Mir wird schwindlig

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Sprechblase Nr. 290. Warum „360 Grad“ das neue „ganzheitlich“ ist.


In der Schule war es meist kein Vorteil, einen mit A, B oder C beginnenden Familiennamen zu haben. Die Wahrscheinlichkeit, bei einer Stundenwiederholung dranzukommen, war angesichts der Reihung im Klassenbuch dramatisch hoch.

Ähnlich sortiert auch gängige Software: nach Alphabet. Vor den Buchstaben kommen nur Sonderzeichen und Zahlen. Wer wichtige Daten top gereiht haben und nicht alles mit einem Unterstrich vorn benamsen möchte, greift zu Zahlen.

So ist das früher populäre Wort „ganzheitlich“ gänzlich unattraktiv geworden. Das G, als Nummer acht im Alphabet nur Mittelfeld, hat keine Chance gegen – Achtung, Sprechblase – „360 Grad“. Alles 360 Grad. 360-Grad-Ansätze, -Methoden, -Feedbacks.

Klingt nach einer runden Sache. Man muss nur aufpassen, dass einem nicht schwindlig wird und man sich nur im Kreis dreht.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter des Ressorts "Management & Karriere" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

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