Siemens-Chef Kaeser justiert seine Pläne

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Siemens-Chef Joe Kaeser will am Mittwoch auf einem "Kapitalmarkttag" verraten, wie er den Konzern weiter umbauen will.

Rund 380.000 Siemens-Mitarbeiter können die "Vision 2020+" seit fünf Wochen schon an ihren Türschildern ablesen. Seit 1. April ist der deutsche Industriekonzern in sechs neue Groß-Sparten gegliedert, die mehr Freiheit haben sollen als die Geschäftsbereiche bisher.

"GP" für "Gas & Power" steht etwa an der Tür von 71.000 Mitarbeitern, die bisher für "PG" (Power & Gas) und teilweise für "EM" (Energy Management) arbeiteten. Was das den Siemens-Aktionären bringen soll, will Vorstandschef Joe Kaeser am Mittwoch auf einem "Kapitalmarkttag" verraten.

Den Zuschnitt der Sparten und die Renditevorgaben hat er bereits im Sommer 2018 verkündet, nun dürfte es um die Details gehen - oder schon um erste Änderungen. Die Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2018/19, die Siemens ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht, treten dagegen klar in den Hintergrund.

Für Kaeser ist die "Vision 2020+" eine Kehrtwende. Als er vor sechs Jahren als Vorstandschef angetreten war, wurde bei Siemens erst einmal zentralisiert. Fünf Jahre später glaubt er, den einzelnen Sparten mehr Selbstständigkeit zubilligen zu können, nachdem es in den meisten Bereichen besser läuft. Was sie selbst entscheiden dürfen, hängt von den Renditen ab. "Je besser die Zahlen, desto größer die Freiheiten", hat es der Konzernchef im vergangenen August auf den Punkt gebracht.

Gas & Power könnte ausgegliedert werden

Die rund 40.000 Mitarbeiter in der Verwaltung und anderen zentralen Funktionen wurden überwiegend auf die sechs Sparten verteilt. Die Konzernzentrale soll erklärtermaßen schrumpfen - 20 Prozent "Effizienzsteigerung" hat Kaeser als Ziel ausgegeben. Doch zugleich wollen die Sparten auch koordiniert sein, um ein Auseinanderdriften des Konzerns zu vermeiden.

Drei der Sparten firmieren im Siemens-Jargon als "Operating Companies", drei als "Strategic Companies". Der Unterschied ist formal die Art der Führung: Letztere sind eigenständige Aktiengesellschaften (oder sollen welche werden), die ersteren gehören zur Siemens AG. Nur dort kann der Konzernvorstand ohne weiteres durchregieren, ohne den Umweg über den Aufsichtsrat zu gehen. Zu ihnen gehören die renditestarke Digital-Sparte, in der Siemens ganze Fabriken automatisiert, "Smart Infrastructure" rund ums Bauen und - bisher - auch die Kraftwerks-Sparte "Gas & Power" mit dem Sorgenkind, den großen Gas- und Dampfturbinen, aber auch den großen Überland-Stromnetzen.

Insidern zufolge will Kaeser Gas & Power ausgliedern, was Fusionen und Partnerschaften erleichtern würde. Eine konkrete Lösung für die angeschlagene Gasturbinen-Sparte, etwa ein Joint Venture mit dem Rivalen Mitsubishi Hitachi, sei aber nicht in Sicht. Die Abspaltung in eine eigene Aktiengesellschaft war bei Siemens oft ein Signal dafür, dass man eine Sparte nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Analysten fänden das gut: "Das wäre ein mutiger Schritt", hieß es bei einer französischen Bank am Montag. Gas & Power stehe für 25 Prozent des Umsatzes, aber nur für fünf bis sieben Prozent des Wertes von Siemens, und ziehe damit bisher den ganzen Konzern nach unten.

Vorbild für die geplante Ausgliederung ist die Zug-Sparte "Mobility", die unter die "Strategic Companies" eingestuft wird, da sie eigentlich mit dem französischen Rivalen Alstom zusammengehen sollte. Doch die EU-Wettbewerbshüter hatten die Fusion torpediert. Analysten und Investoren fragen seither nach dem "Plan B": Ein Börsengang? Oder ein neuer Anlauf zur Fusion mit Bombardier? Doch Kaeser wird nicht müde zu betonen, wie gut die Sparte dastehe und dass es keinen Handlungsdruck gebe. Anders als bei den börsennotierten Tochterfirmen Siemens Gamesa und Healthineers ist die Ausgliederung bei Mobility bisher auch nicht vollzogen.