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Kriminalstatistik: Gewaltdelikte neu definiert

Themenbild: Kriminalität
Themenbild: Kriminalität(c) REUTERS (Suhaib Salem)

Das Innenministerium hat für die aktuelle Kriminalstatistik (Präsentation: Donnerstag) den Katalog der Gewaltdelikte geändert. Auch die Kategorien für ausländische Verdächtige wurden überarbeitet. Die Vergleichbarkeit gehe dadurch aber nicht verloren, erklärte Bundeskriminalamtsdirektor Franz Lang. 

Der Aufbau der Kriminalstatistik, die vom Innenministerium am Donnerstag präsentiert wird, ist heuer neu. Schwerpunkte, genannt: „drei Säulen", sind nun Gewalt-, Eigentums- und Internetkriminalität. Dazu wurden unter Einbindung des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie neue Kategorien für den Aufenthaltsstatus fremder Tatverdächtiger eingeführt. So wird beispielsweise unterschieden, ob Verdächtige sozialversichert sind oder nicht. Es sei für präventive Maßnahmen entscheidend, so Kriminalamtschef Franz Lang, ob angezeigte Personen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft in Österreich wohnen und/oder arbeiten oder ob diese nur auf Besuch sind.

Bereits bekannt wurde, dass es 2018 erneut einen Rückgang bei den angezeigten Straftaten gegeben hat. Die Zahlen werden aber erst am Donnerstag bekanntgegeben. Bisher baute die Statistik nicht auf drei, sondern auf fünf Feldern auf: Wohnraumeinbrüche, KFZ-Diebstähle, ausgewählte Gewaltdelikte, Internet- und Wirtschaftskriminalität. Doch "die Anzeigen zu den Schwerpunkten der letzten Jahre sind zurückgegangen", erläuterte Josef Kerbl, Leiter des Landeskriminalamtes Wien.

Außer Einbrüchen in Wohnraum und Fahrzeuge seien auch Autodiebstähle sowie etwa Überfälle auf Juweliere, Banken, Wettlokale oder auch Geldboten - letztere, weil es solche kaum mehr gibt - rückläufig. Cybercrimedelikte oder auch Internetbetrug wiederum seien immer noch "im Steigen begriffen". "Wurde ein Kfz-Diebstahl früher mit mechanischer Gewalt durchgeführt und anschließend die Lenkradsperre geknackt, verwenden Täter heute Laptop, Funkstreckenverlängerer und angelernte Schlüssel", erläuterte Kerbl. Drogendealer seien von der Straße ins Darknet gewechselt. Verschickten Betrüger früher Erpresserbriefe, seien es heutzutage Massenmails, nannte Kerbl Beispiele für die Verlagerung der Kriminalität hin zu Cybercrime. Allgemein lasse sich eine zunehmende Gewaltbereitschaft und Bewaffnung der Täter feststellen.

Neue Straftatbestände mit dabei

Erweitert wurde Begriff der Gewaltkriminalität. Dazu zählen grundsätzlich strafbare Handlungen gegen Leib und Leben, wie etwa Mord oder Körperverletzung sowie gegen die Freiheit und die sexuelle Integrität. Für 2018 wurden weitere Delikte in den statistischen Gewalt-Katalog aufgenommen.

Nunmehr gehören beispielsweise auch Zwangsheirat, sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen, fortgesetzte Belästigung im Wege der Telekommunikation oder eines Computersystems dazu. Damit ein Vergleich mit den Vorjahren möglich bleibt, wurden die Statistiken der vergangenen zehn Jahre mit der neuen Definition der Gewaltkriminalität erneut berechnet. Gab es nach alter Zählweise rund 40.000 Gewaltdelikte, seien es mit den neu hinzugenommenen Straftatbeständen etwa 70.000, verriet Lang.

(m. s./APA)