Gudula Walterskirchen

Beim Kampf gegen Extremismus ist man auf einem Auge blind

Österreich konzentriert sich auf den Kampf gegen Rechtsaußen. Wie gefährlich es ist, Islamisten zu unterschätzen, musste man in Sri Lanka erfahren.

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280 Zeichen – das ist die maximale Länge, die eine Kurznachricht als Tweet haben darf. Und mehr fiel den offiziellen Repräsentanten der österreichischen Politik zum Terroranschlag vom Ostersonntag auf Hotels und christliche Kirchen in Sri Lanka offenbar auch nicht ein. Man beließ es dabei, kurz nach den blutigen Anschlägen seine Erschütterung und sein Beileid auf dem jeweils persönlichen Twitter-Account kundzutun. Ein offizielles oder längeres Statement blieb aus. Der Bundespräsident vermied es sogar, von den Opfern in den Kirchen als „Christen“ zu schreiben, er erwähnte bloß „Betende“. Im Gegensatz dazu schrieb SP-Chefin Rendi-Wagner immerhin auf Facebook einen längeren, sehr persönlich gehaltenen Text, in dem sie ihrer Erschütterung über die Attentate ausgerechnet zu „Ostern, dem Fest der Liebe“ Ausdruck verlieh.

Selbst seit klar ist, dass es sich um islamistische Attentäter im Einflussbereich des IS handelt, vermeidet die Politik den Ausdruck „islamistisch“ in dem Zusammenhang. Offenbar will man kein Öl ins Feuer gießen. Das ist angesichts der Übergriffe auf Muslime in Sri Lanka als Folge der Attentate nachvollziehbar. Und es ist angebracht und positiv, dass die Islamische Glaubensgemeinschaft auf ihrer Website die Attentate verurteilt. Bisher hatte man zu Christenverfolgung und Menschenrechtsverletzungen in islamischen Ländern eher geschwiegen und stets die eigene Opferrolle betont.