Burgtheater-Star Johann Adam Oest gestorben

Nestroy Gala Wien Burgtheater 08 11 2010 Johann Adam OEST
Johann Adam Oest wurde 2010 mit einem Nestroy ausgezeichnet(c) imago/SKATA (imago stock&people)

Das Burgtheater trauert um Schauspieler Johann Adam Oest: "Er war immer absolut integer, von allen geliebt. Er fehlt fürchterlich."

Der Schauspieler Johann Adam Oest ist heute nach langer Krankheit in Wien gestorben. Das gab das Burgtheater bekannt. Oest gehörte 33 Jahre lang zu dessen Ensemble und wirkte in 68 Inszenierungen mit. "Johann Adam Oest konnte alles spielen und alle wollten mit ihm spielen", so Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann. „Er war der liebenswürdigste Kritiker, der tiefdenkendste Humorist des Hauses, immer absolut integer, von allen geliebt. Er fehlt fürchterlich."

Der Mann mit den markanten Augenbrauen

Oest wurde 1946 in Babenhausen in Hessen geboren und absolvierte seine Schauspiel-Ausbildung in Hamburg. Er spielte zunächst an Theatern in Karlsruhe, Recklinghausen, Ettlingen, am Zürcher Theater am Neumarkt, am Grillo-Theater Essen und am Schauspielhaus Bochum, ehe er mit Claus Peymann ans Burgtheater kam. Hier war der Schauspieler mit den markanten buschigen Augenbrauen mit Ausnahme der Jahre 1999 bis 2002 tätig. In dieser Zeit spielte er unter anderem (gemeinsam mit Robert Hunger-Bühler) den Mephisto in Peter Steins Mammut-„Faust“. Seine letzten Rollen am Burgtheater waren Zettel und der Weber/Pyramus in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" und Kaiser Franz Joseph in Joseph Roths "Radetzkymarsch" in der Regie Johan Simons, die beide 2017 Premiere feierten.

Radetzkymarsch | nach Joseph Roth | Burgtheater
Philipp Hauß und Johann Adam Oest im "Radetzkymarsch" 2017(c) Burghteater (Marcella Ruiz Cruz)

Der vielseitige Darsteller arbeitete unter anderem mit Manfred Karge, Claus Peymann, Peter Turrini, Peter Palitzsch, Paulus Manker, Michael Grüber, Thomas Langhoff, Andrea Breth, Barbara Frey, Matthias Hartmann, Roland Schimmelpfennig, Michael Thalheimer, Alvis Hermanis, Herbert Fritsch und Christian Stückl. Daneben war er auch immer wieder bei den Salzburger Festspielen zu sehen.

„Herr Lehmann“ und zwei Nestroys

Er war auch auf der Leinwand und im Fernsehen zu sehen: Mit Leander Haußmann drehte er die Filme „Herr Lehmann“ (2002; er spielte den Vater der Titelfigur), „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ (2007) und „Hotel Lux“ (2010). Auch mit Oskar Röhler („Jud Süß - Film ohne Gewissen“), Philipp Stölzl („Goethe“), Michael Riebl („Planet Ottakring“) oder Virgil Widrich („Die Nacht der tausend Stunden“) drehte der Schauspieler. Oest spielte auch in mehreren „Tatort"-Folgen mit.

Zweimal wurde er für seine subtilen, hintergründigen Rollengestaltungen mit dem Nestroy-Preis für die beste Nebenrolle ausgezeichnet: 2004 für seinen pharisäerhaften TV-Journalisten Ross, der in „Die Ziege oder Wer ist Sylvia“ von Edward Albee dem Freund ein ungeheuerliches intimes Geständnis entlockt, sowie 2010 für verschiedene Rollen in "Der goldene Drache" von Roland Schimmelpfennig.

"Auszeichnung auch für einen guten Menschen“

Sein 70. Geburtstag wurde am 29. Juni 2016 mit einer Festvorstellung von Shakespeares „Sturm“, mit dem er 119 Male auf der Bühne stand, gefeiert. Er erhielt damals den Berufstitel Kammerschauspieler. Regisseur Haußmann hielt die Laudatio: „Ich freue mich, dass die Auszeichnung nicht nur den wunderbaren Schauspieler trifft, sondern auch einen guten Menschen.“

(Red./APA)

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