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ArcelorMittal: Stahlprimus drückt die Stimmung

(c) REUTERS (Dado Ruvic)

Überkapazitäten, niedrige Preise und der Handelskonflikt belasten den Gewinn.

Luxemburg. Wenn der Branchenprimus in die Knie geht, tut das der ganzen Branche nicht gut: So geschah es am Donnerstag, als der weltgrößte Stahlhersteller, ArcelorMittal, für das erste Quartal bei einem auf 19,2 Mrd. Dollar stagnierenden Umsatz einen Gewinneinbruch von 1,2 Mrd. auf 414 Mio. Dollar meldete. Das operative Ergebnis verringerte sich um mehr als ein Drittel auf 1,65 Mrd. Dollar.

Die Aktie verlor allein bis Mittag rund fünf Prozent, fiel auf ein 52-Wochen-Tief und zog auch die Papiere anderer Stahlkonzerne mit: ThyssenKrupp verbilligte sich um gut zwei Prozent, Voestalpine um mehr als 3,5 Prozent.

ArcelorMittal bekommt die schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen in der Branche zu spüren. „Überkapazitäten und niedrigere Verkaufspreise aufgrund einer schwächeren Konjunktur sowie steigende Rohstoffkosten belasteten unserer Ergebnisse“, erklärte Konzernchef Lakshmi Mittal.

China überschwemmt schon länger vor allem den europäischen Markt mit Stahl zu Dumpingpreisen. Die von der EU beschlossenen Abwehrmaßnahmen greifen bislang noch nicht voll. Dazu kommt der gerade wieder eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und China, in dem Stahlprodukte ebenfalls eine große Rolle spielen.

ArcelorMittal warnte deshalb vor einer sinkenden Stahlnachfrage außerhalb von China und hat deswegen schon Anfang Mai entschieden, die Produktion von Rohstahl auf das Jahr hochgerechnet um drei Millionen Tonnen zurückzufahren. Der Konzern produziert die Hälfte seines Stahls in Europa.

Commerzbank-Analyst Ingo Schachel sagte, diese angespannte Situation werde sich auch in den Geschäftszahlen wichtiger Wettbewerber zeigen. „Es ist ein Konjunkturthema und nicht spezifisch für das einzelne Unternehmen.“

Bei der Voestalpine, die sich bisher aufgrund der Spezialisierung auf Hightech-Stähle und deren Verarbeitung von den Trends bei Massenstahl weitgehend abkoppeln konnte, halbierte sich in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2018/19 der Nettogewinn auf 276 Mio. Euro.

ThyssenKrupp legt am Dienstag Zahlen zum ersten Halbjahr 2018/19.
Der starke Rückgang beim Nettogewinn war bei ArcelorMittal auch Wertberichtigungen geschuldet, so etwa für den Zukauf des italienischen Stahlunternehmens Ilva. ArcelorMittal hat im Vorjahr das marode, unter Staatsaufsicht stehende Unternehmen um kolportierte 1,8 Mrd. Euro übernommen. (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2019)