Haut Couture fürs Gesicht

Chanel Haut Couture
Chanel Haut Couture(c) Markus Morianz
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Immer mehr Marken setzen auf den Total Look, den Zusammenschluss von Mode und Make-Up. Chanel macht vor, wie das geht.

Mit exklusiven Produkten den Teint korrigieren, sich in der Sommerfrische vor der Sonne schützen oder sich auffällige Farbakzente ins Gesicht zaubern: Es ist noch gar nicht so lange her, dass derlei den Damen der allerbesten Gesellschaft vorbehalten war. Für rapid gesteigerte Nachfrage auch außerhalb der Haute-
volee sorgten erst allgegenwärtige Kinobilderwelten in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts. Marken wie Helena Rubinstein oder Elizabeth Arden, heute sozusagen „auf“ aller Munde, wurden erstmals in den 1910er-Jahren bekannt – und zwar zunächst als Kosmetiksalons. In den Folgejahren entwickelte sich die Beautyindustrie rasch und gründlich – beflügelt nicht zuletzt von einer „Ballets russes“-inspirierten, außergewöhnlich farbenfrohen Mode. Gabrielle Chanel machte als Erste das Lizenzgeschäft salonfähig, als sie sich für den großflächigen Launch von Chanel n° 5 eine Finanzspritze von Pierre Wertheimer holte. Diese (bis heute anhaltende) Allianz war schon deshalb interessant, weil die Familie Wertheimer darüber hinaus einen Anteil an Frankreichs damals größtem Beautykonzern Bourjois hielt.

Pariser Make-up-Chic. Auf den ersten Blick geben Couture und Schönheitspflege ohnehin ein formidables Paar ab. Von der „Haute“ zur Haut, möchte man wenigstens meinen, ist es nur ein Katzensprung. Allerdings tummelten sich lange Zeit erstaunlich wenige Marken in beiden Bereichen: Wer nach dem „Total Look“ aus Abendkleid und dazu passendem Kussmund aus derselben Maison verlangte, musste sich lange mit einem recht überschaubaren Angebot begnügen. Ungleich den Parfums, mit denen viele Marken ein profitables Geschäft machen, tragen Make-up & Co. äußerst selten den Namen von Modehäusern. In Paris spielen Chanel, Dior und Yves Saint Laurent in einer Liga für sich und stehen für auserlesene Schönheit in jeder Hinsicht.

Filmreif. In letzter Zeit beginnt es jedoch auch die Mailänder Kollegen nach neuen Betätigungsfeldern zu gelüsten: Giorgio Armani ist ein relativer Newcomer im Make-up-Segment, und vor erst einem Jahr lancierten Dolce & Gabbana eine Produktlinie, für die zu Werbezwecken die Femme fatale Scarlett Johansson posierte. Auch in Amerika wird unterdessen der eine oder andere umtriebig: Calvin Klein lancierte mit ck Beauty eine relativ erschwingliche Palette, Michael Kors folgt mit „Very Hollywood Make-up“ dem Stil von Heidi Klum, und auch Neo-Regisseur Tom Ford zeigte sich unlängst mit einer „Lip Color Collection“ in Expansionslaune. Sinnliche Lippen im Sinne jenes Designers, der weiland bei Gucci für ultimativen Sex-Appeal sorgte: Ein programmierter Kassenschlager, möchte man meinen.


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