. Auch unter den defensiven Werten gibt es solche Rekordjäger. Einer davon ist McDonald's. Der Burgerbrater ist 151 Mrd. Dollar schwer, nachdem sich der Aktienkurs auf Fünfjahressicht verdoppelt hat. Ein Wermutstropfen in der Wachstumsstory ist aber, dass das Unternehmen auf dem Heimatmarkt USA einem scharfen Konkurrenzdruck ausgesetzt ist. Rivalen wie Burger King oder Wendy's, aber auch aufstrebende Ketten wie Shake Shack machen McDonald's das Leben nicht einfach. Kurzfristig sehen die Analysten das Potenzial ausgereizt: Das durchschnittliche Kursziel liegt nur zwei Prozent über dem jüngsten Kurs. Anleger können aber etwaige Rücksetzer zum Kauf nützen.

Überraschend steil ist zuletzt Disney angesprungen. Nach der Übernahme von 21st Century Fox um 71,4 Mrd. Dollar hat das Unternehmen einen eigenen Streaming-Dienst angekündigt und Netflix den Kampf angesagt. Disney bietet seinen Service zu niedrigeren Preisen an als Netflix, bei der Anzahl der Serien und Filme kann Disney noch nicht mit dem Streaming-Platzhirschen mithalten. Im Vorjahr hatte Netflix zeitweise Disney bei der Marktkapitalisierung überholt. Inzwischen hat der Micky-Maus-Konzern den Titel des weltgrößten Unterhaltungsunternehmens zurückerobert. Disney wird an der Börse mit 247 Mrd. Dollar bewertet, Netflix mit 161 Mrd. Dollar.

Konkurrent Netflix. Die Mehrheit der Analysten ist Disney gewogen. 22 Kaufempfehlungen steht laut Bloomberg nur eine Verkaufsempfehlung gegenüber. Das durchschnittliche Kursziel liegt aber in etwa auf dem Niveau des gegenwärtigen Kurses. Dem Konkurrenten Netflix, dessen Aktie zwölf Prozent unter seinem Allzeithoch notiert, trauen die Analysten ein Kursplus von sieben Prozent zu. Kurzfristig scheint bei Disney also nicht mehr allzu viel drin zu sein; auch hier könnte sich ein Kauf bei einem Rücksetzer auszahlen.

Die Besprechung von Wertpapieren und Investments auf dieser Seite ersetzt keine professionelle Beratung und ist nicht als Kaufempfehlung zu betrachten. „Die Presse“ übernimmt keine Haftung für die künftige Kursentwicklung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2019)