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EU-Duelle als Marathon: Jeder gegen jeden auf Puls 4

Das auffälligste Gespräch war wohl das letzte, in dem Schieder auf Vilimsky traf.
Das auffälligste Gespräch war wohl das letzte, in dem Schieder auf Vilimsky traf.(c) Screenshot

TV-Notiz Puls 4 betrieb den Schaukampf-Charakter von Polit-Duellen munter, indem es eine Live-Auswertung über Sieg und Niederlage lieferte. Sie zeigte Harald Vilimsky auf Platz eins.

Am gestrigen Sonntag konnte der sitzfleisch- und nervenstarke Zuseher 15 Kurzduelle zur EU-Wahl sehen. "Europa – Die entscheidende Frage: Jeder gegen jeden" war der Titel, die Spitzenkandidaten der Parteien standen dabei je sechs Minuten in der Puls-4-Arena. Lange Gespräche gab es bereits in den Wochen zuvor, nun also der rhetorische Gladiatorenkampf, der insgesamt und mit Analysen dreieinhalb Stunden dauerte.

Der Schaukampfcharakter wurde mit einer gleichzeitigen Bewertung ausgewählter Zuschauer auf die Spitze getrieben, die jeweils die Sieger festlegten. Das funktionierte so: Das Institut OGM lieferte zu jedem Duell repräsentative Live-Umfragen unter 500 Österreichern, die die Sendung sahen - und präsentierte die jeweiligen Gewinner und einen Gesamtsieger: FPÖ-Spitzenkandidat Harald Vilimsky. Für ihn stimmten zusammengerechnet 31 Prozent der Zuseher, dahinter folgten Andreas Schieder (SPÖ) mit 27 und Othmar Karas (ÖVP) mit 23 Prozent, weiters Claudia Gamon (Neos) mit 9 vor Werner Kogler (Grüne) mit 8 Prozent. Johannes Voggenhuber verlor den Umfragen zufolge alle seine fünf Duelle und überzeugte nur 2 Prozent. Aussagen wie jene, dass er „kaum noch ein Problem“ kenne, das er „guten Gewissens dem Nationalstaat anvertrauen würde", dürften ihm wenig zugute gekommen sein.

Wie ernst auch immer man das recht amerikanische Duellieren und Beurteilen nehmen möchte: Manche Gespräche hatten durchaus ihre Momente. Das Auffälligste war wohl das letzte, in dem Schieder auf Vilimsky traf und rechte Parteien ("Zerstörer und Spalter") als größte Gefahr für Europa nannte, wobei er wiederholt ein Bild von Italiens Lega-Chef Matteo Salvini mit Waffe zeigte. Kurz wäre es tatsächlich noch darum gegangen, wie man sich eine bessere EU vorstellt, Vilimsky sprach von fünf möglichen Zukunftsszenarien, die die Europäische Kommission erarbeitet hätte. Schieder lenkte aber schnell ab, die größte Gefahr drohe Europa von rechten Parteien wie der FPÖ - das war die Botschaft, die er hier anbringen wollte.

Dagegen versuchte sich Vilimsky, der wenig auf die rassistischen Ausfälle der FPÖ in letzter Zeit einging,  als Sachpolitiker zu positionieren. Er warf Schieder vor, er solle endlich einmal "mit Sachargumenten kommen" und sagen, wie er die EU reformieren wolle. Doch auch der FPÖ-Spitzenkandidat ging gleich wieder von der Frage ab und in den viel geübten Angriff über: "Die Sozialdemokraten kollabieren europaweit, in einem Land nach dem anderen." Damit wurde es hitzig. Vilimsky und Schieder sprachen quasi zeitgleich. Schieder kam wieder mit Salvinis Waffenbild und meinte, er wolle "ein Europa, wo der Mensch statt dem Konzern steht, wo sich die Leute gern haben". So wie am SPÖ-Plakat. Waffen gegen Umarmungen, ist das nun also der Unterschied zwischen den Parteien? 

Wem das ein wenig platt vorkommt, der wird sich über Vilimskys Konter freuen: "Aber Sie selbst nutzen doch Konzerne als Gut Aiderbichl all der gescheiterten SPÖ-Funktionäre, wollen wir darüber reden?" Wirklich über spezifische Themen zu reden war in den gegebenen sechs Minuten freilich schwierig, allerlei wurde noch kürzest angeschnitten und Moderatorin Corinna Milborn betonte die "Leidenschaft, die in diesem Richtungsstreit drinnen steckt".

Unterlegen war Vilimsky dann im Duell gegen Karas, so die Umfrage. Und dabei kamen durchaus Sachfragen vor: Der FPÖ-Kandidat lehnte die EU-Rechtsstaatsverfahren gegen Ungarn und Polen ab, diese seien nur eine Bestrafung, weil sie die Migrationspolitik der EU nicht mittragen. Karas meinte hingegen, wer sich nicht an EU-Recht halte, müsse sanktioniert werden. Die Frage sei, ob man eine liberale oder eine autoritäre Demokratie wolle.

Bis zu 519.000 Zuseher sahen gestern zumindest kurz die ersten Duelle auf Puls 4. Wer die Sendung von Anfang bis Ende sah, hat für sein Durchhaltevermögen die Goldene Zuschauernadel verdient.

Claudia Gamon, rhetorisch den erfahrenen Politikern nicht unterlegen, warb in ihrem Duell gegen Werner Kogler für den Freihandel, um europäische Standards in die Welt zu exportieren. Der Grüne Kandidat trat auch für fairen Handel ein, wandte sich aber gegen Privilegien für Konzerne.
Claudia Gamon, rhetorisch den erfahrenen Politikern nicht unterlegen, warb in ihrem Duell gegen Werner Kogler für den Freihandel, um europäische Standards in die Welt zu exportieren. Der Grüne Kandidat trat auch für fairen Handel ein, wandte sich aber gegen Privilegien für Konzerne.(c) Screenshot

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