Die formalen Abenteuer der Wiener Klassik

Das Hagen Quartett enttäuschte im Konzerthaus mit Schubert, beeindruckte bei Beethoven.

Nie hat Beethoven ein Streichquartett origineller konzipiert als sein 1826 fertiggestelltes, zwei Jahre darauf uraufgeführtes Opus 131. Anstelle der üblichen vier, jeweils durch Pausen getrennten Sätze führt der Komponist sieben Abschnitte pausenlos zusammen. Das Quartett beginnt mit einer Fuge, schließt mit einem dichten kontrapunktischen Finale. Zwischendurch überrascht es mit einem unkomplizierten Allegro, einer kurzen Überleitung zu einem sechsteiligen Variationen-Andante, einem gradtaktigen Scherzo mit zwei Trios, einem knappen, meditativen Adagio.

Kein Werk zum Amüsieren, befand schon die zeitgenössische Kritik. Es stellt auch heute noch höchste Ansprüche an Interpreten wie Zuhörer. Selbst, wenn wie diesmal beim Hagen Quartett alles sitzt. Da stimmte jedes Tempo, gelangen die Übergänge glänzend, schienen die vier wie mit einer Stimme zu sprechen, pardon: zu musizieren.

Man kann Akzente schroffer setzen, im Detail ruhiger das Melos ausspinnen. Aber stimmiger und gehaltvoller als an diesem Abend im Mozartsaal ist dieses Opus kaum darstellbar.

Eindrucksvoll gelang auch Schostakowitschs 13.Streichquartett (b-Moll). Einzig das Einleitungsstück, Schuberts c-Moll-Quartettsatz, enttäuschte. Und das nicht nur, weil Quartettprimarius Clemens Hagen anfangs gegen Intonationsprobleme zu kämpfen hatte. Erst langsam schien das Ensemble zu einem gemeinsamen Ton zu finden, konnte sich Spannung aufbauen, sich die Musik natürlich entwickeln. (dob)