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Wien: Gürtel-Blockade gegen Abschiebung

Wien GuertelBlockade gegen angebliche
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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250 Menschen haben am Hernalser Gürtel gegen die vermeintliche Abschiebung eines Nigerianers demonstriert, indem sie einen Polizeibus blockierten. 42 Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen.

250 Demonstranten haben am Donnerstagabend  auf dem Hernalser Gürtel in Wien gegen die Überstellung eines Schubhäftlings vom Polizeianhaltezentrum (PAZ) Hernals ins PAZ Rossauer Lände protestiert. Der Protest wurde gegen 21.30 Uhr von der Exekutive aufgelöst, 42 Demonstranten vorläufig festgenommen.

Der Großteil der Festgenommenen wurden noch am Abend wieder auf freien Fuß gesetzt. In den frühen Morgenstunden kamen die letzten drei Verhafteten frei. Es wurden 39 Verwaltungs- sowie drei Strafanzeigen erstattet.

Drei Wega-Beamte erlitten im Zuge der Räumung Verletzungen durch Tritte und Schläge, heißt es bei der Polizei. Über eventuell verletzte Demonstranten "ist mir nichts bekannt", sagt Polizeisprecherin Iris Seper. Dass die Einsatzkräfte - wie von der ÖH der Uni Wien behauptet - auch Pfefferspray eingesetzt haben sollen, wies die Sprecherin zurück. Der Protest sei mit "reiner Körperkraft" aufgelöst worden und dies sei notwendig gewesen.

Vermeintliche Abschiebung

Gerichtet hatte sich die Demonstration, die sich gegen 19.30 formierte, gegen die vermeintliche Abschiebung eines 25-jährigen Nigerianers. Das war auch der Inhalt einer SMS, mit der mobilisiert wurde. Dass es lediglich um eine Überstellung ging, wurde erst im Nachhinein bekannt.

Die Demonstranten setzten sich rund um den Polizeibus am Gürtel auf den Boden und blockierten so den Transport des Schubhäftlings. Die Teilnehmer skandierten dabei unter Trommel-Begleitung Slogans wie "Kein Mensch ist illegal" und "Bleiberecht überall".

Nach der Auflösung der Kundgebung zog ein Teil der Demonstranten zum PAZ Rossauer Lände weiter. Die mehrspurige Fahrbahn des Gürtels war für den Verkehr stadtauswärts bis ca. 22.30 Uhr gesperrt.

Festnahme in Hernals beim Fußballtraining

Der 25-jährige Nigerianer war am Donnerstagnachmittag beim Fußballtraining mit seinem Verein "Sans Papiers" (Deutsch: FC "Ohne Papiere") auf der Marswiese in Hernals festgenommen worden. Der Mann hält sich laut Polizei seit August 2002 in Österreich auf. Sein Asylansuchen ist in allen Instanzen rechtskräftig abgelehnt worden. Der Mann ist nach diesen Entscheidungen nie bei gemeldeten Wohnadressen - u.a. beim Verein "Asyl in Not" - angetroffen worden oder war gänzlich unterstandslos.

Auch ein 21-jähriges Teammitglied, ebenfalls aus Nigeria, kam wegen seines negativen Asylbescheids in Schubhaft. Über die Asylverfahren wollte das Innenministerium aufgrund der Amtsverschwiegenheit keine Auskunft geben. Drei weitere Personen wurden zur Identitätsfeststellung mitgenommen und wieder freigelassen.

Dass bei dem Einsatz über 100 Polizisten anwesend waren und diese zehn Personen weggebracht hätten, wurde seitens der Behörden dementiert. "FC Sans Papiers"-Obmann Di-Tutu Bukasa hatte diese Angaben gemacht.

Von der Polizei-Aktion ist Bukasa nicht wirklich überrascht. In den vergangenen Monaten seien zehn seiner Spieler aufgrund negativer Asylbescheide festgenommen und abgeschoben worden. Er wirft den Behörden vor, bei Verfahren gegen Nigerianer nicht objektiv genug zu sein und vermutet "Rassismus".

(APA)