Lust auf Politik

Das Schimpfen will man sich nicht nehmen lassen.

Der frühere ÖVP-Chef Michael Spindelegger – Sie wissen schon, das war jener erfolglose Parteiobmann, der seinem Nachfolger Reinhold Mitterlehner vorgeworfen hat, erfolglos gewesen zu sein – jener Spindelegger also hat einmal einen Witz erzählt: „Was unterscheidet eigentlich einen Parteitag der ÖVP von einem der SPÖ?“ Antwort: „Gar nichts. Auf beiden schimpft man über die ÖVP.“ Ob das für die ÖVP im Moment gerade stimmt, ist fraglich und wird wohl davon abhängen, ob Mitterlehner zum nächsten Parteitag eingeladen ist. Abgesehen vom Ex-Obmann gibt es ja nicht viele, die sich in der Partei derzeit kritisch äußern. Dafür wird in der SPÖ um so mehr geschimpft. Und zwar nicht nur intern, also Linke gegen Burgenländer und umgekehrt, sondern auch tatsächlich gegen die Regierung.

Und das will man sich auch nicht nehmen lassen. Als die Wiener SPÖ jetzt versucht hat, ihren Parteitag nur noch alle zwei Jahre abzuhalten, ist sie bei ihren Funktionären schlecht angekommen. Man will sich schließlich das Schimpfen nicht nehmen lassen (vor allem das auf die Burgenländer). Dafür ist so ein Basisfunktionär auch bereit, einiges in Kauf zu nehmen: Lähmende Parteitagsreden, lähmende Geschäftsordnungsdebatten und schlechtes Buffet. Das nennt man: Lust auf Politik. (maf)

Reaktionen an: martin.fritzl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2019)