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Statt eines Prinzen ein "Master Archie"

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Baby Archie traf am Mittwochnachmittag seine Urgroßeltern. V. l. der Herzog von Edinburgh, der Herzog von Sussex, Königin Elizabeth, Doria Ragland, Archie Mountbatten-Windsor und die Herzogin von SussexAPA/AFP/DUKE AND DUCHESS OF SUSS
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Der Sohn von Prinz Harry und Meghan Markle heißt Archie Harrison Mountbatten-Windsor. Ein Trendname. Und ein Name, der viel über die Zukunft des Königshauses aussagen könnte.

Die Briten hatten, wie üblich, auf alles und jeden gewettet. Nachwuchs im Königshaus bedeutet normalerweise einen Geldsegen für die Wettbüros. Doch das Herzogenpaar von Sussex, Prinz Harry und Meghan Markle, dürfte Wettanbieter und Wetten-Abschließer gleichermaßen überrascht haben - nicht nur mit dem Geburtstermin (die Herzogin brachte ihr Kind offenbar einige Zeit nach dem errechneten Datum zur Welt), dem Geschlecht des Babys (die Briten hatten vorwiegend auf ein Mädchen getippt), sondern auch mit dem Namen.

Denn statt Arthur, Albert, Alexander oder James - Wettfavoriten und Namen mit langer royaler Tradition in Großbritannien - entschieden sich die frischgebackenen Eltern für die Namen Archie und Harrison für ihren am 6. Mai geborenen Sohn. Das verkündete das Büro des Herzogenpaares am späten Mittwochnachmittag. Königin Elizabeth, Staatsoberhaupt und Großmutter von Prinz Harry, sollte den Namen ihres Urenkels noch abnicken, ehe er verkündet wurde.

Die Herzogin und der Herzog von Sussex stellten ihren Sohn am Mittwochnachmittag auf Schloss Windsor in der englischen Grafschaft Berkshire der Weltöffentlichkeit vor. Die Familie lebt in einem Haus unweit des Schlosses auf dem königlichen Anwesen von Windsor.
Die Herzogin und der Herzog von Sussex stellten ihren Sohn am Mittwochnachmittag auf Schloss Windsor in der englischen Grafschaft Berkshire der Weltöffentlichkeit vor. Die Familie lebt in einem Haus unweit des Schlosses auf dem königlichen Anwesen von Windsor.APA/AFP/POOL/DOMINIC LIPINSKI

Dass Prinz Harry und seine US-amerikanische Ehefrau einen moderneren Namen für ihr Kind wählen würden, wurde schon länger vermutet - immerhin geben sich die beiden als Prinzenpaar für instagramaffine Millenials. Mit einem Archie als - immerhin - Nummer sieben in der Thronfolge des Vereinigten Königreichs hatte dann aber auch wieder niemand gerechnet. Kein Archibald - sondern schlicht und ergreifend Archie.

Britischer Trendname mit althochdeutschen Wurzeln

Weder Archie noch der zweite Name des Kindes - Harrison - waren bisher in der Namensliste des Königshauses zu finden. Archie liegt in Großbritannien im Trend; der Name ist ein Diminutiv von Archibald, einem althochdeutschen Namen, der „wahrlich mutig“ bedeutet. Harrison dürfte hingegen als eher augenzwinkernde Hommage an den Vater des Kindes verstanden werden: Der Name bedeutet schlicht „Harrys Sohn“.

Freilich: Für die Queen sind Urenkel mit halbwegs modernen Namen nichts Neues. Die Töchter ihres Enkelsohns Peter Phillips heißen Savannah und Isla, Phillips' kleine Schwester Zara nannte ihre Kinder Mia und Lena. Lediglich das Herzogenpaar von Cambridge, Prinz William und Kate Middleton, vergab klassische Namen: George, Charlotte und Louis heißen die Sprösslinge des künftigen Königs.

Keine Titel für „Master Archie“ 

Das Herzogenpaar von Sussex entschied sich auch dafür, seinem Sohn den offiziellen Nachnamen der britischen Königsfamilie zu verleihen: Archie heißt also Mountbatten-Windsor. Und soll auch so angesprochen werden. Obwohl Prinz Harrys Sohn sozusagen ein Anrecht auf den Titel Graf von Dumbarton gehabt hätte - einem nachgereihten Titel des Herzogtums von Sussex -, soll Archie einfach Archie Mountbatten-Windsor sein. Anrede: Master Archie Mountbatten-Windsor.

Ungewöhnlich ist das nur auf den ersten Blick. Die Namensgestaltung bei den Windsors ist nämlich äußerst flexibel. So heißt Prinz Harry in Wirklichkeit Prinz Henry - seine Eltern teilten aber bald nach seiner Geburt mit, ihn auch öffentlich Harry rufen zu wollen.

Lady Diana, Fürstin von Wales mit ihrem zweiten Sohn, Prinz Henry Albert Charles David von Wales. Aus ihm wurde Prinz Harry.(c) imago/UPI Photo (imago stock&people)

Auch bei den Nachnamen geht es mehr um Pläsier als um Regelwerk. Zwar ist der gesetzliche Nachname aller Nachkommen von Königin Elizabeth und ihrem Ehemann Prinz Philip, dem Herzog von Edinburgh, tatsächlich Mountbatten-Windsor, zusammengesetzt aus dem Namen des Herrscherhauses (Windsor) und dem eingeenglischten Nachnamen von Prinz Philip (eigentlich Battenberg) - doch im täglichen Gebrauch verwenden die Royals lieber Teile ihrer Titel. So wie Prinz Harry sich in der Armee „Kadett Wales“ nannte, ist bekannt, dass auch Prinz George in der Schule zu „George Cambridge“ wird - seine Mutter, die Herzogin, nennt sich manchmal „Mrs. Cambridge“. Prinzessin Eugenie von Yorks Arbeitgeber, die Kunstgalerie Hauser & Wirth, weist sie ebenfalls als „Eugenie York“ aus.

Und auch Titel sind eine Sache, die man diskutieren darf. So lehnte Königin Elizabeths jüngster Sohn Prinz Edward, Graf von Wessex, in den 2000er-Jahren königliche Titel für seine beiden Kinder ab - wenngleich sie „Lady“ und „Lord“ bleiben. Die Tochter der Queen, Prinzessin Anne, schlug Titel für ihre Kinder gänzlich aus. Lediglich die Töchter des Herzogs von York wurden automatisch und per Geburt Prinzessinnen des Vereinigten Königreichs.

Titel-Automatismus schon bei Cambridge-Kindern weg

Auch Prinz George, Prinzessin Charlotte und Prinz Louis von Cambridge erhielten ihre Titel schon bei der Geburt. Das gelang aber nur durch ein Einschreiten der Königin. Ansonsten wäre nur das erstgeborene Kind von Prinz William ein Prinz oder eine Prinzessin mit der Anrede „Königliche Hoheit“ geworden - das sieht das Windsorsche Familienrecht so vor, um die Königsfamilie klein zu halten.

Der 2013 geborene Prinz George von Cambridge hatte titeltechnisch noch einmal Glück. Hätte seine Urgroßmutter keine Ausnahme erteilt, wären ihm seine 2015 und 2018 geborenen Geschwister nicht ebenbürtig gewesen - zumindest, wenn es um den Rang bei Hofe geht. Im Bild die Herzogin und der Herzog von Cambridge nach der Geburt von Prinz George im Londoner Krankenhaus St Mary's
Der 2013 geborene Prinz George von Cambridge hatte titeltechnisch noch einmal Glück. Hätte seine Urgroßmutter keine Ausnahme ermöglicht, wären ihm seine 2015 und 2018 geborenen Geschwister nicht ebenbürtig gewesen - zumindest, wenn es um den Rang bei Hofe geht. Im Bild die Herzogin und der Herzog von Cambridge nach der Geburt von Prinz George im Londoner Krankenhaus St Mary'sAPA/AFP/ANDREW COWIE

Aus Prinzessin Charlotte wäre demnach Lady Charlotte Mountbatten-Windsor geworden, ihr jüngerer Bruder Louis hätte sich mit dem väterlichen Erbtitel Graf von Strathearn schmücken dürfen. Da aber der Herzog von Cambridge irgendwann auch Thronfolger sein wird, wollte man in London ein Titelchaos verhindern - und vergab die Prinzenrolle an alle Kinder von Prinz William.

Prinz Charles wünscht sich abgespeckte Königsfamilie

Der Titelverzicht der Sussex-Familie passt auch zu den Plänen für das britische Königshaus: Es ist bekannt, dass Prinz Charles, der Fürst von Wales, als König auf eine abgespeckte - letztendlich kostengünstigere - Version der Königsfamilie setzen will. So würde Archie Mountbatten-Windsor zwar die Anrede „Seine königliche Hoheit“ verbunden mit einem Prinzentitel gebühren, sollte sein Großvater auf den britischen Thron kommen. Doch die Entscheidung, schon jetzt keinen Titel an den Sussex-Spross zu vergeben, scheint anzudeuten, dass das auch dann nicht geplant ist.

Vielmehr dürften der Herzog und die Herzogin von Sussex ein recht privates Leben für ihren Sohn anvisiert haben. Die Top-Vertreter der britischen Monarchie werden wohl in der entfernten Zukunft einmal Prinz George, Prinzessin Charlotte und Prinz Louis von Cambridge sein.

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Prinz Charles wünscht sich eine abgespeckte Version der Königsfamilie. Im Uhrzeigersinn: Prinz Louis von Cambridge am Arm seiner Mutter, der Hezogin von Cambridge, Prinz William, Herzog von Cambridge, Prinz Harry, Herzog von Sussex, die Herzogin von Sussex, Prinzessin Charlotte von Wales, die Herzogin von Cornwall, Prinz Charles, Fürst von Wales und Prinz George von Cambridge (Archivbild)(c) APA/AFP/CLARENCE HOUSE/CHRIS JACKSON (CHRIS JACKSON)

Britische Thronfolge

  1. Prinz Charles, Fürst von Wales
  2. Prinz William, Herzog von Cambridge
  3. Prinz George von Cambridge
  4. Prinzessin Charlotte von Cambridge
  5. Prinz Louis von Cambridge
  6. Prinz Harry, Herzog von Sussex
  7. Archie Mountbatten-Windsor
  8. Prinz Andrew, Herzog von York
  9. Prinzessin Beatrice von York
  10. Prinzessin Eugenie von York
  11. Prinz Edward, Graf von Wessex
  12. James, Vicomte Severn
  13. Lady Louise Windsor
  14. Prinzessin Anne, Princess Royal
  15. Peter Phillips
  16. Savannah Phillips
  17. Isla Phillips
  18. Zara Tindall
  19. Mia Tindall
  20. Lena Tindall