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Flashmobs gegen das Asylrecht

Zwei Nigerianer sollten laut geltenden Asylrechts abgeschoben werden. Sollte auch geschehen.

Vor drei Jahren machte uns Arigona Zogaj mit einer neuen Facette des Asylrechts bekannt. Obwohl alle Instanzen negative Beurteilungen zu einem Asylfall abgegeben haben, die Abschiebung logisch gewesen und in jedem vergleichbaren europäischen Land vollzogen worden wäre, blieb ein merkwürdiges Gefühl zivilen Unwohlseins.

Warum wird ein junger, gut integrierter Mensch abgeschoben, für den viele in der nächsten Umgebung – was schwer wiegt – und noch viel mehr dank entsprechender Mobilisierung der Medien – was weniger wiegt – in ganz Österreich demonstrieren? Weil so die Regeln sind, lautete die Antwort. Bis heute darf die Frau (in rechtlichem Schwebezustand) bleiben. Dagegen zu sein beweist nur Zynismus und Härte.

Und doch dürfte ein Argument gegen Arigona Zogajs Verbleib wahr gewesen sein: Wenn sie bleibt, muss doch jeder abgelehnte Asylwerber mit breiter Mobilisierung hier leben dürfen. Ende vergangener Woche wurde die Abschiebung von zwei Nigerianern, beide in allen Instanzen abgelehnt, verhindert. Die Polizei hat sie – ohne viel Gespür für Symbolik– bei einem Fußballtraining des Vereins „FC Sans Papiers“, bei dem die beiden spielen, abtransportiert.

200 spontane Demonstranten sorgten später für den Abbruch der Polizeiaktion– koordiniert via SMS, Facebook und Twitter. Nur weil uns die Methode sympathisch vertraut ist, ist es die Aktion selbst nicht. Konsequenterweise sollte die Facebook-Gruppe für die Abschaffung jedes Asylrechts eintreten. Gegen Staaten und ihre Grenzen.


rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2010)