Clownin Martha Laschkolnig: Die über den Kirchturm tanzt

Martha Laschkolnig vor der Gertrudkirche, von der sie heruntertanzen wird.
Martha Laschkolnig vor der Gertrudkirche, von der sie heruntertanzen wird.(c) Stanislav Kogiku
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Martha Laschkolnig eröffnet das Kunstfest Währing mit einem Spektakel in luftiger Höhe. Eigentlich ist sie aber Clownin und verwischt als solche Grenzen.

Ein Problem mit der Höhe könne Martha Laschkolnig ja eigentlich nicht haben, meint man zumindest. Immerhin eröffnet sie am Freitag das Kunstfest Währing, indem sie sich aus elf Metern vom Kirchturm abseilt.

Aber ganz so ist es dann doch wieder nicht. „Ich habe schon sehr Respekt vor der Höhe“, sagt Laschkolnig. „Ich bin grundsätzlich kein gefahrenfreudiger Mensch. Und ich mag es, wenn es sicher ist.“

Das sollte es doch sein, wenn sie den Kirchturm der Getrudkirche beim Kutschkermarkt hinuntertanzt: Vertikaltanz nennt sich das. „Das heißt, die Wand wird wie der Boden behandelt, man ist mit den Füßen an der Wand. Da kann man schwingen, Saltos machen, das hat einen schönen Effekt“, sagt Laschkolnig, die gerade von einer Probe in der Arena kommt – einem der wenigen Orte, wo die Wände fürs Üben zur Verfügung stehen. „Die Alternative wären Autobahnbrücken.“

Der vertikale Tanz ist freilich eher eine Leidenschaft der 39-Jährigen: Eigentlich ist Martha Laschkolnig hauptsächlich Clownin. Seit rund 20 Jahren macht sie unter dem Namen Martha Labil („Was immer Sie sich vorstellen können, sie wird es versuchen, auch wenn es so aussieht, als würde sie ihr Leben aufs Spiel setzen“) Clowntheaterstücke, meistens für Familien. Oft auch mit einer artistischen Note: Da kann es schon vorkommen, dass sie im Kopfstand Akkordeon spielt.

„Straßentheater oder Zirkus“

„Ich wollte immer schon etwas mit Straßentheater oder Zirkus oder Akrobatik machen“, sagt Laschkolnig, die an der Akademie Malerei studiert hat und neben dem Theater auch nach wie vor bildnerisch tätig ist. „Ich bin dann eigentlich unabsichtlich zum Clown gekommen, weil der ja alles machen kann. Und weil es da nicht der Anspruch ist, alle Tricks perfekt zu können, sondern die Tricks gut in den Raum zu stellen oder gute Ideen zu haben.“

Ein leichtes Metier ist das nicht unbedingt – auch wenn Clowntheater und Zirkustheater immer mehr ihren Platz in der Kulturszene bekommen, wie Laschkolnig sagt.

„Und dieses ganze Comedybusiness ist ja eher eine Männerdomäne. Auch beim Clown neigen Frauen dann manchmal dazu, sich in den typischen Rollenbildern zu bewegen. Ich putze als Clownin nicht – ich klettere auf einen Laternenmast und ziehe mich dort um oder hebe einen Mann hoch.“

Das tut sie nicht, weil sie unbedingt Rollenbilder durchbrechen will. „Sondern, weil alles dazugehört. Man kann eben auch als Frau mit fast 40 noch absurd sein.“ Selbst, wenn man auf einem Bein stehe, sei das schon anders als auf zwei. „Und es ist schön, wenn man Welten eröffnen und auch die Grenzen verwischen kann: Was ist Schönheit, was ist Stärke, was ist Mut? Denn wir sind eh immer so eingesperrt darin, wie man sein soll.“

Grätzelspaziergang

Wie Laschkolnig als Clownin ist, kann man in Währing ebenfalls erfahren: Sie macht im Rahmen des Kunstfests als Martha Labil kommende Woche auch eine Art clownesken Grätzelspaziergang.

Und wird wohl auch da Bilder schaffen, die nicht ganz alltäglich sind. Wenngleich das mit dem Kirchturm eine einmalige Sache bleibt.

ZUR PERSON

Martha Laschkolnig (38) eröffnet am Freitag das Kunstfest Währing mit einem Vertikaltanz vom Kirchturm der Gertrudkirche (3. Mai, 17 Uhr). Am Samstag darauf führt sie als Clownin Martha Labil Besucher durch das Grätzel (11. Mai, elf Uhr, Ecke Kutschkermarkt/Währinger Straße). Insgesamt gibt es beim Kunstfest bis 26. Mai rund 100 Künstler in Währing: Theater, Performance, Literatur oder Musik.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2019)

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