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Peter Mayhew: Brülllaute machten ihn berühmt

Peter Mayhew (r.) bei Proben für den allerersten „Star Wars“-Film (1977): Mit Maskenbildner Stuart Freeborn übte er Chewbaccas Text. Insgesamt fünf Mal schlüpfte er in die Rolle des loyalen Fellriesen.
Peter Mayhew (r.) bei Proben für den allerersten „Star Wars“-Film (1977): Mit Maskenbildner Stuart Freeborn übte er Chewbaccas Text. Insgesamt fünf Mal schlüpfte er in die Rolle des loyalen Fellriesen.imago/Cinema Publishers Collecti
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Im Kostüm des zotteligen Chewbacca in „Star Wars“ steckte der 2,21 Meter große britisch-amerikanische Schauspieler Peter Mayhew. Er ist nun 74-jährig gestorben.

„Ein Freund, ein guter Freund. Das ist das Beste, was es gibt auf der Welt“, heißt es in einem bekannten Lied von Werner Richard Heymann. Für die Filmindustrie sollte dieses Motto zu einer zeitlosen Erfolgsformel werden: Was wäre Gothams einsamer Superheld Batman ohne seinen jüngeren Sidekick Robin oder der bullige Bud Spencer ohne seinen schlaksigen Gefährten Terence Hill? Und was wäre der Schmuggler Han Solo aus den „Star Wars“-Filmen ohne seinen treuen, ihm nie von der Seite weichenden Kompagnon Chewbacca?

An der Seite von Harrison Ford schlüpfte, erstmals 1977, der britischstämmige Schauspieler Peter Mayhew in das Kostüm des zotteligen Wookiees. Es sollte die Filmfigur seines Lebens werden. Am 30. April ist Mayhew nun 74-jährig in seiner Wahlheimat Texas verstorben. „Er war der sanfteste aller Riesen“, kondolierte „Star Wars“-Kollege Mark Hamill (Luke Skywalker). Ford schrieb: „Peter Mayhew war ein sanfter Mann, fast besessen davon, freundlich zu sein, und mit einem noblen Charakter ausgestattet.“

Exakt diese Wesenszüge kann man auch Chewbacca attestieren: zuverlässig, loyal, liebenswert. Wenngleich er auf viele Figuren der Saga grimmig wirkte: Seine unartikulierten Brülllaute, auch Shyriiwook genannt, konnten nur enge Vertraute wie Han Solo übersetzen und einschüchternd einsetzen („Einen Wookiee ärgert man besser nicht“, lautet ein legendäres Zitat aus dem ersten Film). Auch die Physis Chewbaccas wirkte einschüchternd. Ursprünglich wollte „Star Wars“-Schöpfer George Lucas die Rolle mit dem 1,98 Meter großen Bodybuilder David Prowse besetzen – diesen steckte er stattdessen aber ins Kostüm des Bösewichts Darth Vader. Ersatz fand Lucas in London. Mayhew, der damals als Radiologieassistent in einem Krankenhaus arbeitete, überzeugte mit seiner Größe von 2,21 Metern. Sein Lebenslauf enthielt damals nur ein Filmengagement: als Minotaurus im Fantasystreifen „Sindbad und das Auge des Tigers“.

„Star Wars“, anfangs von Kritikern noch belächelt, wurde bekanntlich zu einem der größten Popkultur-Phänomene und Mayhews Chewbacca zu einer der beliebtesten Figuren der Reihe. Mayhew mimte „Chewie“ noch vier weitere Male, zuletzt in „Das Erwachen der Macht“ (2015). Als er darin mit Han Solo das Raumschiff, den Millennium Falcon, betrat, verdrückten die meisten Zuseher wohl zumindest eine Träne.

 

Dreharbeiten im Rollstuhl

Die Dreharbeiten konnte er nur zum Teil selbst absolvieren: Der Riese, der sich einst in den Filmen den Armeen der dunklen Seite der Macht furchtlos entgegengestellt hatte, saß im Rollstuhl und litt unter großen Schmerzen. Die Rolle gab er danach ab: Der immerhin 2,11 Meter große Finne Joonas Suotamo mimt Chewbacca in den neueren Episoden sowie im Prequel „Solo: A Star Wars Story“ (2018), in dem man erfährt, wie dieser und Han Solo beste Freunde wurden.

Inspiriert hat George Lucas übrigens seine eigene Freundschaft zu einem haarigen Kompagnon: Er hatte, als er das erste „Star Wars“-Drehbuch schrieb, einen Alaskan Malamute. Der Hund soll größer als ein durchschnittlicher Mensch gewesen und Seite an Seite mit Lucas im Auto gesessen sein – genau wie Han Solo und Chewbacca in ihrem Millennium Falcon.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2019)