Weltjournal

Die österreichischen Kinder des IS

Die Wienerinnen Sabina und Samra posteten vor ihrer Abreise nach Syrien dieses Bild. Sabinas Verbleib ist unklar, ihre Kinder befinden sich im syrischen Camp Hol.
Die Wienerinnen Sabina und Samra posteten vor ihrer Abreise nach Syrien dieses Bild. Sabinas Verbleib ist unklar, ihre Kinder befinden sich im syrischen Camp Hol.(c) CEN/Europics

Die Spuren der Wienerin Sabina S. verlieren sich in Baghuz. Nun will ihre Mutter die Enkelkinder nach Österreich holen.

Über den Kleinlastern und der Menschenmenge hängt eine dicke und unbewegliche Staubwolke. Die Zufahrt ins Camp stockt. Von hier aus ist nur ein kleiner Teil der riesigen Zeltlandschaft aus zu sehen, die hauptsächlich Frauen und Kinder der letzten Bastionen des sogenannten Islamischen Staates (IS) bevölkern. Kleinkinder wuseln herum, der kurdische Sicherheitsdienst, die Asayîş, nehmen hinter der Staubwolke jeden Besucher genau unter die Lupe. Ins Camp Hol, in der syrischen Provinz al-Hasaka, gewähren die Kurden derzeit nur in Ausnahmefällen Einlass. Zu viel Chaos und Gewaltdelikte waren im Lager zuletzt zu verzeichnen.

Senada S. erhält die Erlaubnis. Die Österreicherin ist nach Syrien gereist, um im Camp Hol ihre beiden Enkelkinder im Alter von drei und eineinhalb Jahren ausfindig zu machen. In einem kleinen Häuschen hinter dem Eingang nimmt ein Helfer ihre Daten auf, um dann aussichtslos zu den Zelten zu zeigen. 70.000 Menschen leben hier, sehr viel mehr als Fotos, die ihr ihre Tochter in den vergangenen Jahren immer wieder geschickt hat, kann S. zu den Kindern nicht vorweisen. Beide wurden im „Kalifat“ geboren, sie befinden sich im behördlichen Niemandsland.